BlazingFast Webhosting: Interview mit dem Mitgründer Paul Waldmann

BlazingFast nutzt die Szene häufig, weil dabei die eigene Webseite vor DDoS-Angriffen geschützt wird. Mitgründer Paul Waldmann kommt zu Wort.

In Pocket speichern
blazingfast.io

Den Offshore Webhoster BlazingFast nutzt die Szene gerne und häufig, weil man damit die eigene Webseite mit dem firmeneigenen DDoS-Schutz versehen kann. Der CEO Tony Onopriychuk stimmte letzten Herbst dem Interview zu, um kurze Zeit später einfach nicht mehr für uns erreichbar zu sein. BlazingFast-Mitgründer Paul Waldmann stellt sich netterweise stattdessen euren Fragen.

BlazingFast steht für einen Offshore DDoS- und Behörden-Schutz

Paul Waldmann

Paul Waldmann

Der Name BlazingFast bezieht sich auf die glühend schnellen Leitungen, die dabei zum Einsatz kommen sollen. Tony Onopriychuk und Paul Waldmann gründeten BlazingFast im Jahr 2014. Den Fokus legten die beiden Geschäftsleute von Anfang an auf sichere Hosting-Lösungen inklusive einem effektivem DDoS Schutz. Im Preis inbegriffen ist auch jede Menge Privatsphäre für die Kunden. Das erklärt auch Kiew als Hauptsitz des Unternehmens.

Da die Ukraine nicht der EU angehört, untersteht man nur der landeseigenen Justiz. Und die hat sich in der Vergangenheit keinen Deut um Urheberrechtsverletzungen oder andere Rechtsbrüche innerhalb der Europäischen Union gekümmert. Für diese Sicherheit und digitale Abgeschiedenheit zahlen die Kunden gerne ein paar Euro mehr als bei der Konkurrenz.

Keine Antworten trotz Zusage des Geschäftsführers von BlazingFast

Per E-Mail hat uns der Mitgründer und Geschäftsführer Onopriychuk schon im November des Vorjahres grünes Licht für ein Interview gegeben. Bis wir die Fragen übermittelt haben, verging leider einige Zeit. Vielleicht war der Zeitpunkt unpassend. Möglicherweise fielen manche Fragen in seinen Augen auch zu kritisch aus, wer weiß? Trotz mehrerer Nachfragen und Kontaktversuche per E-Mail und Skype kam keine Reaktion mehr von Tony. Wochen später schaltete sich Paul Waldmann im Forum ein und bot sich spontan an, einzuspringen. Über die ganz aktuellen Vorgänge innerhalb des Unternehmens kann er natürlich wenig sagen, weil Waldmann Blazingfast vor Jahren verlassen hat.

Paul Waldmann: Zu meiner Person, Ich bin der ehemalige Co-Founder und COO für BlazingFast und habe viele Jahre dieses Geschäft mit Tony gemeinsam aufgebaut. Seit einiger Zeit bin ich nicht mehr bei BlazingFast. Ich habe die Firmenanteile unentgeltlich an Tony zurückgegeben und wir sind im Guten unsere getrennten Wege gegangen.

Es wurden viele Unwahrheiten zu meiner Person über die Jahre gestreut, welche Tony leider geglaubt hat, was die Beziehung zwischen uns unwiderruflich geschädigt hat, worüber ich sehr bestürzt bin. Die Antworten sind nach meinem Wissensstand vor meinem Verlassen der Firma entstanden. Falls Tony meine Antworten in diesem Interview sehen sollte, will ich, dass er weiß, dass ich niemals ein schlechtes Wort über ihn gesagt habe. Ich bin sehr bestürzt darüber, dass er unsere Freundschaft einfach so weggeschmissen hat.

Blazingfast: Null Toleranz beim Umgang mit Anfragen von jeglichen Behörden

Tarnkappe.info: Das Gründungsdatum variiert im Internet, wann wurde BlazingFast gegründet? Wie kam es zur Gründung? Mit welcher Motivation haben Sie dieses Unternehmen aus der Taufe gehoben?

blazingfast.io

Paul Waldmann: BlazingFast wurde 2014 gegründet. Wir taten dies mit der Motivation eine stabile, schnelle und vor allem sichere Hosting-Lösungen anzubieten, mit einem Fokus auf DDoS-Schutz und Privatsphäre.

Wir waren so verärgert, dass wir Xertonia ungewollt verloren haben, das wir es erneut probieren wollten. Aber diesmal wollten wir es besser machen, als zuvor. Es folgte ein Wechsel auf CloudStack für die Orchestration, um eine schnelle Bereitstellung der Server und der Aufbau einer eigenen DDoS Scrubbing Lösung, um nicht auf Drittanbieter angewiesen zu sein.

 

Bessere juristische Absicherung durch Firmensitz in der Ukraine

Die Firma wurde von Offshore nach Hause geholt nach Kiew, Ukraine, um uns rechtlich besser abzusichern gegenüber unseren Partnern.

Der Name ist entstanden, als wir Schlagwörter ausgetauscht hatten, als wir uns fragten: WAS WOLLEN WIR? Antwort: Wir wollen schnelle, „Blazing Fast“ Server anbieten. Alle Komponenten von Server, Netzwerk bis zum DDoS-Schutz muss alles, das schnellste sein was es gibt und mehr Ressourcen als die Konkurrenz. Privatsphäre und Support waren und sind unsere wichtigsten Aspekte. Das bedeutet, so wenig Informationen über den Kunden speichern wie möglich und 0 Toleranz bei der Kooperation mit fremden Staatsorganen.

Wir reagieren nur auf Gerichtsbeschlüsse vom Gericht innerhalb der Ukraine. Das allerdings ist bisher noch nie geschehen. Der Support war immer in unserem Mittelpunkt. Obwohl wir ein Self-Managed Hosting anbieten, versuchen wir dennoch bei jedem Problem zu helfen, egal ob Konfiguration, Installation etc. wir haben alles gemacht, was der Kunde brauchte. Kunde ist König!

Tarnkappe.info: Da es in der Ukraine schon einmal bei einem anderen Webhoster eine Razzia gab, als Ergänzung ein Statement von Paul:

Paul Waldmann: Es gab schon einmal einen Polizeieinsatz bei BlazingFast im Büro. Dabei ging es aber darum, dass ein Kunde die in der Ukraine befindenden Server dazu genutzt hat, Server anzugreifen die einer ukrainischen Behörde gehörten.

Aus Deutschland kommen ja meist DMCA-Löschaufforderungen von Rechteinhabern oder Privatpersonen, die Abuse-Mails einreichen.

 

xertonia

Es war einmal: Xertonia Webhosting.

Tarnkappe.info: Ist BlazingFast letztendlich aus dem Anbieter Xertonia – Secure Cloud Hosting bzw. HostBill aus Polen entstanden? Kam es 2014 zu der Umbenennung, weil Xertonia einen weniger guten Ruf genossen hat?

Paul Waldmann: Xertonia und BlazingFast haben nichts miteinander zu tun. Xertonia ist gestorben durch ein Vertragsmissverständnis mit Voxility. Dies hatte die Beschlagnahmung der Hardware zur Folge und somit das ungewollte Herunterfahren der Kunden-VPS.

BlazingFast ist über ein Jahr später entstanden in 2014. HostBill ist lediglich unser Hosting Panel. Wir haben eine Lizenz von denen erworben. Wir haben sonst mit denen nichts gemeinsam. Andere nutzen WHMCS, wir nutzen HostBill, sonst nichts.

 

Der heutige Webhoster-Markt ist total übersättigt

 

blazingfast

Tarnkappe.info: Wenn Sie die Vergangenheit ändern könnten, würden Sie erneut so eine Firma gründen? Oder lieber etwas anderes, als einen Webhosting-Service?

Paul Waldmann: Wenn es nochmal 2014 wäre, auf jeden Fall. Heute in 2021 wahrscheinlich nicht, da der Hosting Markt so übersättigt ist und es bereits gut etablierte Firmen gibt, wo das Konkurrieren eher sinnfrei ist.

Wer alleine mit dem Preis konkurriert, hat keine Chance zu überleben als Hosting Unternehmen. Man braucht Addet-Value, was ggf. Privatsphäre sein kann, das dann auch viele Kunden aus der Szene anzieht, oder DDoS-Schutz, was hilflosen Webmastern weltweit hilft. Wer glaubt das BlazingFast nur Kunden aus der „Szene“ usw. hat, liegt falsch. Ein großer Teil der Kunden sind z.b. aus China und Umgebung, die einfach nur einen stabilen, DDoS geschützten VPS wollen.

glosse

Lesen Sie auch

Es hat keine Übernahme durch Dritte stattgefunden

Tarnkappe.info: Und was ist an den Übernahmegerüchten dran, die in den vergangenen Jahren immer wieder im Netz gestreut wurden?

Paul Waldmann: Es gab keine Übernahme, lediglich eine Änderung in der Firmenstruktur. Die Firma ist und bleibt im Eigentum von Tony. Es hat lediglich eine Kooperation mit einem Hosting Partner aus Portugal gegeben, mit dem man sich die Infrastruktur teilt.

 

blazingfast.io server

Tarnkappe.info: Was haben Sie ab der Umbenennung anders gemacht, um derart populär zu werden?

Paul Waldmann: Wie bereits gesagt, es handelte sich nicht um eine Umbenennung, sondern ein separates Unternehmen. Anders gemacht haben wir jedoch, dass wir die Hardware gekauft oder geleased haben, um nicht erneut dasselbe Problem wie mit Voxility zu haben.

Die Popularität resultiert durch die Firewall sowie der vielen kostenlosen Zusätzen. So beispielsweise der L7 DDoS-Schutz, wo wir allen Kunden mit unserer selbst entwickelten Proxy-Lösung, die Webseiten vor Angriffen schützen.

blazingfasthost.com ist nur ein Nachahmer

Tarnkappe.info: Was hat es mit dem Wettbewerber blazingfasthost.com auf sich? Haben die Ihren Markennamen geklaut? Oder waren das eventuell Mitarbeiter Ihres Unternehmens, die sich selbstständig gemacht haben?

Paul Waldmann: Es handelt sich hierbei um einen unbekannten Wettbewerber, der den Markennamen geklaut hat.

 

blazingfasthost.com

Tarnkappe.info: Man wirbt mit einem DDoS-Schutz von bis zu 980gb/s. Was ist damit genau gemeint? Der maximale Daten-Durchfluss, also der Throughput?

Paul Waldmann: Dies ist der Backbone, das ist jedoch nicht mehr bedeutend inzwischen. Da die meisten DDoS-Attacken volumetrisch sind wie DNS, NTP usw. Und diese benötigen einen großen Backbone, damit ACL Regeln diese blocken können. Die eigentliche Scrubbing Kapazität ist viel geringer. Sie reicht jedoch vollkommen aus, da Attacken aus einem Botnetz meist unter 50 Gbps sind. Und dafür verwenden wir Juniper SRX Firewalls.

Kosten für das Equipment liegen im sechsstelligen Bereich

Tarnkappe.info: Wie teuer war es, diesen Schutz aufzubauen? Welches Equipment ist dafür vonnöten? Welche Ressourcen gehört Blazingfast selbst, welche haben Sie angemietet? Und warum bieten Sie als Geschäftsmodell Webhosting stets in Kombination mit DDoS-Schutz an?

Paul Waldmann: Für L7 werden NGINX Server verwendet mit selbst entwickelten Modulen. Diese hängen hinter einem Loadbalancer. Für alle anderen Attacken kommen Juniper SRX Firewalls und ACL zum Einsatz. Als letzter Ausweg wird Blackholing eingesetzt.

Die gesamte Hardware und Komponenten sind gekauft oder leased, um die Firmen-Integrität zu gewährleisten. Die Kosten sind im sechsstelligen Euro-Bereich. Der Grund wieso wir von Anfang an jedem DDoS-Schutz geben, ist, um den noisy neighbour Effekt zu minimieren. Wenn jemand attackiert wird und man sich auf demselben physischen Server befindet, würde man davon betroffen werden, z. B. durch die Netzwerk-Überlastung.

Es ist somit besser alle von Haus aus zu schützen, damit es möglichst kein DDoS-Traffic bis zu den Racks schafft.

blazingfast

DDoS-Angriffe laufen permanent, 365 Tage im Jahr


Tarnkappe.info: Wie oft monatlich kommen DDoS-Angriffe vor? Welche Art der Angriffe ist dabei am häufigsten zu beobachten? Wird die DDoS-Migration immer noch von dem Spezialisten DDoS-Guard aus Russland bereitgestellt?

Paul Waldmann: DDoS-Attacken laufen den ganzen Tag, jeden Tag. Es steht immer irgendjemand unter DDoS, manche Kunden sogar 24/7, da diese dauerhaft attackiert werden. DDoS-Guard wurde nie verwendet, es wurde immer die eigene In-House Lösung genutzt. Das mit DDoS-Guard ist ein Gerücht.

cloud vps, blazingFast

Tarnkappe.info: Wie geht das Unternehmen mit behördlichen Anfragen um? Der Sitz von Blazing Fast ist ja weiterhin außerhalb der EU. Ignorieren Sie Anfragen wegen Urheberrechtsverletzungen? Oder beantworten Sie sie einfach sehr viel später?

Paul Waldmann: Alles bis auf richterliche Anordnungen wird ignoriert. Die Tagesgeschäfte werden weiterhin in Kiew, Ukraine getätigt. Der Firmenstandpunkt auf der Webseite ist rein virtuell.

 

Tarnkappe.info: Hat man jemals einen der Server innerhalb der EU beschlagnahmt?

Paul Waldmann: Nein.

BlazingFast wird nur bei richterlichen Beschlüssen aus Kiew aktiv


Tarnkappe.info: Was passiert, wenn eine Abuse eintrifft, der die Löschung einer Seite/URL/Content fordert? Informieren Sie die Kunden über die Löschaufforderung?

Paul Waldmann: Jede Abuse E-Mail wird an den Kunden weitergeleitet, jedoch wird nicht eingegriffen. Sollte der Kunde sich weigern eine Löschung vorzunehmen, warten wir auf den richterlichen Beschluss.

 

blazingfast cloud

Tarnkappe.info: Also ewig. Sicher würden gerne einige Behörden bzw. Staatsanwälte Einblick in Ihre Server haben. Wie sind Sie für juristische Auseinandersetzungen gewappnet? Gibt es dafür ein extra Budget für alle Fälle?

Paul Waldmann: Glücklicherweise laufen die Gerichte in der Ukraine sehr, sehr langsam und ineffizient. Solange keine Gesetze innerhalb der Ukraine gebrochen werden, gibt es somit nichts worum man sich Sorgen machen müsste.

Da die meisten Server auch nicht in der Ukraine sind, können ukrainische Behörden bzw. Staatsanwälte auch keinen Einblick darin bekommen.

Wir haften nicht für die Straftaten unserer Kunden!

Tarnkappe.info: Was können die Behörden denn überhaupt tun? Im schlimmsten Fall die Server beschlagnahmen? Viele sind ja innerhalb der EU. Warum eigentlich, gefährdet dies nicht die Unabhängigkeit? Oder ist es diesbezüglich nie zu Problemen gekommen?

Paul Waldmann: Der Anbieter haftet nicht für Straftaten, die durch den Kunden begangen wurden. Im schlimmsten Fall würden physische Server beschlagnahmt werden bzw. bei einem virtuellen Server, müsste der VPS Container/Image herausgegeben werden (ggf. Snapshot).

Die Server sind innerhalb der EU, da dies von den Kunden so gewünscht ist, und unsere Partner wie z. B. NFOrce.com einen exzellenten Service anbieten, welchen wir gerne an die Kunden weitergeben.

blazingfast facebook advertisment

Tarnkappe.info: Haben Sie eine Ahnung, wer Ihre Kunden sind? Alter, Zweck der Webseiten etc.

Paul Waldmann: Alle Informationen die unsere Kunden uns geben, sind auf freiwilliger Basis. Wir überprüfen diese nicht und haben somit auch keine Ahnung, ob diese der Echtheit entsprechen.

Satelliten-Anbindung für Server wichtig im IPTV-Sektor


Tarnkappe.info: Sie bieten eine Satelliten-Anbindung für Server als echtes Alleinstellungsmerkmal an. Wie sind Sie auf die Idee gekommen? Mit welchen Partnern arbeiten Sie in dem Bereich zusammen?

Paul Waldmann: Dies ist ein Service, welcher von NFOrce angeboten wird, welchen wir als Reseller-Produkt an die Kunden weitergeben. Es gibt viele Kunden im IPTV Bereich, für die der Empfang von Satelliten TV-Signalen von großer Bedeutung ist.

Tarnkappe.info: Gab es bei BlazingFast je Probleme mit der Organisation Spamhaus?

Paul Waldmann: Bei einem SPAMHAUS Listing, wird die IP bzw. Server sofort gesperrt. Das ist mit die einzige Regel bei uns. Kein Spamhaus, Pedo, Terror. Phishing, Carding usw.

Grauzone wird gebilligt, Schwarz ist unerwünscht.

Online kommen auf uns noch mehr Monopole und gesetzliche Regulierungen zu

Tarnkappe.info: Das zeigt einmal mehr, wie mächtig Spamhaus ist. Wir haben darüber schon einmal ausführlich berichtet.

Wie wird sich das Internet in den nächsten Jahren verändern? Noch mehr Regeln und Gesetze? Oder noch mehr kommerzielle Angebote? Künftig noch mehr Überwachung? Und was werden Sie dann beruflich tun?

the spamhaus project

Paul Waldmann: Es wird mit Sicherheit mehr Gesetze geben und große Firmen wie Google GCP, Amazon AWS und Microsoft Azure werden mehr und mehr Marketshare bekommen.

Innerhalb der Nische, welche DDoS-Schutz und Privatsphäre ist, wird BlazingFast jedoch weiterhin wachsen. Man sieht der Zukunft positiv entgegen.

 

Tarnkappe.info: Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen!

Paul Waldmann: Keine Ursache! Falls danach noch mehr Fragen aufkommen sollten, stelle ich mich diesen gerne hier im Forum.

Tarnkappe.info

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.