Digitalpakt für Schulen – Warum klappt das eigentlich nicht?

Aktuell wäre eine ordentliche IT-Infrastruktur an unseren Schulen wichtig - doch trotz Digitalpakt für Schulen sieht die Realität anders aus!

Digitalpakt Schule
Foto Ivan Aleksik, thx!

Corona hält Deutschland fest im Griff. Gerade  jetzt wäre eine ordentliche IT-Infrastruktur an unseren Schulen wichtig – doch trotz Digitalpakt für Schulen sieht die Realität anders aus! Wir schauen uns das einmal in Ruhe an.

Mit dem „DigitalPakt Schule“ wollen Bund und Länder für eine bessere IT-Ausstattung der Schulen sorgen. Dafür stellen sie fünf Milliarden € zur Verfügung. Das ist bei rund 40.000 Schulen ein Zuschuss von 125.000 Euro pro Schule. Doch warum klappt das Ganze trotzdem nicht?

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Schülerseminar: sicheres surfenLaut Werbevideo des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) soll die Initiative für die Digitalisierung von den Lehrern einer Schule ausgehen.

Ein Problem dabei ist, dass die meisten Lehrer in gehobenem Alter über 50 Jahre sind. Dementsprechend ist ihre IT-Affinität eher überschaubar. Warum sollte ein Lehrer, der 30 Jahre ohne Internet, PCs, Whiteboards & Co. unterrichtet hat, seine Komfortzone verlassen? Mit welcher Motivation sollte er etwas komplett Neues lernen? Selbst wenn ein Lehrer die Motivation aufbringen sollte, dann müsste er das Ganze zusätzlich zu seinem normalen Unterricht machen – ohne jeglichen Ausgleich in Form von Geld oder Freizeit.


Digitalpakt für Schulen: zu komplizierter Medienplan

Um die Förderung zu bekommen, ist ein sogenannter Medienplan erforderlich. Dieser besteht aus den Teilen: „Pädagogische Strategie“, „Technische Anforderungen“ und „Weiterbildungsplan für Lehrer“.

Der pädagogische Plan müsste wieder von irgendeinem Lehrer kostenfrei in seiner Freizeit erstellt werden. Die technischen Anforderungen erfordern fundiertes technisches Wissen, welches in der Regel in einer Schule nicht zu finden ist. Deshalb müsste dieses Wissen teuer extern eingekauft werden. Da Schulen schon mit dem Kopiergeld von ein bis zwei Euro zu kämpfen haben, kann man sich leicht vorstellen wie es um die Vorfinanzierung steht, wenn noch nicht mal klar ist, ob die Schule die Förderung auch wirklich bewilligt bekommt.

Auszug aus dem Digitalpakt Schule

Screenshot vom Video des BMBF über den Digitalpakt Schule.

Das letzte Problem besteht im Weiterbildungsplan: die Masse der Lehrer* haben keinerlei Vorstellung von IT. Eine Weiterbildung umfasst deshalb keinen 4 Stunden-Intensivkurs, sondern eher ein mehrere Monate dauerndes heranführen an neue Technologien. Wer mit Computern arbeiten will, braucht neben IT-Wissen zwingend auch Kenntnisse im Bereich Datenschutz, Persönlichkeits- und Urheberrechten. Während dieser Zeit stehen die Lehrer aber natürlich nicht für den regulären Unterricht bereit, was die eh schon angespannte Lehrersituation noch weiter verstärken würde.

Schulen sind bautechnisch nicht vorbereitet

Digitalpakt für Schulen

Ein Großteil der Schulen bestehen aus alten Gebäuden von vor 1990. Diese alten Gebäude enthalten in aller Regel keine modernen Verkabelung. Kabelschächte gibt es dort natürlich auch nicht. Dadurch ist das nachträgliche Verlegen von Kabeln sehr aufwendig. Die Kosten hierfür werden zwar vom Projektträger übernommen, allerdings fehlt das Geld dann natürlich bei der IT-Ausstattung.

Das WLAN ist häufig aus bautechnischen Gründen (dicke Stahlbetonmauern) wenig effizient. Es bedarf außerdem einen erfahrenen Administrator, der das WLAN regelmäßig wartet. Die Schüler sollen ja Lern Apps nutzen und nicht den ganzen Tag auf Facebook surfen. Die Kosten für die zukünftige Betreuung sind im Förderprogramm vom Digitalpakt für Schulen nicht enthalten.

Zu guter Letzt fehlt es den meisten Schulgebäuden aufgrund ihres Alters an einer modernen Internetanbindung. Es ist völlig unklar, wie mehrere Klassen parallel Lehrvideos schauen sollen, wenn die Schule nur einen kleinen DSL-Anschluss besitzt. Glasfaser sollte es in der heutigen Zeit schon sein – die Hochschulen machen es vor. Der Ausbau einer Glasfaserleitung ist vom Digitalpakt für Schulen nicht abgedeckt und müsste über einen gesonderten (aufwendigen) Förderantrag beauftragt werden.

 

Fazit vom Digitalpakt für Schulen

Der Digitalpakt für Schulen ist zwar gut gemeint. Er stellt sich aber als äußerst teuer dar und kollidiert leider komplett mit der Realität: Lehrer als Treiber sind mit der Aufgabe völlig überfordert. Schulen bedürfen in der Regel enorme bautechnische Vorarbeiten und wichtige Teile der Finanzierung sind nicht förderfähig. Die Regierung sollte hier noch einmal nachschärfen!

* Schätzung des Autors

Tarnkappe.info

Über den Autor

Der ITman ist Geschäftsführer der Kies-Media GmbH aus Suhl. Seit seinem Informatik-Studium beschäftigt er sich mit vielen Themen rund um Webentwicklung, Datenschutz und ethische Fragen der IT-Welt.