CUII sperrt Ausweichdomains von Serienstream.to

Die CUII sperrt jetzt die Ausweichdomains serien.sx und serienstream.sx. Betroffen sind die Kunden der großen Festnetz- und Mobilfunk-ISPs.

Netzsperren, Blockade
Bildquelle: Piqsels

Ohne größere Verzögerung sperrt die Clearingstelle Urheberrecht im Internet (CUII) nun auch die Ausweichdomains von Serienstream.to. Neben serien.sx geht auch serienstream.sx nicht mehr. Festnetz-Kunden von 1&1, Deutsche Telekom und Vodafone Deutschland erhalten nur noch die Sperrmitteilung. Die Sperre betrifft mittlerweile auch Kunden der Mobilfunksparte von 1&1, E-Plus und O2.

Impressum der CUII lückenhaft

serienstream.to vodafone

Am 11. März waren schon die ersten DNS-Sperren aktiv. Die Domains s.to und serienstream.to waren fortan nicht mehr für die Surfer der drei großen Internet-Anbieter erreichbar. Stattdessen zeigt man ihnen eine Warnmeldung der CUII an.

Diese Clearing-Stelle bringt Rechteinhaber und ISPs an einen Tisch. Jeden Monat gibt man im Rahmen eines Meetings Empfehlungen ab, welche strukturell urheberrechtsverletzenden Portale man als nächstes sperren will. Auf Antrag eines der Mitglieder prüft diesen der hauseigene Prüfungsausschuss. Die Namen der Prüfer hält man strikt geheim.

Übrigens ist auch das Impressum der CUII rechtswidrig, weil sich z.B. keine Telefonnummer zur Kontaktaufnahme darin findet. Update: Sofern ein ebenso effizienter Kontaktweg angeboten wird, ist das Impressum auch ohne Telefonnummer nicht rechtswidrig. Allerdings hat uns die CUII effizient ignoriert, bzw. unsere bisherigen Presseanfragen.

CUII hat Ersatzdomains zeitnah gesperrt

Offenkundig ist eine weitere Sitzung unnötig, um die von den RaubMordKopierern neu eingerichteten Domains ebenfalls zu sperren. So ist das Portal derzeit auch über die Internet-Adressen serien.sx und serienstream.sx nicht mehr erreichbar. Wer das umgehen will, muss sich nicht ständig neue URLs merken. Entweder man nutzt einen der von uns geprüften DNS-Server. Oder aber man nimmt einen VPN-Anbieter seiner Wahl in Anspruch.

Bislang keine Reaktion von den Betreibern

Netzsperren

Was die Betreiber von Serienstream.to vom Vorgehen der CUII halten, hätten wir gerne von ihnen gewusst. Admin Reddington war aber seit gestern leider nicht mehr im eigenen Forum online. Auch einer seiner Mods hat bislang noch nicht auf unsere Presseanfrage reagieren können. Wir reichen natürlich jede Reaktion der Macher nach, sollten wir eine erhalten. Für s.to sind die neuerlichen Sperren bestimmt mit enormen Umsatzeinbußen verbunden. Von daher wäre eine Reaktion sehr aufschlussreich. Im Oktober 2017 sagte uns Admin Reddington beim Interview noch, dass er glaubt, dass immer neue Technologien entwickelt werden, um das Umgehen von Schranken und Sperren zu umgehen. „Was manche nicht erkennen oder erkennen wollen, ist, dass das Internet seit Beginn vor allem für eins steht: freier Zugang zu Informationen.“

Update – Nachricht von Reddington:

Ja, der Zugriff auf die Ausweichdomains über die Provider-DNS Server wurde mittlerweile auch blockiert.

Da für Mirror und Alternative Adressen keine Freigabe der Bundesnetzagentur eingeholt wird, können diese Domains relativ kurzfristig mit zensiert werden. Der Sitzungsausschuss der CUII tagt laut des veröffentlichten Verhaltenskodex alle 14 Tage, weswegen solche Ausweichdomains zukünftig nur noch maximal 10-20 Tage halten, bevor diese zusätzlich blockiert werden. Es macht also in Zukunft mehr Sinn, neue Domains immer mit der Salamitaktik veröffentlichen, damit die neue Clearingstelle auch etwas zu tun hat. Wenn man den Zeitplan von unserer S.to Sperrung betrachtet, können neue Websites nun innerhalb von 4-6 Wochen vollständig blockiert werden, was ein relativ kurzes Zeitfenster ist.

Der Trend in der Branche geht aktuell zu Domains, welche als Domainlisten fungieren und sämtliche aktuellen Alternativ-Domains auflisten. Ein Beispiel kann man unter der Internetseite Serien.Domains oder Burningseries.Domains finden. Da diese Adressen keine individuellen urheberrechtlich bedenklichen Inhalte besitzen, sollte sich eine Sperrung schwierig gestalten. Grundsätzlich empfehlen wir allen Portalen, betroffene Nutzer aktiv und frühzeitig auf einen zensierten Internetzugang hinzuweisen, damit die Nutzer sich schon mal darauf vorbereiten können. Im Nachhinein gestaltet sich die Verbreitung der Information nämlich besonders schwierig, vor allem, wenn man kurzfristig handeln muss.

Die neuen Sperrungen haben natürlich temporär spürbare Einbrüche in den Besucher-Statistiken, da die beteiligten Internetprovider über 90% des Marktes in Deutschland abdecken. Da sprechen wir schon von Zahlen im Bereich 15-30%. Glücklicherweise sind ein Großteil der Nutzer mittlerweile technisch in der Lage, einen alternativen DNS-Server im Browser, auf dem Computer oder über den Router zu konfigurieren. Nach 1-2 Monaten haben die meisten User die Sperrung allerdings spätestens erkannt und nutzen einen alternativen DNS-Server. Die Auswirkungen der damaligen Vodafone & Telekom Sperre haben auch nach kurzer Zeit keine wirklichen Auswirkungen mehr gezeigt.

Langfristig muss man mal abwarten, was die ganze Geschichte in der Szene für Folgen haben wird. Der Trend zu Netflix, Disney Plus & Co. ist seit Jahren in den Besucherzahlen merkbar, da die dortigen Angebote sich stets verbessern. Die deutschsprachige Streaming-Szene wird auch häufig in der Größe sehr überschätzt, da nur 1-2 Seiten niedrige sechsstellige Besucherzahlen am Tag erreichen. Unter Betrachtung der 7,26 Millionen zahlenden Netflix-Nutzer in Deutschland im ersten Quartal 2020 wirkt das ganze schon nach starker Überregulierung.

LG Reddington

Den Mitgliedern der CUII, also den Vertretern der Plattenfirmen, Verlage, der Games- und Film-Branche, der Pay-TV-Sender und last, but not least der Deutschen Fußball Liga (DFL) dürfte es sehr gefallen, dass sie für die DNS-Sperren keine Gerichtsurteile mehr benötigen. In den letzten Jahren ging jeder DNS-Sperre bei nur einem der nun beteiligten ISPs ein langatmiges und teures Gerichtsverfahren voraus. Das hat am Ende wahrscheinlich mehr Kosten verschlungen, als es etwas gebracht hat. Wie gesagt, pro Sperre bei einem ISP war jeweils ein Urteil nötig. Jetzt sperren alle größeren Internet-Anbieter freiwillig und kostenlos auf Zuruf. Und dann alle auf einen Schlag. Lange hat’s bis zur Gründung der CUII gedauert, jetzt ist sie aktiv. Der Verein will jedes Jahr mehrere einhundert DNS-Sperren durchführen.

Sperre trifft vor allem reguläre Surfer

cuii logo

Wie das aktuelle Beispiel zeigt, dürfte die zu erwartende Anzahl an DNS-Sperren noch viel höher liegen, wenn man ebenfalls zeitnah alle Ausweichdomains sperrt.

Technik affine Nutzer haben kein Problem damit, einen DNS-Server bei ihrem Browser einzutragen. Somit trifft die Maßnahme die Masse an regulären Surfern, die sich bisher nicht mit solchen Dingen herumschlagen wollten. Doch die bequemen Zeiten sind jetzt wohl vorbei.

Tarnkappe.info

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.