Chelsea Manning: Selbstmordversuch soll mit Einzelhaft geahndet werden

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Übergabe von 100.000 Unterschriften für Chelsea Manning. Quelle: https://fightforthefuture.org, thx!

Gestern wurde bekannt, dass sich die Haftbedingungen der Whistleblowerin Chelsea Manning aufgrund ihres Selbstmordversuches vom 5. Juli 2016 erheblich verschlechtern könnten. Manning droht aufgrund der begangenen „Ordnungswidrigkeiten“ eine langfristige Einzelhaft. Eine weitere Verurteilung würde zudem die Chancen auf eine Umwandlung zur Bewährungsstrafe zunichtemachen.

Der inhaftierten Whistleblowerin Chelsea Manning wurde gestern von Mitarbeitern der US-Army ein Dokument überreicht. Demnach steht eine neue Untersuchung an. Der Selbstmordversuch soll möglicherweise damit geahndet werden, dass man ihre Gefängnisstrafe für die nächsten Jahrzehnte in Einzelhaft umwandelt.


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Manning leidet unter Depressionen und bemängelt, dass sie seit ihrer Inhaftierung im Jahr 2010 in Bezug auf ihre Transsexualität keine medizinische Versorgung oder sonstige Unterstützung erhalten habe. Manning verbüßt ihre Strafe in einem Gefängnistrakt, der ausschließlich für männliche Gefangene ausgelegt ist. Jetzt soll ihr erfolgloser Versuch, sich das Leben zu nehmen, aufgrund der begangenen „Ordnungswidrigkeiten“ juristisch geahndet werden. Nach Angaben der Nichtregierungs-Organisation ACLU könnte im Urteil festgelegt werden, dass sie künftig unter maximalen Sicherheitsbedingungen festgehalten wird. Dies würde im schlimmsten Fall Einzelhaft bedeuten, zuzüglich zu weiteren neun Jahren Haft mit weniger harten Sicherheitsvorgaben.

ACLU-Mitarbeiter Evan Greer bezeichnet die Vorgehensweise als eine „Farce“. Man werde nicht tatenlos zusehen, wie die US-Regierung Manning weiterhin „belästigt“ und „missbraucht“. Man habe die Transsexualität der Inhaftierten nie anerkannt oder in irgendeiner Weise berücksichtigt. Jetzt wo Manning seit ihrer Verhaftung ihre „dunkelsten Depressionen“ erleide, ergreift die US-Regierung auch noch Maßnahmen, um sie für ihren Schmerz zu bestrafen, klagt ACLU an. Die Organisation verlangt, dass die angekündigte Untersuchung eingestellt wird. Manning solle eine Gesundheitsversorgung erhalten, bei der sie tatsächlich die Chance bekommt, wieder gesund zu werden.

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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3 Kommentare

  1. Ein Leser sagt:

    Ich habe langsam den Eindruck, daß Chelsea Manning andauernd eine Extrawurst will und mit ihrem halbscharigen Selbstmordversuch bloß mal wieder in die Schlagzeilen wollte.

    Fallls „sie“ mit ihrem Selbstmordversuch gegen geltende Haftanstaltenregeln verstoßen hat, kriegt sie dafür die gleiche Strafe wie andere Häftlinge auch. Gleiches Recht für Alle.

    Sie kriegt medizinische Versorgung, wenn ihre Gesundheit und ihr Leben bedroht sind. Unbehandelte Transsexualität ist nicht lebensbedrohlich. Warum sollen die Steuerzahler dafür horrende Gelder abdrücken? So eine Geschlechtsumwandlung kostet sechsstelling. Kann „er“ dann gerne nach seiner Entlassung alles operieren lassen in 30 Jahren und vorher einen Spendenaufruf machen. Die nächsten 30 Jahre im Knast isses mit Sex ja eh ziemlich mau, oder? Also eigentlich egal, ob Mann oder Frau. Hätt er sich halt Alles vorher überlegen sollen. Jetz isses zu spät.

    • Annika sagt:

      Siehst du doch, dass es lebensbedrohlich ist. Unter Trans-Menschen ist die Suizidrate um ein Vielfaches höher als in der Gesamtbevölkerung. Und der Fall interessiert nunmal die Öffentlichkeit, weil Manning eben vorher etwas Aufsehen Erregendes getan hat – und weil viele ihre Strafe als ungerecht empfinden. Zu dem restlichen zynischen Blödsinn, den du so ablässt, verliere ich gar keine Worte, die wären zu viel der Ehre…

    • SW sagt:

      Ich vermisse da ein Mindestmaß an Empathie. Offenbar haben Sie nicht die leiseste Vorstellung davon, wie sich ein Mensch in einer solchen Identitätskrise fühlt. Es muss auch nicht unbedingt gleich um eine Operation gehen, sondern um die Gabe bestimmter hormoneller Medikamente. Davon abgesehen ist Einzelhaft, wenn sie dann auch noch über Jahrzehnte gehen soll, schlichtweg Folter. Vor allem, wenn man bedenkt, dass hier ein Selbstmordversuch als ‚Ordnungswidrigkeit‘ behandelt wird, womit man ihr jegliche Menschenwürde abspricht. So weit sollte das Mitgefühl und der Gerechtigkeitssinn noch gehen, dass man so etwas nicht duldet – völlig unabhängig von der sexuellen Orientierung, und unter Berücksichtigung dessen, was Chelsea Manning letztendlich überhaupt ins Gefängnis gebracht hat.

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