Chelsea Manning: “Ich bin keine Verräterin”

Article by · 19. September 2017 ·

WikiLeaks-Informantin Chelsea Manning betonte in einem öffentlichen Auftritt ihre idealistischen Motive. Die ehemalige US-Soldatin ist demnach ihrem Gewissen gefolg, als sie tausende geheime Dokumente an die Whistleblowing-Plattform WikiLeaks weitergab.

Einer der ersten öffentlichen Auftritte für Chelsea Manning

Am vergangenen Sonntag sprach Manning auf einer  vor allem von Kreativen besuchten Konferenz in Nantucket (USA) zu den Anwesenden. Dabei handelte es sich um einen ihrer ersten öffentlichen Auftritte, seit sie im Mai nach siebenjähriger Haft aus dem Militärgefängnis entlassen wurde. Allerdings hat Manning seit ihrer Entlassung ihre Unterstützerinnen und Unterstützer über soziale Medien, vor allem Instagram, an ihrem Leben in Freiheit teilhaben lassen.

Versucht, das Richtige zu tun

In ihrem Beitrag sagte Manning, sie sei keine amerikanische Verräterin. Einige Kritikerinnen und Kritiker, darunter auch Politikerinnen und Politiker, hatten den Vorwurf des Verrats gegen Manning erhoben. Die Behauptung, sie seine “eine amerikanische Verräterin” stammt von CIA-Chef Mike Pompeo.

Die Aktivistin betonte, sie habe nur versucht, das Richtige zu tun. “Ich glaube, dass ich unter den Umständen das Beste getan habe, um eine ethische Entscheidung zu treffen,” erklärte sie.

“Ein dystopischer Roman”

Manning beklagte außerdem den aktuellen politischen Diskurs. “Ich komme aus dem Gefängnis und ich sehe einen dystopischen Roman sich buchstäblich vor meinen Augen entfalten. So fühle ich mich, wenn ich heute durch die Straßen Amerikas gehe,” sagte sie.

Daneben kritisierte Manning auch den Mangel an Privatsphäre in der heutigen Gesellschaft. Die Gesellschaft sei “tot”, sagte die Ex-Soldatin.

Sie betonte außerdem die Bedeutung des zivilen Ungehorsams und der freien Meinungsäußerung. “Alle sagen mir die ganze Zeit ‘vielleicht solltest du das nicht sagen. Vielleicht solltest du nicht zu dieser Veranstaltung gehen. Vielleicht solltest du nicht sprechen. Vielleicht solltest du das nicht tun’,” sagte sie, “Und ich reagiere dann mit ‘OK, die Tatsache, dass du mir sagst, ich sollte das nicht tun, ist der Grund, warum ich es tun sollte.’ Und ich denke, das ist es, was wir alle tun können.”

Abschließend betonte Manning außerdem die Bedeutung der Vergebung. Sie sagte, es sei wichtig, seinen Feinden irgendwann zu verzeihen.

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7 Comments

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    Frauenhaus

    Ich finde es unerträglich, dass mittlerweile in jedem Artikel das generische Maskulinum ignoriert und stattdessen die Verschandelung der deutschen Sprache, auch “gendern” genannt, konsequent durchgezogen wird. Wenn das Geschlecht keine Rolle spielt redet man von “Kritikern” und “Politikern”, bis auf unsinnige, ideologische Motivation gibt es keinen Grund von “Kritikerinnen und Kritikern” sowie “Politikerinnen und Politikern” zu sprechen. Sein lassen – sofort!

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      Bitte bezieht Euch in den Kommentaren auf den Inhalt des Beitrags. Weitere geschlechtsspezifische Kommentare sind off topic und werden nicht freigeschaltet.

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    Gustav Gans

    Bei “dystopischer Roman” kam mir irgendwie erstmal Cronos Cube in den Sinn….

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    Teeb

    Oh, oh,… Du hast ER geschrieben, das wird Annika gar nicht gefallen…

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      Mir auch nicht btw., immerhin hat sie ihr Geschlecht geändert und daran gibt es auch nichts auszusetzen, finde ich.

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    Paddy

    Manning hat 2 schwere Fehler begangen
    1. Zur Armee zu gehen und zu schwören seinem Vaterland zu dienen und
    2. anschließend den Schwur zu brechen, das kommt natürlich nie gut an, und was jetzt nach seiner Freilassung passiert liegt doch hoffentlich in seiner Hand. Wenn er sich weiter instrumentalisieren lässt, wird er sich der Hetzjagd seiner Gegner nicht entziehen können, da hilft auch kein Gejammer über eine gestörte Privatsphäre der Gesellschaft. Die meisten Menschen geben ihre Privatsphäre doch freiwillig preis und das ist doch bei ihm genauso. Natürlich ist ziviler Ungehorsam wichtig, wenn er denn angebracht ist, aber als Soldat ist man kein Zivilist. Manning hat uns allen vielleicht einen großen Dienst erwiesen, er ist begnadigt und das war es dann aber auch.

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    Frodo Beutlin

    Ist es noch eine Demokratie wenn man in Anbetracht möglicher Konsequenzen nicht mehr sagen kann, was man will?


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