CashtoCode ersetzt paysafecard im Bereich diskreter Payments

Premiumize.me, Vavoo, Uploaded und Share-Online nutzen die anonyme Aufladeoption CashtoCode bereits, ihnen werden weitere VPN-Anbieter, Multi- und Sharehoster folgen. Obwohl die Betreibergesellschaft eine Berliner Aktiengesellschaft ist, fällt sie nicht unter die Regulierung der BaFin, die Kunden sind offenbar völlig sicher vor einer Aufdeckung. Da auch die Merchants (Händler) unter bestimmten Bedingungen geschützt sind, könnte CashtoCode die PSC-Karten möglicherweise komplett aus dem Graubereich verdrängen.

Anfang des Jahres berichtete der Multihoster Premiumize.me auf seinem Blog, dass der Dienst von CashtoCode noch anonymer sei, als paysafecard (PSC), der in der Vergangenheit den digitalen Graubereich dominiert hat. Verantwortlich für CashtoCode ist die Berliner Funanga AG. Wir wollten wissen, warum ihre Dienstleistung nicht genauso streng von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) reguliert wird, wie paysafecard und die ganzen anderen Banken auch. Wettbewerber Barzahlen.de ist übrigens ein Zahlungsdienst. Die Cash Payment Solutions GmbH gehört dem Vernehmen nach mehrheitlich einer Bank. Damit unterliegt Barzahlen.de der Regulation und muss alle relevanten Kundendaten speichern und bei Bedarf preisgeben.

EU-Regulierung vernichtet das Geschäftsmodell von paysafecard

paysafecardWas viele nicht wissen: Juristisch betrachtet gilt die paysafecard als elektronisches Geld und untersteht daher der Regulierung der BaFin und anderer europäischer Aufsichtsbehörden. Für jede PSC gibt es naturgemäß einen eigenen PIN-Code, für jede Karte wird beim Betreiber ein eigenes Konto geführt. Folglich wird die britische Paysafe Holdings UK Limited beziehungsweise die entsprechenden Niederlassungen dazu gezwungen, Anfragen von Finanzämtern oder anderen Behörden zeitnah zu beantworten. Aus diesem Grund muss der Betreiber verhindern, dass Nutzer ihren PIN-Code über das Tor-Netzwerk oder einen VPN einlösen, um so ihre IP-Adresse zu verschleiern. Wir haben Ende August des Vorjahres darüber berichtet, dass eine anonyme Einlösung nur bei wenigen VPN-Anbietern oder unter Anwendung anderer Kniffe möglich ist.

Doch es kommt noch schlimmer. Die neue Gesetzgebung in Italien, wird demnächst innerhalb der gesamten Europäischen Union umgesetzt. Die Anti-Geldwäsche-Direktive (AML) wird das Geschäftsmodell von paysafecard auf EU-Ebene komplett vernichten, zumindest wenn es um eine Anwendung ihrer Karten im Graubereich geht. Laut AML muss paysafecard die Anonymität ihrer Kunden komplett aufheben. Dann läuft jeglicher Zahlungsverkehr bei PSC ausschließlich nach dem Know-Your-Customer-Prinzip ab. Das KYC-Prinzip bedeutet konkret: Egal ob Neu- oder Bestandskunde, in einigen Ländern müssen sich die Nutzer, wie wahrscheinlich auch in Deutschland, mit dem korrekten Namen und ihrer Anschrift identifizieren. Die sicherste Methode um die Identifikation der Kunden zu überprüfen, wäre ohne Zweifel das POSTIDENT Verfahren. Das heißt: Egal wie man es dreht oder wendet – ohne Vorlage des eigenen Ausweises würde dann bei Anbietern, die von den Behörden wie Banken behandelt werden, demnächst gar nichts mehr gehen.

 

Eine Kleinigkeit, die den entscheidenden Unterschied ausmacht

cashtocode

Symbolgrafik © CashtoCode.

Bei CashtoCode läuft das Ganze etwas anders ab. Im Unterschied zu paysafecard kann man das Guthaben eben nicht bei verschiedenen Händlern gestückelt ausgeben. Bei CashtoCode kann man pro Code nur eine einzige Transaktion durchführen. Das Guthaben einer Karte kann man nicht aufteilen. Eine Karte ist gleich ein Händler, der damit bezahlt wird. Eine Aufteilung des Guthabens zur Zahlung verschiedener Waren bzw. Dienstleistungen ist nicht möglich. Und genau die Möglichkeit bei PSC, das Guthaben auf verschiedene Händler aufzuteilen, ist der entscheidende Unterschied. Der CashtoCode-Gutschein ist somit kein elektronisches Geld (E-Geld).

 

Warum sind die Kunden bei CashtoCode vor einer Aufdeckung geschützt?

cashtocodeEin Beispiel: Bei Premiumize.me oder Share-Online.biz wird online nach dem Bestellvorgang der Bezahlschein generiert, den man sich ausdruckt. Den Barcode kann man sich am Ende des Prozesses auch per E-Mail zuschicken lassen. Mit dem Ausdruck oder einem Auszug der E-Mail, den man mit dem Smartphone vorzeigt, gehen die Kunden dann zu einem der vielen teilnehmenden Händler und bezahlen den entsprechenden Betrag bar (!) an der Kasse. Daraufhin überträgt die Tankstelle oder das Kiosk den Zahlungseingang, womit die Bezahlung vollzogen ist. CashtoCode informiert Premiumize.me, dass ein Gutschein in Höhe XY bezahlt wurde. Abschließend wird der Premium-Account oder VPN-Zugang für den Barzahler freigeschaltet, fertig! Man speichert grundsätzlich keine Kundendaten. Bei einer Barzahlung liegen sowieso keine Informationen vor, die irgendwer speichern oder auf Anfrage preisgeben könnte. Deswegen sollte man seine EC-Karte, Kreditkarte etc. unbedingt in der Brieftasche lassen.

 

US-amerikanische Krypto-Börsen dürfen keine deutsche Kunden annehmen!

Nice to know: Eigentlich verstoßen alle deutschen Kunden gegen die Nutzungsbedingungen von Coinbase & Co. Die US-amerikanischen Krypto-Handelsplätze dürften eigentlich gar keine deutschen Kunden akzeptieren. In den AGB von Coinbase steht im ersten Satz: “The websites and the services offered by Coinbase are NOT addressed to persons who have their registered office or place of residence in Germany.” (Stand 14. März 2018)

Da sich aber kaum jemand die Nutzungsbedingungen durchliest, ist dies vielen Anwendern gar nicht bekannt. Und die Exchanges in den USA? Die ganzen Krypto-Handelsplätze werden wohl kaum freiwillig auf die vielen Kunden von außerhalb verzichten wollen. Das tuen sie sicherlich erst dann, sobald die Börsenaufsichtsbehörde (United States Securities and Exchange Commission = SEC) sie dazu zwingen würde. Aber gerade die Regulierung der ganzen Anbieter für Krypto-Dienstleistungen steht noch ganz am Anfang. Auch die EU hat noch diese Fragestellung noch nicht abschließend behandelt.

 

Beitragsbild von Alexandru Tugui, thx! (CC0 1.0)

"CashtoCode ersetzt paysafecard im Bereich diskreter Payments", 5 out of 5 based on 4 ratings.

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

Vielleicht gefällt dir auch

15 Kommentare

  1. Onkel Anon sagt:

    Meine Tanke um die Ecke hat 12 Kameras am Start. Echt praktisch aus Ermittlersicht: So hat man gleich ein Foto nebst Kennzeichen des Verdächtigen.

    Alles anonym. Schon klar. Besonders mit Smartphone.

  2. Mil sagt:

    Nicht nur die Kameraüberwachung und das Smartphone beim bezahlen ist ein Problem. Wenn man jedes mal Zuhause sich einen Code ausdrucken muss, dann hinterlässt man in seinem Drucker Spuren (Druckverlauf). Der Emailaccount (bei dem Shop wo eingekauft wird sowieso) muss 100% anonym erstellt und benutzt werden, der Code muss sicher gelöscht werden, der Laptop sollte auf jeden Fall voll verschlüsselt sein.
    Da war PSC schon leichter handzuhaben.

  3. Daniel Düsentrieb sagt:

    ich hab schon vor mehreren monaten mit cash2code meinen shareonline account verlängert. hat reibungslos geklappt.
    war in berlin, in dem vom mir aufegwähltem shop, auch der erste und der herr an der kasse war maximal überfordert. habt also nicht nur den barcode dabei sondern auch die anleitung unter dem code. bei mir hätte das ganze sonst nicht geklappt.

    • w0at sagt:

      wie paranoid bist du genau? ich würde dir noch empfehlen, handschuhe beim kauf zu tragen und natürlich “einmal-wegwerfschuhe”. schuh- und fingerabdrücke könnten im entsprechenden shop genommen werden, nachdem mit der cashtocode karte eine urheberrechtlich geschützte mp3 heruntergeladen wurde!


  4. CashToCode ist bei ShareOnline.biz drin, aber nur wenn man registriert ist sieht man das.

    Sprich: Mit dem eigenen Konto anmelden, dann auf Account aufladen gehen. Und voilà.
    .

  5. bobby sagt:

    “….Share-Online nutzen die anonyme Aufladeoption CashtoCode bereits, ihnen werden weitere VPN-Anbieter, Multi- und Sharehoster folgen”

    Muss wohl ne Sehschwäche haben – sehe bei SO leider nirgends diese Bezahloption??!!

  6. premiumize sagt:

    Paysafecard vs. CashToCode

    Das bei vielen Anbietern das Produkt Paysafecard rausgeflogen ist und direkt durch CashToCode erstetzt, ist meiner Meinung nach nicht zufällig passiert, wenn man folgendes zu Grunde legt:

    “….. (Berlin, 16.10.14) Der ehemalige Head of Games Sales der Paysafecard.com Weltkarten Vertriebs GmbH Elmar Fischer übernimmt innerhalb der Funanga AG die Position des Lead Business Development Managers. Das Berliner Unternehmen hat sich auf neuartige Bezahlmethoden per Smartphone spezialisiert und bietet seit September sein erstes Produkt “Cash to Code” erfolgreich am Markt an…..”

    “…..Ich freue mich mit Elmar Fischer einen weiteren Experten der Games-Branche gewonnen zu haben. Zusammen mit unserem starken Team arbeiten wir nun unablässig daran, CashtoCode in den kommenden Jahren Europaweit als attraktive, zukunftssichere und mobile Alternative zu herkömmlichen Prepaidkarten für Gamer zu etablieren…..” (Quelle: Pressebox – https://www.pressebox.de/inaktiv/funanga-ag/Der-ehemalige-Head-of-Games-Sales-der-paysafecard-wechselt-zum-Paymentanbieter-Funanga-AG/boxid/707954)

    Ein echter Schelm, der dabei Böses denkt! ;)

  7. Treser sagt:

    Lars, wo um Gottes Willen steht, dass Kraken keine deutschen Kunden akzeptiert? Ganz im Gegenteil arbeiten sie mit der Fidorbank zusammen, in deren eigenen Worten: “Kraken is trusted by hundreds of thousands of traders, the Tokyo government’s court-appointed trustee, and Germany’s BaFin regulated Fidor Bank.”.


    • Ja, das gleiche mit Bitcoin.de, die arbeiten ja auch mit der Fidor Bank zusammen, weil es reguliert wird. Ich prüfe das aber nochmals, danke.

  8. Parenthesis sagt:

    Okay, Paranoia toppen, aber immer gerne.
    Kameras im Geschäft oder Umgebung, das kann es dann mit der Anonymität gewesen sein.
    Zuordenbare Positionsdaten beim Bezahlen fallen zwangsläufig eh an.
    Nur der Direktzugriff (eines Einsatzkommandos) beim ersten Bezahlen ist vielleicht unwahrscheinlich.

    Prepaid-Karten waren praktisch, weil beim Kauf niemand wusste, wozu die wann wo genutzt werden.
    Dieses CtC Modell ist letztlich besser als nichts, aber alles andere als perfekt.

    • ulli sagt:

      Du brauchst mehr Abwechslung/Ausgleich im Leben.

  9. susi b. sagt:

    Share-Online bietet zur Zeit noch paysafecard an und nicht
    CashtoCode.
    (Rest des Kommentars war nicht regelkonform, deswegen gelöscht)

  10. pilot sagt:

    Beim Barzahlen dann bitte aber auch Rfid-fähige Cards und das Smartphone daheim lassen, denn dann schnappt die Falle womöglich dadurch zu.

    • Treser sagt:

      “Deswegen sollte man seine EC-Karte, Kreditkarte etc. unbedingt in der Brieftasche lassen.”

      Damit meint Lars, dass die Bezahlung mit personengebundenen Karten eine Datenspur hinterlässt, nicht aber das eventuelle Auslesen der RFID-Chips.

  1. 20. September 2018

    […] für eine gesetzliche Klarnamenpflicht auf Facebook, Twitter, Instagram und Co. Wer sich durch das Postident-Verfahren legitimiert, ist dabei. Wer nicht, bleibt draußen. Easy.“ hat zu heftigen Diskussionen […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.