Berats Box: Wikileaks bringt E-Mails des türkischen Energieministers

Bei WikiLeaks stand der türkische Energieminister Berat Albayrak im Fokus. Unter dem Slogan Berats Box wurden 57.934 E-Mails veröffentlicht.

Berats Box, LaTuff

Berats Box. Gestern stand für WikiLeaks der türkische Energieminister Berat Albayrak im Fokus. Man veröffentlichte 57.934 private E-Mails, die z.B. beweisen, dass die Türkei mit Ölfirmen kooperiert, die zu ISIS gehören. Minister Albayrak ist seit dem Jahr 2004 mit der Tochter des Staatsoberhauptes Recep Tayyip Erdoğan verheiratet.

Berats Box

Der neueste Scoop der Enthüllungsplattform Wikileaks nennt sich Berats Box und ging gestern ans Netz. Die 57.934 E-Mails stammen aus dem Zeitraum April 2000 bis September 2016. Sie enthalten Informationen von türkischen Geschäftsleuten, Politikern und Familienmitgliedern rund um Präsident Erdoğan. Verantwortlich für den Hack war die türkische Gruppierung RedHack, die die Kommunikation bereits am 23. September bei Google Drive und Dropbox veröffentlicht hat. Die Mitglieder hatten zuvor erfolglos versucht die Regierung mit den E-Mails zu erpressen, um die Entlassung von linksgerichteten Inhaftierten zu erwirken. Als Reaktion wurde dem Volk kurzerhand der Zugang zu Github, Microsoft Cloud, Google Drive und Dropbox gesperrt. Danach hat man mehrere Personen verhaftet. Diese verdächtigt man, Teil der Hackergruppe RedHack zu sein. Von der türkischen Presse wurden die im September geleakten E-Mails noch gar nicht behandelt.


In der gestern veröffentlichten Kommunikation geht es inhaltlich zum Beispiel um die direkte Zusammenarbeit mit der Firma Powertrans, die angeblich für ISIS Öltransporte durchgeführt haben soll. Powertrans hat von Albayrak für den Export Berat's Box, LaTuff, Berat Albayrak, Berats BoxAusnahmegenehmigungen erhalten, um Öl zum Wohl der Terrororganisation transportieren und verkaufen zu können. Berat Albayrak hat immer wieder beteuert, nichts mit Powertrans zu tun zu haben, die E-Mails sollen allerdings das Gegenteil beweisen. Das durchsuchbare Archiv soll auch beweisen, wie man versuchte auf die Presse und soziale Netzwerk Einfluss zu nehmen, um die Oppositionspartei AKP klein zu halten.

Bereits Mitte September berichtete das Wall Street Journal vom Aufbau eines riesigen Social Media Teams, welches nicht weniger als 6.000 Mitarbeiter beinhalten soll. Anhand der E-Mails zeigt sich auch, wie man die landeseigenen Medien kontrolliert und wie ernst die Lage der türkischen Presse schon vor einigen Monaten war. WL-Chefredakteur Julian Assange plädiert für ein freies Internet und eine freie türkische Presse. Den Regierungsmitgliedern ginge es nur noch um Machterhalt und die Maximierung ihres Vermögens, so Assange.

#WhereIsAssange & #ProofOfLife – WL-Community will endlich Beweise sehen

Die Reaktionen in der Facebook-Gruppe von Wikileaks waren eher verhalten. Die Rufe nach einem Auftauchen von Julian Assange werden hingegen immer lauter. Er solle endlich beweisen, dass er lebt und somit die ganzen Verschwörungstheorien über seinen Tod oder seine Verschleppung beenden, schrieben viele in den Kommentaren. Spätestens bei der Anhörung des Gerichts nächste Woche muss Assange persönlich erscheinen.

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Der letzte Leak aus der Türkei, der Regierungspartei AKP, enthielt trotz der DDoS-Angriffe kurz vor der Enthüllung, enttäuschend wenig brisantes Material. Wie üblich hat Wikileaks in den unzähligen E-Mails keine Unbeteiligten geschützt, indem man ihre Namen geschwärzt hätte. Ob der gestrige Leak letztlich so viel spannender ausfällt, bleibt noch abzuwarten. Zumindest steht fest, dass sich, sollten sich die Leaks so fortsetzen, irgendwann gar kein Journalist mehr freiwillig mit dem Material von Wikileaks beschäftigen wird, weil sie dabei nichts erreichen – außer ihre Zeit mit unzähligen langweiligen Dokumenten zu verschwenden.

Bildquelle: Alle Cartoons von LaTuff, dessen Blog zwischenzeitlich auch von der türkischen Regierung gesperrt wurde.

Tarnkappe.info

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.