Anime-inspirierter Nutzer mit Laptop auf einem Hausdach vor einer nächtlichen japanischen Großstadt
Nyaa im Visier: Japanische Behörden gehen gegen mutmaßliche Seeder vor.
Bildquelle: ChatGPT

Nyaa: Mutmaßlicher Seeder in Japan verhaftet – jetzt wird es eng

Nyaa gerät unter Druck: Japan verhaftet einen mutmaßlichen Seeder. Die Behörden nehmen damit die Quellen von Torrent-Piraterie ins Visier.

Nyaa gehört zu den weltweit bekanntesten Anlaufstellen für Anime-Torrents. Japanische Behörden haben aktuell einen mutmaßlichen Seeder festgenommen. Damit gerät ein First Uploader ins Visier japanischer Strafverfolger. Ihm wird vorgeworfen, über das P2P-Netzwerk Nyaa urheberrechtlich geschützte Inhalte verbreitet zu haben. Die Anti-Piraterie-Organisation CODA wertet den Fall als wichtigen Schritt im Kampf gegen Urheberrechtsverletzungen über Torrent-Seiten.

Japan nimmt mutmaßlichen Seeder von Nyaa fest

Wie Coda (Content Overseas Distribution Association), die japanische Anti-Piracy-Vereinigung, mitteilt, haben die Cyber Investigation Division des Cybercrime Countermeasures Headquarters der Präfekturpolizei Kyoto und die Fushimi Police Station am 28. Juli 2026 einen Mann aus Sagamihara festgenommen. Verantworten muss er sich nun dafür, einen Verstoß gegen das japanische Urheberrechtsgesetz begangen zu haben.

Konkret soll der Verdächtige 2026 das NHK-Drama „Midnight Taxi“ ohne Genehmigung des Rechteinhabers, des Senders NHK, über Nyaa (nyaa.si) verbreitet haben. Nach Angaben von CODA soll er dabei als sogenannter First Uploader beziehungsweise Seeder agiert haben. Dazu soll der Mann zunächst eine Torrent-Datei auf Nyaa veröffentlicht haben. Er gab damit anderen Nutzern die Gelegenheit, im Anschluss auf die Datei zuzugreifen. Die Inhalte wurden dann über ein Peer-to-Peer-Netzwerk (P2P) zwischen den beteiligten Geräten weitergegeben.

Die japanischen Ermittler vermuten, dass der Beschuldigte auf ähnliche Weise zudem weitere Fernsehserien verbreitet hat. Auch dabei soll es sich um Produktionen des japanischen Senders NHK gehandelt haben.

Die Spur führt zum Seeder

Ein First Uploader steht am Anfang der Verteilungskette. Damit unterscheidet sich der aktuelle Fall von klassischen Ermittlungen gegen Nutzer, die bereits vorhandene Torrent-Dateien weiterverbreiten.

Zu Beginn einer solchen Verbreitung verfügt der Seeder über die vollständigen Daten. Andere Teilnehmer laden diese anschließend herunter und stellen sie ihrerseits weiteren Nutzern zur Verfügung. Auf diese Weise können sich urheberrechtlich geschützte Inhalte innerhalb kurzer Zeit über ein P2P-Netzwerk verbreiten.

Für die Anti-Piraterie-Ermittler ist der ursprüngliche Einspeiser deshalb ein besonders attraktives Ziel. CODA erklärt, dass die Identifizierung und strafrechtliche Verfolgung solcher First Uploader eine zentrale Rolle spielen:

„Der Seeder dient somit als Ausgangspunkt für die Verbreitung von Urheberrechtsverletzungen in einem P2P-Netzwerk. Aus diesem Grund legt CODA großen Wert darauf, Erst-Uploader zu identifizieren und gegen sie vorzugehen.“

Bereits 2025 waren japanische Behörden gegen drei Secondary Uploader vorgegangen. Ihnen wurde vorgeworfen, über Reach Sites auf Torrent-Dateien bei Nyaa verlinkt und dadurch urheberrechtlich geschützte Inhalte zugänglich gemacht zu haben. Betroffen waren unter anderem „Re -Starting Life in Another World- Season 3“, „Kowloon Generic Romance“ und „Mobile Suit Gundam GQuuuuuuX“.

Nyaa zählt zu den größten Torrent-Portalen weltweit

Nyaa selbst hostet die über sie bereitgestellten Medieninhalte nicht zentral. Die Plattform stellt hingegen Torrent-Dateien bereit, die den Weg zu den entsprechenden Daten weisen. Der eigentliche Austausch erfolgt über die Geräte der Nutzer.

Codi weist darauf hin, dass diese dezentrale Struktur der Torrent-Netzwerke Ermittlungen für Rechteinhaber und Strafverfolger schwierig macht. Es gibt keinen zentralen Server, auf dem sämtliche verbreiteten Filme, Serien oder Anime gespeichert sind. Ein einmal in Umlauf gebrachter Inhalt kann sich zudem über zahlreiche Teilnehmer weiterverbreiten.

Nach einer von CODA zitierten SimilarWeb-Auswertung kam Nyaa zwischen Juli 2025 und Juni 2026 durchschnittlich auf rund 30 Millionen Besuche pro Monat. Etwa die Hälfte des Traffics soll dabei aus Japan stammen. Davon zeugt auch eine Auswertung von TorrentFreak. In dessen Ranking der beliebtesten Torrent-Seiten 2026 belegte Nyaa Platz 3 und lag damit nur hinter YTS und 1337x.

Nyaa-Torrent-Plattform auf mehreren Monitoren in einem Anime-inspirierten Zimmer
Nyaa gehört zu den meistbesuchten Torrent-Plattformen weltweit.

Das Torrent-Portal gilt damit als bedeutende illegale Quelle, besonders für japanische Inhalte. Neue Anime und Fernsehsendungen werden dort laut CODA teilweise unmittelbar nach ihrer Veröffentlichung verfügbar gemacht. Auch der Betreiber der 2023 strafrechtlich verfolgten Anime-Piraterieseite B9GOOD soll Nyaa als Quelle für illegal verbreitete Inhalte genannt haben.

Behörden ermitteln seit Jahren gegen Nyaa

Die japanischen Behörden haben die Plattform bereits seit Jahren im Visier. 2019 arbeitete CODA mit Google zusammen, um die Startseite von Nyaa aus den Google-Suchergebnissen entfernen zu lassen. Seit dem Geschäftsjahr 2021 läuft das Cross-Border Enforcement Project (CBEP). CODA kooperiert dabei mit dem japanischen Wirtschaftsministeriums METI. Ziel ist unter anderem, Personen hinter illegalen Uploads zu identifizieren.

Bei den Ermittlungen gegen den nun festgenommenen Mann kam laut CODA ein Analysewerkzeug zum Einsatz, das von der Japan Hacker Association entwickelt wurde. Die dabei gewonnenen Informationen führten zur Identifizierung des Verdächtigen durch die Kyoto Prefectural Police. Im anschluss daran koordinierte CODA die betroffenen japanischen Rechteinhaber. Schließlich mündete dies in der Festnahme des First Uploader am 28. Juli. Für CODA ist der Fall „wegweisend bei der Bekämpfung von Urheberrechtsverletzungen im Zusammenhang mit Torrent-Seiten„.

Auch gewöhnliche Torrent-Nutzer können ins Visier geraten

Allerdings stehen weiterhin auch User von P2P-Netzwerken im Fokus der Ermittlungen. CODA weist darauf hin, dass viele für Torrent-Netzwerke verwendete Programme bereits während des Downloads Daten automatisch wieder hochladen. Damit werden Nutzer selbst zum Uploader, obwohl sie den Inhalt lediglich herunterladen wollten.

CODA warnt außerdem davor, dass nicht nur das unerlaubte Hochladen, sondern auch das bewusste Herunterladen offensichtlich rechtswidrig verbreiteter Inhalte gegen das japanische Urheberrecht verstoßen kann:

„Es ist außerdem zu beachten, dass viele Filesharing-Softwareanwendungen, die mit Torrent-Seiten verwendet werden, so konzipiert sind, dass sie Daten während des Downloads automatisch hochladen. Daher kann allein die Nutzung solcher Software einen Verstoß gegen das Urheberrecht darstellen. Darüber hinaus kann nicht nur das Hochladen, sondern auch das Herunterladen von Inhalten in dem Wissen, dass es sich um urheberrechtsverletzendes Material handelt, einen Verstoß gegen das Urheberrecht darstellen.“

CODA appelliert daher an Nutzer, Inhalte über legale Angebote zu beziehen und auf die Nutzung von Raubkopien zu verzichten.

Nyaa bleibt online – doch der Druck wächst

Eine bevorstehende Abschaltung von Nyaa ist derzeit nicht zu befürchten. Die vorliegenden Informationen belegen eher eine gezielte Strategie gegen Personen am Anfang der Verbreitungskette. Auch lässt sich aus dem Fall ableiten, dass die japanischen Behörden ihre Ermittlungsansätze weiter ausbauen. Damit dürfte es künftig auch für weitere First Uploader eng werden.

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Über

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.