Attentat von El Paso: Cloudflare wirft 8Chan raus

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Cloudflare hat laut einem aktuellen Blogeintrag das Forum 8Chan letzte Nacht als Kunden rausgeworfen. In vielen Teilen der Welt soll es Verbindungsprobleme geben, wofür sich das Team schon bei Twitter entschuldigt hat. Man suche derzeit nach einer Lösung, heißt es dort. Diese könne aber bis zu 48 Stunden auf sich warten lassen. Der Anschlag von El Paso wurde bei 8Chan vom Attentäter großspurig angekündigt. Einige Leser applaudierten, die Moderatoren blieben tatenlos.

8Chan & Daily Stormer: „Die Leute (…) sind Arschlöcher

In der Grenzstadt El Paso hat ein 21-Jähriger offenbar Samstag früh 20 Menschen getötet und 26 weitere verletzt. Cloudflare CEO Matthew Prince äußerte sich nun beim hauseigenen Blog als Stimme der Wahrheit und reagiert medienwirksam auf das schreckliche Ereignis. Das Attentat von Ohio sei vom Forum 8Chan inspiriert worden, schreibt er. Der Attentäter habe in einem Thread bei 8Chan ganze Romane geschrieben, bevor er das Töten anfing. 8Chan habe sich mal wieder als „Jauchegrube des Hasses“ erwiesen.


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Das Forum mit unzähligen Nutzern und Seitenzugriffen wird von den Betreibern selbst auf der Hauptseite als eine der dunkelsten Ecken des Internets beschrieben. Man habe es versäumt, die Glorifizierung von Attentätern zu unterbinden, wirft Prince den Machern von 8Chan vor. Da man sich gesetzwidrig verhalten habe, sah Cloudflare sich im Recht und wohl auch in der Pflicht, das Forum als Kunden kurzfristig und ohne Ankündigung rauszuwerfen. Das Problem: Bei 8Chan wird grundsätzlich nicht moderiert, egal wie illegal oder schwachsinnig die Aussagen ihrer Nutzer auch sein mögen. Von daher kommt die PR-wirksame Aktion nicht von ungefähr.

8chan

Netzneutralität oder Engel in weiß, was denn nun?

Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, schreibt der Geschäftsführer des Unternehmens. Doch es sei ihr Ziel, einen Beitrag zu einem besseren Internet zu leisten. Weil 8Chan die magische Grenze überschritten habe, ist es den Betreibern nicht mehr erlaubt, die Dienste von Cloudflare zu nutzen. Nach dem Rauswurf hieß es erst, Cloudflare habe technische Schwierigkeiten und nicht die Forensoftware. Später schrieben die Betreiber auf Twitter, es könne zu Ausfällen von bis zu 48 Stunden kommen, um eine Lösung des Problems zu finden (siehe Tweet unten). Noch am Samstag sagte Matthew Prince dem Guardian, dass ein Rauswurf im Endeffekt nichts zur Sauberkeit des Internets beitragen könne. Doch wenn er einen magischen Zauberstab hätte, mit dem man schlechte Dinge aus dem Web wie 8Chan oder den Daily Stormer verschwinden lassen könnte, würde er das schon morgen tun.

8Chan wird sich bald von diesem Schock erholen. Leider hat auch das rechtsradikale Portal Daily Stormer keinen dauerhaften Schaden davon getragen. Wissen muss man in diesem Zusammenhang halt auch, dass das Unternehmen trotz der medienwirksamen Kick-Aktionen noch immer diversen Terror-Einheiten, Phishern, Verbreitern von Schadsoftware, sonstigen Cyberkriminellen und last, but not least unzähligen Online-Piraten Unterschlupf gewährt. Davon schreibt der ehrwürdige CEO natürlich nichts auf seinem Blog. Wenn er wirklich hätte aufräumen wollen, so wie er vorgibt, so hätte Prince einen nicht unerheblichen Teil seiner zahlenden Kunden vor die Tür setzen müssen. Doch wer will das schon wenn es darum geht, Geld zu verdienen.

Tarnkappe.info

 

Beitragsbild Luz Fuertes, thx! (unsplash licence)

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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