Raspberry Pi Verbot in New York: Maker-Hardware wie Pi und Flipper Zero landet auf der Verbotsliste zur Bürgermeister-Inauguration.
Wenn bei einer Bürgermeister-Inauguration ein Verbot von Raspberry Pi und Flipper Zero neben erwartbaren Einträgen wie Waffen, Drohnen oder Sprengstoff aufgeführt ist, läuft etwas schief. Dies hat sich aktuell in New York ereignet. Im Rahmen einer in New York angekündigten Bürgermeister-Inaugurationsveranstaltung wurde diese Maker-Hardware namentlich, markenbezogen und ohne Erklärung explizit verboten. Die Entscheidung sorgt international für Kopfschütteln, hitzige Debatten und den Vorwurf von Security Theater statt Sicherheitskonzept.
Raspberry Pi Verbot wirft Fragen auf – Maker-Hardware unter Generalverdacht?
Zur Amtseinführung des neuen New Yorker Bürgermeisters Zohran Mamdani, der im Januar 2026 das Amt von Eric Adams übernahm, veröffentlichten die Veranstalter der Inaugurationsfeier eine offizielle Liste verbotener Gegenstände. Darauf finden sich übliche Einträge wie Waffen, Feuerwerk, Laserpointer, Glasflaschen oder Drohnen. Ungewöhnlich ist jedoch, dass Raspberry Pi und Flipper Zero gesondert namentlich mit aufgeführt sind.
Das fällt auf, da fast alle anderen verbotenen Gegenstände funktional oder kategorisch eingeordnet sind. Nicht so bei der Maker-Hardware wie Raspberry Pi und Flipper Zero. Hier werden konkrete Produkte herausgegriffen ohne zu erklären, welches Risiko sie darstellen sollen. Maker-Hardware bezeichnet frei verfügbare, programmierbare Elektronik-Bausteine wie Einplatinencomputer und Mikrocontroller, die auch in Bildung, Forschung, Journalismus, Kunst und Barrierefreiheit eingesetzt werden.
Raspberry Pi steht exemplarisch für dieses Ökosystem. Das Gerät ist millionenfach im Einsatz, fest in Schulen und Hochschulen etabliert und dient als Grundlage für zahllose Open-Source-Projekte. Dass ausgerechnet diese Form von Maker-Hardware nun neben Explosivstoffen auf einer Verbotsliste landet, wirkt mindestens unverhältnismäßig.
Flipper Zero: Symbol statt Ursache
Der Flipper Zero ist hingegen ein komplexerer Fall. Das Gerät kann Funkprotokolle analysieren, RFID- und NFC-Tags emulieren und wird sowohl von Sicherheitsforschern als auch von Kriminellen genutzt. Tarnkappe.info hat mehrfach über problematische Einsatzszenarien berichtet, etwa im Zusammenhang mit Autodiebstählen oder durch den Einsatz von Zusatz-Hardware sowie modifizierter Firmware, die den Flipper Zero zu einem portablen Linux-Pen-Tester erweitert.
Hier liegt aber auch der Kern des Problems. Nicht das Gerät an sich ist gefährlich, sondern die Software und die unsicheren Systeme, die es ausnutzt. Das Verbot differenziert nicht zwischen Flipper Zero und Raspberry Pi, obwohl beide Geräte völlig unterschiedliche Einsatzzwecke und Fähigkeiten haben. Die Gemeinsamkeit scheint allein zu sein, dass sie als „Hacker-Hardware“ gelten.
Die fehlende Logik hinter dem Raspberry Pi Verbot
Das Raspberry-Pi-Verbot wird vor allem wegen seiner technischen Inkonsequenz kritisiert. Laptops, Tablets und Smartphones bleiben trotz gleichwertiger oder sogar größerer technischer Funktionalität erlaubt. Ein Raspberry Pi hingegen wird pauschal ausgeschlossen, obwohl er ohne zusätzliche Peripherie kaum einsatzfähig ist. Das macht deutlich, dass hier nicht Fähigkeiten oder Nutzungsszenarien reguliert werden, sondern Geräte an sich.
In Sicherheitsdebatten ist für solche Maßnahmen der Begriff Security Theater etabliert. Gemeint sind sichtbare, beruhigende Regeln, die objektiv wenig zur tatsächlichen Sicherheit beitragen. Das Raspberry-Pi-Verbot erfüllt genau diese Kriterien. Es stoppt vor allem neugierige Bastler, nicht jedoch motivierte Angreifer, und schafft zugleich Unsicherheit bei Besuchern wie auch beim Sicherheitspersonal. Gleichzeitig vermittelt die Maßnahme ein Gefühl von Kontrolle, ohne reale Risiken gezielt zu adressieren. Wer tatsächlich stören oder angreifen will, wird sich von einer solchen Verbotsliste kaum aufhalten lassen. Hinzu kommt das Fehlen jeglicher Erklärung oder eines erkennbaren Dialogs mit der Öffentlichkeit.
Auffällig ist auch der Umgang der Verantwortlichen mit Nachfragen. Mehrere IT-Portale wie Adafruit oder BleepingComputer haben versucht, eine Stellungnahme zu erhalten. Adafruit wandte sich mit konkreten Nachfragen an die Verantwortlichen und wollte unter anderem wissen, warum Markennamen statt funktionaler Kategorien genannt werden, welche konkrete Gefahr vom Raspberry Pi ausgehen soll und ob bei der Erstellung der Verbotsliste KI zum Einsatz kam. Bislang blieb jede Antwort aus. Dieses Schweigen verstärkt den Eindruck, dass das Raspberry Pi Verbot nicht auf einer fundierten Risikoanalyse beruht.
Signal mit weitreichenden Folgen
Adafruit wies darauf hin, dass heute Raspberry Pi und Flipper Zero betroffen sind, morgen jedoch möglicherweise ESP32-Boards, Arduino-Hardware, SDR-Dongles, Logic Analyzer oder Hacker-Badges, wie sie auf IT- und Sicherheitskonferenzen üblich sind, folgen könnten. Sobald Sicherheitsregeln beginnen, offene Technik pauschal zu kriminalisieren, entsteht ein Präzedenzfall, der Bildung, Forschung und kreative Technikarbeit nachhaltig beeinträchtigen kann.
Öffentliche Sicherheit ist wichtig, gerade bei politischen Großveranstaltungen. Sie braucht jedoch klare Kriterien, technisch nachvollziehbare Regeln und fachliche Kompetenz. Was sie nicht braucht, sind Verbotslisten, die Marken unter Generalverdacht stellen und technisches Interesse unterbinden.


















