Zurück zur Scheibe: Für viele junge Käufer steht die DVD für Besitz statt Lizenz.
Zurück zur Scheibe: Für viele junge Käufer steht die DVD für Besitz statt Lizenz.
Bildquelle: ChatGPT

Gen Z DVD-Comeback: Schluss mit dem Streaming-Dauerabo

DVD-Comeback bei Gen Z: Junge Menschen entdecken physische Medien neu und reagieren auf Streaming-Müdigkeit und Abo-Überdruss.

Totgesagte leben länger und melden sich überraschend zurück. Während Streamingdienste ihre Abopreise erhöhen, Inhalte verschwinden lassen und Zuschauer mit datenbasierten Vorschlägen immer wieder zu ähnlichen Inhalten lenken, greift eine wachsende Zahl junger Menschen aktuell zu DVDs, Blu-rays und sogar 4K-Discs. Das Gen Z DVD-Comeback setzt ein Zeichen gegen die Plattform-Ökonomie.

Die Rückkehr der Scheibe

Viele Jahre galt die DVD als digitales Fossil. Streamingdienste schienen den Markt weitgehend übernommen zu haben. Gerade zeichnet sich allerdings eine überraschende Wendung ab. Die Generation Z kauft wieder physische Medien. DVDs, Blu-rays, 4K-UHD-Discs, also Formate, die längst abgeschrieben waren, erleben ein bemerkenswertes Revival.

Retro ist gerade angesagt. Der Trend lässt sich als Reaktion auf Streaming-Müdigkeit und Abo-Überdruss verstehen.

Marktdaten: Der Absturz verlangsamt sich

Zwar schrumpft der Markt für physische Datenträger weiterhin, der Einbruch verliert aber merklich an Tempo. Laut Los Angeles Times verringerte sich der Absatz physischer Medien 2025 lediglich um neun Prozent, nachdem die Rückgänge in den Jahren 2023 und 2024 jeweils über 20 Prozent gelegen hatten. Damit schwächte sich der Negativtrend in einem insgesamt rückläufigen Markt spürbar ab.

Der einstige Mainstream-Markt für DVDs wandelt sich derzeit zu einem kuratierten Sammlermarkt.

DVD-Revival: Streaming-Frust als Treiber

Ein zentrales Motiv hinter dem Gen Z DVD-Comeback ist der Wunsch nach dauerhaftem Besitz und eigenständigem Zugriff auf Inhalte, statt auf Lizenzverträge und Plattformwechsel angewiesen zu sein. Streaming verspricht zwar unbegrenzten Zugriff, liefert aber nur zeitlich begrenzte Lizenzen. Filme und Serien können aus den Streaming-Angeboten verschwinden, etwa weil Lizenzvereinbarungen auslaufen oder Rechte neu vergeben werden. Wer Pech hat, verliert seinen Lieblingsfilm über Nacht. Anders als Streaming-Plattformen garantieren physische Medien dauerhaften Besitz und Zugriff.

Junge Konsumenten berichten von ‚Subscription Fatigue‘, einem Zustand der Abo-Müdigkeit, ausgelöst durch steigende Preise, eine wachsende Zahl kostenpflichtiger Dienste, zersplitterte Inhalte sowie die oft mühsame Suche nach dem gewünschten Titel. Wie Chris Cagle, Professor für Filmwissenschaft, gegenüber Temple News bestätigt, schätzen jüngere Generationen physische Medien vor allem wegen ihrer dauerhaften Verfügbarkeit:

„Ich denke, das Wichtigste ist, tatsächlich die Rechte an dem Titel zu besitzen. Ich weiß, das klingt selbstverständlich, aber ich glaube, dass die Rechte von Streaming-Diensten oft nur für einen sehr begrenzten Zeitraum ausgehandelt werden.“

Physische Kopien vermitteln ein Gefühl von Eigentum, das digitale Inhalte aufgrund ihrer Lizenzabhängigkeit kaum bieten können.

Wirtschaftliche Signale des DVD-Comebacks

Laut Los Angeles Times berichten Videotheken wie Vidiots in Los Angeles von Rekordmonaten. Im Januar 2026 wurden dort durchschnittlich 170 Filme pro Tag verliehen, an einem Spitzentag sogar 500 Titel. Die Ausleihzahlen haben sich seit der Wiedereröffnung 2023 mehr als verdoppelt.

Auch spezialisierte Anbieter wie die Criterion Collection berichten von signifikanten jährlichen Umsatzsteigerungen. Besonders junge Käufer greifen gezielt zu restaurierten Klassikern, Arthouse-Titeln und Sondereditionen. Barnes & Noble, einer der letzten großen Händler mit physischem Mediensegment, spricht von „mittleren zweistelligen Wachstumsraten“ bei DVDs und Blu-rays. Die Käuferschaft werde jünger.

Das Gen Z DVD-Comeback zeigt damit messbare wirtschaftliche Effekte.

Kultur gegen Algorithmus

Die Parallelen zum Vinyl-Boom der 2010er-Jahre sind offensichtlich. Auch damals war Streaming bequem, aber geprägt von schneller Verfügbarkeit und geringer Beständigkeit. Die Schallplatte stand hingegen für Entschleunigung und bewussten Konsum. Aktuell übernimmt die DVD diese Rolle im Filmbereich.

Gemeinsam stöbern statt endlos scrollen: Das DVD-Comeback wird auch zum sozialen Erlebnis.
Gemeinsam stöbern statt endlos scrollen: Das DVD-Comeback wird auch zum sozialen Erlebnis.

Gemäß Los Angeles Times suchen gerade junge Cineasten gezielt nach Werken von Regisseuren wie David Lynch, David Cronenberg oder nach Produktionen des Studios A24, die im Streaming oft versteckt oder gar nicht verfügbar sind. Physische Medien fördern aktives Stöbern und gemeinsames Entdecken, während Streamingdienste Inhalte individuell und datenbasiert ausspielen. Plattenläden oder Videotheken fördern den gegenseitigen Austausch. Kultur wird damit wieder greifbar.

Digitale Erschöpfung und das Bedürfnis nach Stabilität

Gen Z ist während prägender Lebensphasen (Schule, Studium, frühe Zwanziger) mit Pandemie, Lockdowns, wirtschaftlicher Unsicherheit und Klimawandel aufgewachsen. Diese Erfahrungen haben sowohl ihre Einstellungen als auch ihr Konsumverhalten beeinflusst.

Angehörige der Gen Z sehen die 1990er- und frühen 2000er-Jahre rückblickend als stabiler. Auf TikTok verbreiten sich Videos von iPods, Discmans und sorgfältig sortierten DVD-Sammlungen. Die Kulturtheoretikerin Svetlana Boym beschrieb Nostalgie einst als „Rebellion gegen die Modernität„. Ein solches Muster zeichnet sich auch hier ab, nämlich ein analoger Gegentrend zur digitalen Überreizung.

Comeback der DVDs: Widerstand aus Polycarbonat

Das Gen Z DVD-Comeback zeigt eine wachsende Skepsis gegenüber rein digitalen Besitzmodellen. Es ist Ausdruck einer Generation, die ihre Abhängigkeit von Plattformen bewusst begrenzen möchte. In einer zunehmend digitalisierten Medienwelt gilt die physische Disc manchen als Symbol kultureller Selbstbestimmung.

Natürlich bleibt Streaming dominant. Netflix und Co. werden nicht verdrängt. Die Scheibe konkurriert nicht direkt mit dem Streaming selbst, sondern mit dessen Schwächen. Die DVD war nie wirklich tot. Sie hat nur gewartet.

Über

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.