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NordVPN: „Wir erfüllen die Datenanfragen der Strafverfolgungsbehörden“

NordVPN hat den Blogbeitrag zur Weitergabe der Nutzerdaten an die Ermittlungsbehörden heimlich geändert. Man protokolliert das Surfverhalten.

Der Anbieter NordVPN hat seinen Blogbeitrag aus dem Jahr 2017 in aller Stille geändert. Man weist darauf hin, dass man rechtmäßigen Anfragen der Behörden nachkommt. Man stellte außerdem fest, dass man die Aktivitäten der eigenen Kunden eigentlich nicht protokolliert. „Es sei denn, dies wird von einem Gericht auf angemessene und legale Weise angeordnet.“ So lautet jetzt die Ausnahme von der Regel.

NordVPN änderte Blogbeitrag klammheimlich

Die heimliche Änderung des Textes erfolgte direkt nach der Razzia von VPNLab.net. Europol hatte diese damit begründet, dass der kriminelle Anbieter die Behörden nicht unterstützt habe. Die Kollegen vom PCMag waren gestern darauf darauf aufmerksam geworden.

Wir werden rechtmäßigen Anfragen nachkommen, solange sie in Übereinstimmung mit allen Gesetzen und Vorschriften gestellt werden“, schreibt NordVPN. „Wir sind ein Unternehmen, das die Sicherheit und die Privatsphäre unserer Kunden schützt, aber wir arbeiten gemäß den Gesetzen und Vorschriften.“

Die Aussage unterscheidet sich deutlich von dem, was NordVPN in einem Blogbeitrag von 2017 schrieb, als es darum ging, wie das Unternehmen mit Durchsuchungsbefehlen und Vorladungen von Regierungsbehörden umgehen wollte. Damals hieß es, man werde keinen behördlichen Anfragen nachkommen, weil man dazu aufgrund der Gerichtsbarkeit Panamas gar nicht gezwungen sei.NordVPN protokolliert nur, wenn sie dazu angehalten werden!??

Aber die wahrscheinlich verblüffendste Änderung besteht darin, dass NordVPN jetzt zugibt, dass man sowieso die VPN-Aktivitäten der Benutzer protokollieren kann. Da nützt es wenig anzukündigen, man würde die Daten nur dann weitergeben, wenn ein Gericht dies verlange. Entweder man protokolliert die Daten oder eben nicht. Etwas dazwischen gibt es nicht. NordVPN gibt ja an, die Daten lediglich im Arbeitsspeicher vorzuhalten. Doch dann wäre eine Preisgabe nur schwerlich möglich. Was stimmt denn nun?

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In den Datenschutzrichtlinien hält man noch fest, dass man jede Anfrage sorgfältig überprüft, ob sie den Gesetzen des anfragenden Landes und auch der Richtlinien von NordVPN entspricht. Nach eigenen Angaben sind bisher keine geheimdienstlichen Anfragen, Haftbefehle oder ähnlich brisante Anfragen eingegangen. Auch behauptete man bisher, man könne gegenüber den Behörden sowieso nur sehr wenig über das Surf-Verhalten der eigenen Kunden preisgeben, weil man ja nichts mitschneidet.

Was machen die anderen Anbieter?

Nach der Schließung von VPNLab.net lässt man jetzt offenbar aus Angst vor einer Schließung ihrer eigenen VPN-Server gezwungenermaßen die Katze aus dem Sack. Die Nachricht beim PCMag dürfte sich schnell verbreiten und bei den Kunden für viel Ungemach sorgen. Wer Abnehmer eines anderen großen VPN-Anbieters ist, sollte sich besser noch einmal in Ruhe die Texte auf deren Seiten anschauen. Insbesondere wenn es um die Weitergabe von Daten geht. Vielleicht sind die anderen Unternehmen ja auch dabei, ihre Texte den aktuellen Gegebenheiten anzupassen. NordVPN wird nicht die letzte Firma sein, die einknickt, um nicht von jetzt auf gleich geschlossen zu werden. Gerüchte besagen, Surfshark habe damit begonnen, auf US-Servern das Ansteuern bestimmter Domains zu sperren.

Wer sich auf der sicheren Seite befinden möchte, sollte sich lieber einen der kleinen Anbieter aussuchen, die über eine ladungsfähige Adresse jenseits der EU-Grenzen verfügen. Und die dafür bekannt sind, mit niemandem zu kooperieren.

Tarnkappe.info


Über

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.