Facebook: „ProPublica“-Plugin deckt Spionage auf

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ProPublica„, der US-amerikanische Non-Profit-Newsdesk, hat eine Browser-Erweiterung für Google Chrome entwickelt. Dieses Plugin zeigt den Usern, welche Daten Facebook über sie gespeichert hat.

Die Social-Media-Plattform erhebt regelmäßig Daten über ihre zwei Mrd. Nutzer aufgrund deren Online-Aktivitäten. Nun können interessiere Nutzer mit Hilfe des neuen Plugins Einsicht nehmen und die Angaben auf ihre Richtigkeit prüfen. Es ermöglicht sogar eine Bewertung der Daten auf Exaktheit.


ProPublica ist ein 2007 in New York gegründeter, durch Stiftungen finanzierter US-amerikanischer Non-Profit-Newsdesk für investigativen Journalismus. Erklärtes Ziel der mit 32 festangestellten Journalisten und mehr als 2200 Freiwilligen größten derartigen Organisation ist die Förderung des aus wirtschaftlichen Gründen vernachlässigten investigativen Journalismus in den USA.

Immer wieder kann man von ihnen ausführlich recherchierte Berichte über Missstände und Skandale, auf die sonst niemand aufmerksam macht, lesen. Bevor ProPublica begann, den Politikern auf die Finger zu schauen, sorgte ein Bericht über die Verquickung von Ärzten und Pharmaindustrie für Aufsehen. Dazu wurde auch eine Datenbank angelegt, die nach verschiedenen Kriterien zu durchsuchen ist und wiederum Grundlage für weitere Berichte anderer Presseverlage wurde. 2016 bekam ProPublica den Pulitzer-Preis für Erklärende Berichterstattung.

Es ist völlig egal, welche Handlung man bei Facebook gerade ausführt, der Facebook-Algorithmus verfolgt seine Nutzer quasi bei jeder Aktivität und protokolliert es. Laut ProPublica ist das beim Liken von Beiträgen genau so der Fall, wie beim Posten von Fotos, von politischen Standpunkten, beim Aktualisieren der Interessen, beim Ändern des Beziehungsstatus und bei vielem mehr. Doch die Spionage-Software macht auch hier keinen Halt. Zusätzlich werden User nämlich beim Stöbern durch Online-Shops, beim Mieten von Autos oder beim Vereinbaren von Terminen auf Webseiten, die über einen Facebook-Share-Button verfügen, auf Schritt und Tritt ausgespäht. All diese Angaben sammelt Facebook zur Analyse und erweitert somit das persönliche Dossier.

Für den Fall, das die bereits gesammelten Daten noch unzulänglich sind, kauft der Social-Media-Riese darüber hinaus laut ProPublica noch zusätzliche Angaben von einigen der größten kommerziellen Daten-Broker über seine Nutzer, die Hypotheken, Autobesitz und Einkaufsgewohnheiten betreffen. Das Plug-in kann im Chrome Web Store von hier bezogen werden.

Fazit:

Personalisierte Werbung als Ziel

Facebook hat infolgedessen eine besonders umfassende Reihe von Dossiers über seine mehr als zwei Milliarden Mitglieder. Diese Informationen werden anschließend dafür genutzt, um Werbung zielgenau verkaufen zu können. Insgesamt bietet Facebook Marketing-Spezialisten über 1.300 verschiedene Kategorien für Zielgruppenwerbung an. Das Social-Media-Portal nutzt zudem selbst 98 personenbezogene Datenpunkte, um seine User durch maßgeschneiderte Werbeanzeigen anzusprechen. Diese beziehen sich beispielsweise auf den Standort, das Alter, die Generation, das Geschlecht, die Sprache und vieles mehr.

Bildquelle: Simon, thx! (CC0 Public Domain)

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9 Kommentare

  1. Leser sagt:

    Mal so am Rande – wer hat denn heute noch einen FB Account mit seinen Realdaten und scheisst sich was um irgendwelches Tracking??? Nur die Provinzdeppen aus dem allerhintersten Dorf. Und die Tarnkäppler offensichtlich.

  2. Richie sagt:

    Das ist zur Hälfte trivial und zur Hälfte falsch. Natürlich protokolliert FB jede Handlung auf dem Netzwerk, sie muss ja auch angezeigt, ausgespielt werden. OH GOTT DIE BLOGSOFTWARE HIER LOGGT MEIN EINGETIPPTES!!1 Himmel, das ist schlicht dämlich.
    UNd das Falsche: es wird eben *nicht* mit Marketingexperten frisch der Datenpool geteilt. FB verkauft keine Daten, sondern Werbeplätze. Ich habs nebenan auf https://www.korrupt.biz/6190/facebook-basher-bashen-yet-another-datenschutzueberwachungs-reframe/ schon zum zweiten Mal lang ausbreiten müssen und der Schwachsinn wird immer noch verbreitet von Leuten, die es echt besser wissen müssten, es ist zum Kotzen.

    • Hallo Richie!

      Danke fürs Feedback! Niemand ist perfekt. Agenturmeldungen die im 1. Blick plausibel klingen, lassen sich in aller Kürze nur schwer überprüfen. Außer man nimmt sich die Zeit. Gut das es die Kommentarfunktion gibt, denn das Wesen des Netzes ist, geben und nehmen. Es schadet nicht, auch als Autor immer etwas dazu zu lernen.

      Lg. M.

      • Heinz M. Hanko sagt:

        Ich hab nix gegen Rants, und der hier ist an sich gut gesetzt. In Summe trotzdem Unfug, weil entscheidende Aspekte nichtmal angedacht sind. Da sind keine sozialen Implikationen (zB. wollen wir die permanente Belästigungskultur weiter fördern?), keine wirtschaftlichen Überlegungen fertig gedacht, nur das Pseudo-Dogma des „werbefinanziert ist alternativlos“ unreflektiert reingeworfen, etc etc etc.
        Der ausdrückliche Hinweis auf die Grenzen der Datenschutz-Hysterie und ein paar harte technische Fakten dazu halte ich für nötig, da wird wirklich viel zuviel Bullshit paranoisiert. Was aber gar nicht geht, ist, alle als Arschlöcher und Parasiten darzustellen, die eben nicht wollen, dass ihnen ständig wer am Rockzipfel hängt und konsumterrrorisieren will. Vor allem, wenn Alternativen als nichtmal der Rede wert abgeschasselt werden.

        Bei derart vielen Nutzern kann btw auch nicht mehr rein privatwirtschaftlich argumentiert werden. Wenn FB groß genug ist/wird, quasi eine Art Basis-Kommunikationsinfrastruktur darzustellen, muss imho reflektiert werden, ob ein Monopolist alleine und selbstherrlich die Regeln festlegen kann.

        Aber ok, das ist alles eine lange Geschichte. Fakt für mich ist, dass diesem durchaus substanziellen Aufschrei mindestens ein weiterer folgen sollte: Einer, der über „Jeder Krämer lobt seine Ware, und kleistert sich seine Rechtfertigung“ hinausgeht. Alleine stehend kann er nix, sorry.

        • Heinz M. Hanko sagt:

          @ moderator: habs falsch palziert. War auf den Link von Richie gemünzt. Wenn geht verschieben, thx

        • Richie sagt:

          Heinz, möglich, dass wir aneinander vorbeireden. Kritik am Ton, nun ja, deswegen schreib ich eingangs, dass es stark und aggressiv wird, weil man sich besser dran abarbeiten kann.
          Inhaltlich… ich glaube, da können wir das Schwarze Peter-Schieben-Spielchen spielen, wie wir lustig sind. Meine These, werbefinanziert sei alternativlos, gründet sich explizit auf die Existenz wenig/nichtinvasiver Alternativen und deren offenkundigem Misserfolg. Die zugrundeliegenden Netzwerkeffekte sind hinlänglich bekannt und belegt. Ein Dogma seh ich mitnichten, mir sind diese Alternativen ja bestens bekannt. Nur ist die Milliarde+ FB-Nutzer eben ein schwer zu ignorierender Fakt.
          Die Hinterfragerei des „rein privatwirtschaftlichen“ les ich eben direkt als eine wie auch immer geartete staatliche (Mit)Steuerung,. und ich sollte nicht die letzten Jahre Geheimdienstgeschichten referieren müssen, um zu belegen, dass der Alptraum dann allenfalls schwärzer wäre.
          Den Schuh, den ich mir gerne anziehen will: ein „das ist alles ganz prima so“. Ganz und gar nicht meine Meinung, ich glaube nur nicht, dass ein FB-Bashen, dazu noch mit teils vollkommen kruden Statements da was ändert, im Gegenteil. Nichtsdestotrotz halte ich die Adblocker-Typen für Schmarotzer, denn niemand zwingt sie, die „Leistung“ von Facebook zu erschleichen. Und insbesondere unter deiner Prämisse, man müsse was gegen den bereits infrastrukturellen Charakter von FB tun: dort wäre dein Zorn gut adressiert, denn diese Leute befördern aus reiner Bequemlichkeit den Netzwerkeffekt/Lock-In von Facebook, anstatt mit ihrer offensichtlichen Unzufriedenheit andere netzwerke zu stützen und ihr Umfeld zum Wechseln zu bewegen.

      • Richie sagt:

        No offense meant. Das schlimme ist ja auch, dass ohne drastische Überschriften/Statements dann auch wieder die Hälfte gähnt und sagt, ach was.

  3. Jens sagt:

    Wird direkt getestet. Danke

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