DiDW 3 endgültig offline

Der dritte Anlauf des Forums Deutschland im Deep Web (DiDW 3) haben die Betreiber heute vom Netz getrennt. Auf germanyruvvy2tcw.onion ist nur noch eine Abschiedsbotschaft des Admins Sudo sichtbar.

Ende Gelände bei DiDW 3. Zwar sind sich die Betreiber darüber einig, dass ein digitaler und zudem anonymer Treffpunkt im Netz sinnvoll ist. Allerdings wollte keiner der Macher langfristig mit den damit verbundenen Risiken leben. Es lag möglicherweise an den umfassenden möglichen juristischen Konsequenzen im Fall eines Busts. Vor allem mangelte es laut Sudo an der Aktivität einiger Nutzer. Viele haben sich nach dem Auftauchen der dritten Version eingetragen, um die weitere Entwicklung abzuwarten. In der Folge kamen zu wenige oder zu destruktive Diskussionsbeiträge von den Usern.


Ein wenig geschichtlicher Hintergrund: Das Ur-DiDW gründete Lucky im Jahr 2013. An die Größe und Aktivität dieses Forums kam keiner der Nachfolger auch nur ansatzweise heran. Aufgrund des Münchener Attentats, welches 2016 mit einer beim DiDW gekauften Waffe durchgeführt wurde, stieg das mediale Interesse und somit der Druck auf die Ermittlungsbehörden stark an. Im Sommer 2017 gelang es mit einigen Tricks, Luckys Rechner im unverschlüsselten Zustand zu beschlagnahmen, um ihn zu überführen. In der Folge wurde Lucky wegen fahrlässiger Tötung bzw. Körperverletzung zu sechs Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Hätte man dort den Handel von Waffen verboten, wäre DiDW wahrscheinlich noch online.

DiDW 3: lieber ein Ende mit Schrecken?

germanyruvvy2tcw.onionDiDW 2 ging 2018 unter der URL didwzweiypgcznon.onion für kurze Zeit ans Netz. Und als dieses Forum dann überraschend ausfiel, wurde der Nachfolger nur zehn Tage später angeschaltet. „Wir waren (anfangs) guter Dinge und durchweg motiviert. Angefangen mit den Aktionen des Users Wehrmacht begann die Stimmung zu kippen. Die Entwicklung ging dann, wenn auch nicht ausschließlich deshalb, in eine falsche Richtung. Die gesunde Mischung in der Community stimmte nicht mehr. Und genau das ist einer der fundamentalen Punkte, damit so eine Plattform funktionieren kann auf lange Sicht„, schreibt Sudo in seinem Statement. Der Umgangston war früher ein völlig anderer. „Auf DiDW waren Diskussionen zwischen Personen oder Gruppen gegensätzlicher Lager keine Seltenheit sondern Alltag. Und auch wenn das nicht immer sachlich ablief, blieb es gewaltfrei. Das ist in der realen Welt nicht denkbar in dem Ausmaß.

Lucky bleibt unvergessen!

DiDW Zwei Mauer Deutschland im DeepwebDas war es also mit diesem Forum, der Versuch war es wert, aber das was sich hier entwickelt hat, wird unserem eigenen Anspruch und auch Lucky nicht gerecht. (Das) wäre es vielleicht irgendwann bei entsprechender Unterstützung aus der Community geworden. Für viele, gerade neuere User mag der Aspekt Lucky oder was er davon halten würde nicht so wichtig sein, für uns ist es jedoch so. Wir wissen nämlich ganz genau, was wir Lucky zu verdanken haben und werden das auch nie vergessen. Genau so wenig wie wir Lucky selbst nicht vergessen werden.

Wer möchte, kann sich auf https://germanyhusicaysx.se (Blog noch leer) beziehungsweise https://freelucky.ru (Weiterleitung) über anstehende Projekte, Ideen oder neue Foren informieren. Zumindest für DiDW 3 ist heute leider endgültig der letzte Vorhang gefallen.

Tarnkappe.info

 

Beitragsbild von Taskin Ashiq, thx! (Unsplash Lizenz)

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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