Bahnhof Frankfurt
Bahnhof Frankfurt bei Sonnenuntergang. Dieser ist als häufig genutzter Drogenumschlagplatz bekannt.
Bildquelle: Justin Luca Krause, Lizenz

Gesichtserkennungs-App der Polizei soll Straftäter überführen

Die Frankfurter Polizei stellte bei einer Razzia von 200 Personen mit einer Gesichtserkennungs-App die Identität einzelner Personen fest.

Vergangenen Donnerstag nutzte die hessische Polizei eine Gesichtserkennungs-App, um bei einer massenhaften Durchsuchung die Identität der Personen festzustellen, die keinen Ausweis bei sich trugen. Der Einsatz fand im näheren Umkreis des Frankfurter Bahnhofs statt, einem bekannten Umschlagplatz für Drogen aller Art.

Insgesamt kontrollierte man an diesem Abend 414 Personen. Bei 36 Passanten fand man illegale Drogen oder Waffen. Andere fielen wegen dem Verstoß gegen das Aufenthaltsgesetz auf. Beobachtet haben das Szenario der hessische Ministerpräsident Boris Rhein und sein Innenminister Roman Poseck, beide CDU.

GES-App nur zu internen Zwecken

Die von der Frankfurter Polizei genutzte GES-App findet man natürlich nicht bei Apple und auch nicht im Google Play Store. Die neue Gesichtserkennungs-App hat das Bundeskriminalamt (BKA) und das hessische Landeskriminalamt (LKA) gemeinsam mit dem Innovation Hub 110 der hessischen Polizei entwickelt, wie die Frankfurter Neue Presse berichtet. Die Software soll den Polizisten dabei helfen, Tatverdächtige, die man auf der Straße aufgreift und die (wahrscheinlich absichtlich) kein Ausweisdokument mit sich führen, zu identifizieren. Die Frankfurter Polizei testet die App im Pilotbetrieb als erste Behörde überhaupt.

Gesichtserkennungs-App
Symbolbild für eine Gesichtserkennungs-App.

Für fast alle Zwecke gibt es eine eigene App

Auf der Website vom Innnovation Hub 110 heißt es, dass man zwischenzeitlich alle Polizistinnen und Polizisten mit einem mobilen Endgerät ausgestattet hat. Weitere eigene und extern entwickelte Apps für den Polizeieinsatz, die die Arbeit der Beamtinnen und Beamten vor Ort weiter erleichtern sollen, seien in Entwicklung. Und manche befinden sich bereits im Einsatz.

Dazu zählt unter anderem eine Strafanzeigen-App, die Asservat-App, eine Übersetzungs-App, die Aha!-App für Wissensmanagement, die Notes2Do-App, der Julius-Messenger und die Owi2ToGo-App. Letztere dient zur Erfassung von Ordnungswidrigkeiten. Darüber hinaus entwickelt das Innovation Hub 110 kontinuierlich weitere digitale Tools, die die Effizienz und Sicherheit der Polizei steigern sollen.

innovation hub 110

Gesichtserkennungs-App greift auf 5,5 Mio. Personendaten zu

Ein Polizist führte die Gesichtserkennungs-App im Rahmen der Razzia vor. Die Software scannt das Gesicht und sucht dann in verschiedenen Datenbanken. Doch die Daten stammen nicht nur vom BKA, sondern auch von der Polizeidatenbank INPOL. Dort hat man 5,5 Millionen Personen mit Bild gespeichert. Alles Personen, die irgendwann von der Bundespolizei, Polizei, den LKAs, BKA oder dem Zollkriminalamt erkennungsdienstlich behandelt wurden.

Dazu kommen laut Netzpolitik.org noch weitere Fotos, die die Polizei im Rahmen von Ermittlungen erstellt oder beschlagnahmt hat. Nach dem Abgleich mit den ganzen Datenbanken wirft die GES-App die Ergebnisse aus. Neben Tatvorwürfen speichert man dort übrigens auch personengebundene Merkmale, wie „Ansteckungsgefahr“ oder Hinweise auf eine „psychische Verhaltensstörung„.

Hessen als Vorreiter für Überwachung

Im Frankfurter Bahnhofsviertel ist seit Sommer letzten Jahres, ebenfalls bundesweit einmalig, eine Live-Gesichtserkennung mit festinstallierten Videokameras inklusive KI-Nutzung im Einsatz. Der hessische Innenminister erzählte beim Gespräch mit der Presse stolz, dass andere Behörden „neidisch auf die High-Tech-Überwachung“ seien, die man dort aufgebaut bzw. den Polizisten ausgehändigt habe. Wenn die Tests erfolgreich verlaufen, ist es nicht unwahrscheinlich, dass man die Gesichtserkennungs-App demnächst flächendeckend in ganz Deutschland benutzt.

Lars Sobiraj

Über

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Früher brachte Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert. In seiner Freizeit geht er am liebsten mit seinem Hund spazieren.