Beschlagnahmte Konsole: Auktion in Japan bot versehentlich Raubkopie-Hardware an.
Beschlagnahmte Konsole: Auktion in Japan bot versehentlich Raubkopie-Hardware an.
Bildquelle: ChatGPT

Nintendo Raubkopien: Japan verhökert DS mit Piraterie-Hardware

In Japan hat die Präfektur Tottori versehentlich einen gebrauchten Nintendo DS mitsamt Flash-Carts zur Auktion gestellt.

Nintendo kämpft bereits seit Jahrzehnten erbittert gegen Raubkopien auf seinen Konsolen. Besonders der Nintendo DS war in den 2000er-Jahren ein wahres Paradies für Piraten. Flash-Carts wie die R4- oder Acekard-Serie machten es leicht, tausende ROMs illegal abzuspeichern und abzuspielen. Ironischerweise ist nun die japanische Regierung selbst in diese Falle getappt und das mit einer offiziellen Auktion, die einem Eldorado für Raubkopien glich.

Der Vorfall: Eine Auktion mit Skandal-Potenzial

Wie GamesRadar berichtete, bot die Präfektur Tottori Anfang des Monats einen stark vergilbten Nintendo DS Lite für gerade einmal 1.000 Yen (ca. 6 Euro) auf einer staatlichen Auktionsplattform an. Solche Auktionen sind in Japan nichts Ungewöhnliches. Hier landen regelmäßig beschlagnahmte Waren oder Gegenstände säumiger Steuerzahler.

Das Angebot sah zunächst harmlos aus. Es bestand aus einer gebrauchten Konsole und drei Spielmodulen, darunter New Super Mario Bros.. Doch bei genauerem Hinsehen entpuppte sich das Paket als brisant. Statt regulärer Spiele waren auch R4- und Acekard 2-Flash-Carts enthalten, klassische Piraterie-Werkzeuge der DS-Ära.

Nintendo Raubkopien: Japan verhökert DS mit Flash-Carts
Nintendo Raubkopien: Japan verhökert DS mit Flash-Carts

Flash-Carts – Symbole der DS-Piraterie

Flash-Carts wie R4 oder Acekard sind kleine Module mit microSD-Slots, die es Spielern ermöglichen, unzählige ROMs auf einem einzigen Modul abzulegen. Offiziell konnten sie auch für Homebrew-Software genutzt werden. In der Praxis dienten sie aber fast ausschließlich dem illegalen Download und Abspielen von kommerziellen Spielen.

Diese Geräte waren in den 2000ern derart oft verbreitet, dass sie sogar über eBay oder in zahlreichen Familienhaushalten kursierten, oft ohne dem Bewusstsein, dass sie randvoll gepackt mit Raubkopien waren. Für Nintendo bedeutete das Milliardenverluste und führte zur heutigen kompromisslosen Anti-Piraterie-Politik des Konzerns.

Internationale Blamage für Tottori mit Nintendo Raubkopien

Die Auktion blieb nicht unbemerkt. Japanische Spieler machten auf X sofort auf den Fauxpas aufmerksam. Ein Nutzer kommentierte spöttisch: „Das ist ein Magicom-Set, lol – die wissen wahrscheinlich nicht mal, was sie da verkaufen …“.

Mit „Magicom-Set“ ist in der Szene ein Nintendo DS gemeint, der zusammen mit Flash-Carts angeboten wird, also Modulen, mit denen sich Spiele-ROMS kopieren, speichern und massenhaft abspielen lassen. Genau diese Hardware war in den 2000er-Jahren das Standardwerkzeug der DS-Piraterie.

Kurz darauf zog die Präfektur Tottori die Notbremse. Die Auktion verschwand kommentarlos von der Website, sämtliche Bilder und Gebotsoptionen wurden entfernt.

Fazit: Wenn der Staat mit Nintendo Raubkopien selbst zum unfreiwilligen „Dealer“ wird

Eine unscheinbare Auktion der Behörden entwickelte sich hier zu einer peinlichen Farce. Dass eine staatliche Behörde unwissentlich Piraterie-Hardware verkauft, ist nicht nur eine Blamage für die Präfektur Tottori, sondern auch ein Beleg für das schwierige Erbe der DS-Ära. Nintendo dürfte sich bei einer solchen Aktion insgeheim mit ihrem eingeschlagenen Kurs bestätigt fühlen. Die Piraten von damals belasten damit den Konzern auch heute noch. Und manchmal stolpert sogar die Regierung in ihre Fallen.

Über

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.