Bayern könnte dank LuL.to zum Bitcoin-Millionär werden

Artikel von · 18. Dezember 2017 ·

Alleine in der ersten Tranche könnte die bayerische Justiz aufgrund der bei LUL.to beschlagnahmten Wallets Bitcoin im Wert von über 375.000 Euro veräußern, wie der Bayerische Rundfunk heute berichtet hat. Bei der Staatsanwaltschaft Kempten sollen weitere 86 Bitcoin liegen, die man nach Verfahrensende verkaufen könnte.

Oberstaatsanwalt Thomas Goger, Pressesprecher der Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) in Bamberg, erwartet größere Einnahmen aus dem sichergestellten Kryptogeld des Bezahl-Portals Lauschen und Lesen (LuL.to), wie er dem Bayerischen Rundfunk sagte. Deren Betreiber boten bis zur Schließung im Juni dieses Jahres illegale Kopien von Hörbüchern, E-Books und digitalen Zeitschriften zum Kauf an. Im Rahmen der Razzia wurde auch das umfangreiche Guthaben der Cyberkriminellen beschlagnahmt, die ebenfalls den Darknet-Marktplatz Hansa Market organisiert haben.

Laut Goger sollen es mehr als 24 Bitcoin sein, genauere Angaben will er aber gegenüber der Presse momentan nicht machen. Würde man das Wallet zum heutigen Kurs veräußern, wären dies alleine über 375.000 Euro, die damit in die Staatskassen fließen könnten. Nach Recherchen des BR gibt es aber weitere Guthaben, die bei anderen Staatsanwaltschaften liegen. So verfügt die Staatsanwaltschaft Kempten zudem über 86 Bitcoins, die einen derzeitigen Wert von weit über 1.36 Millionen Euro besitzen. Der Verkauf könne aber erst durchgeführt werden, sobald das Verfahren rechtskräftig abgeschlossen ist.

Seit Sommer Hängepartie für ehemalige Nutzer von LuL.to

lul.toMomentan steht noch aus, ob die Staatsanwaltschaften auch gegen die Nutzer des illegalen Download-Portals vorgehen wollen. Die Auswertung der beschlagnahmten Güter ist bei der großen Menge sicher noch immer nicht abgeschlossen. Bislang ist uns von keinem Fall eines LuL.to-Downloaders bekannt, der deswegen bereits Post bekommen hätte.

Oberstaatsanwalt Thomas Goger sagte uns beim Telefonat Ende Oktober, im Fokus der Ermittlungen stünden in erster Linie die mutmaßlichen Betreiber von Hansa Market bzw. LuL.to. Davon abgesehen müsse von der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg später noch geprüft werden, ob sich auch die Kunden von LuL.to strafrechtlich verantworten müssen.

Bitcoin-Verkauf: Hessen macht es vor

Im Bundesland Hessen planen die Behörden nach Medienangaben derzeit den Verkauf beschlagnahmter Bitcoin im Wert von über zwei Millionen Euro. Hier wurden vor drei Jahren 126 Stück sichergestellt. Den Behörden ist offenbar nicht entgangen, dass der Kurs mehrerer Kryptowährungen im Verlauf der letzten Monate regelrecht durch die Decke gegangen ist. Vor allem der Wert des Bitcoin hat sich in letzter Zeit drastisch erhöht. Sollte der Trend anhalten, könnte auch in Bayern nach Ende der Verfahren der Rubel rollen. Doch wie es aussieht, fließt bis dahin noch einiges Wasser den Rhein hinunter…

Manipulation des Beitragsbildes, thx! (CC0 1.0)

Mehr zu diesem Thema:

5 Kommentare

  • comment-avatar

    El Chapo

    Da sind die Geschädigten ja gleich doppelt gearscht. Zum einen da ihre Veröffentlichungen illegal ins Netz gebracht wurden und zum anderen, weil statt aus der beschlagnahmten Masse eine Entschädigung zu bekommen jetzt Vater Staat die Bitcoins zu Geld macht und sich über einen warmen Regen freut.

  • comment-avatar

    DonAlt Conmaster in Chief

    Im Sommer war eine Änderung der Beweislastumkehr geplant, wonach der Staat schon bei Verdacht von unrechtmäßig erlangten Vermögenswerten diese konfiszieren darf (von Verdächtigen + Umfeld). Und kann man nicht nachweisen woher sie stammen, bleiben sie eingezogen, auch wenn sich keine Beweise für eine Anklage bzw Verurteilung ergeben haben. Schöne Zeiten für den Fiskus, wenn der Entwurf so übernommen wurde.

    Einen richtigen BTC-6er hat wohl Bulgarien gelandet. Die südosteuropäische Strafverfolgungsbehörde SELEC beschlagnahmte im Mai u.a. 213.519 Bitcoins. Bulgarische Grenzer wurden bestochen, Grenz-Computersysteme mit Malware zu verseuchen, dass Waren ungehindert Grenzen passieren konnten. Die Gruppe hatte Mitglieder in 5 s-o-e Ländern, Respekt. ^^

    https://www.selec.org/p667/29+May+2017

    • comment-avatar

      DonAlt Conmaster in Chief

      213,519 wurden beschlagnahmt, nicht 213.519 – vertippt sorry.

  • comment-avatar

    Christoph

    Toller Artikel, gerne mehr davon. Sicher lauern noch woanders in der BRD bei Staatsanwaltschaften beschlagnahmte Bitcoins aus Drogen-Geschäften etc, vielleicht sogar seit Jahren? Aber der Rhein fliesst nicht in Bayern runter, das ist die Isar :-)

  • comment-avatar

    extra-falsch-schreiber

    Joa, also gab et schon da mals jenug Ansporn für ji Kollejgen von der Kripo, bestimmt sprang eine Provision oder so heraus ;) Ach Justiz … kämpft doch gegen die Drogenkartelle in sozialen-Brennpunktsvierdeln und vrpsst euch von unserem Netz. Kip0 User jagen…meinetwegen. Aber lasst den armen Teil der Bevölkerung LuL-Waren kaufen, wenn die es sich nicht besser leisten können, iwie wollen wa ja auch Spaß und uns weidabilden ;)


Schreib einen Kommentar