Amazon-Patent: Identifikation von Bitcoin-Nutzern bei Strafverfolgung

Article by · 20. April 2018 ·

Die US-Behörde „Patent und Trademark Office“ (USPTO) hat am Dienstag ein Patent von Amazon Technologies, einer Tochtergesellschaft von Amazon.com, genehmigt. Es wurde am 29. September 2014 eingereicht. Das Patent für einen Daten-Streaming-Marktplatz würde es Nutzern erlauben, Streaming-Daten-Feeds zu verkaufen oder zu abonnieren, die Informationen in Echtzeit übertragen. Es dient einer Zuordnung der Nutzerdaten bei Bitcoinzahlungen oder Transaktionen mit anderen Kryptowährungen, berichtet CCN.

Gemäß Patent will Amazon Technologies die Daten von Bitcoin- oder Nutzern anderer Kryptowährungen sammeln und sie dann an Strafverfolgungsbehörden oder die Polizei verkaufen. An die Daten würde Amazon über Kunden gelangen, die mit Kryptowährungen bezahlen und dafür eine gültige (Liefer)-Adresse angeben. Die einmal erlangten Nutzerdaten könnten dann beliebig weiter kombiniert werden, wie mit den Informationen des Internetproviders des Kunden. Strafverfolgungsbehörden könnten so an die physischen, als auch IP-Adressen von Nutzern von Kryptowährungen gelangen. Der Preis für die Nutzung des Daten-Marktplatzes würde je nach benötigter Datenmenge variieren.

Amazon ist der Meinung, der Datenmarktplatz würde eine breite Palette von Anwendungen bieten, da Benutzer individuelle Datenströme kombinieren können, um „Echtzeit-Dashboards“ zu erstellen, die auf Änderungen der Streaming-Daten in Sekundenschnelle reagieren. Sie geben als Beispiel an, dass Einzelhändler Versandinformationen mit Kryptowährungstransaktionsdaten kombinieren könnten und die nachgeschalteten Behörden den Stream abonnieren, um die Transaktionsteilnehmer zu identifizieren und sicherzustellen, dass sie alle anwendbaren Steuern auch zahlen: „Die reinen Transaktionsdaten könnten für einige vielleicht nicht viel bedeuten. Nur dann, wenn die Daten miteinander verknüpft werden, wird es interessant. Zum Beispiel könnten Elektronik- oder Internethändler, die Bitcoin akzeptieren, eine Bitcoin-Adresse zur Bezahlung [an den Kunden] weitergeben. Die Händler können den zahlenden Kunden, deren IP-Adresse und die Bitcoin-Adresse zusammenfassen und jene Information nutzen. Diese kombinierten Daten können die Händler zum Kauf oder als Abonnement anbieten, wodurch ein Data-Stream entsteht. Für Regierungsbehörden wäre eine Nutzung dieses Streams z.B. möglich, um Steuerdaten zu abonnieren […] .“

In einem anderen, verwandten Fall sieht Amazon die Anwendung des Patents auch für eine Strafverfolgungsbehörde als geeignet an, die einen Kryptowährungstransaktionsdaten-Feed abonniert. Eine Gebühr wird für die Analyse dieser Daten mittels Plattform-Analysemodul, entrichtet: „Zum Beispiel könnte eine Strafverfolgungsbehörde einen Stream abonnieren, welcher Bitcoin-Transaktionen, das Land, den Wohnsitz und IP-Daten zusammenfasst. […] Der Daten-Marktplatz könnte die gewünschten Daten ausgeben und z.B. pro GB (Gigabyte) verrechnen und die Behörde kann mit der Analyse beginnen […] .“

Inwieweit dieser Marktplatz nach den gegebenen Vorstellungen umgesetzt wird, bleibt abzuwarten. Bisher sind Transaktionen lediglich als verschlüsselte Zahlen- und Buchstandcodes hinterlegt. Amazons Vorhaben könnte diese Pseudoanonymität gänzlich aufheben.

Bildquelle: geralt, thx! (CC0 Public Domain)

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5 Comments

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    egalkarl


    geil… ausgerechnet das unternehmen dass selber alle möglichen tricks nutzt, um keine steuern zu zahlen verkauft seine kunden an den staat… :D
    sollte man eigentlich sofort boykottieren!

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    Anonymous


    wie Kryptowährungen, Ether & Co bei uns steuerlich zu behandeln sind, was befreit ist und was nicht, hat das BMF in einem Rundschreiben kürzlich klargestellt.

    https://www.winheller.com/bankrecht-finanzrecht/bitcointrading/bitcoinundsteuer.html

    https://winheller.com/blog/kryptowaehrungen-bmf-umsatzsteuerfreiheit/

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    Marek Meier


    Ich finde es genauso lächerlich. Selbst mit einem Ledger Wallet bist du schon geschützt.

    Die kriminellen „Masterminds“ sind alle schon zu Monero gewechselt, da die sicherheit dort um ein xfachen höher ist und die Transaktionskosten niedriger

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    Anonymous


    Doch, doch Björn, es muss einen Haufen Leute geben die genau so blöd sind.
    Die ganzen Darknethandelsplätze die es in letzter Zeit erwischt hat sind voll davon.
    Ansonsten sehe ich es auch so das man damit keine kriminellen Masterminds erwischen wird.
    Das mit den Steuern ist durchaus eine interessante Anwendung.

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    Björn


    Schon eine dreiste Idee von Amazon, sie funktioniert allerdings nur so lange, wie der besagte Großkriminelle für seine Darknet-Waffengeschäfte das gleiche Wallet nimmt, wie zum Turnschuhe bestellen bei Amazon. Wer sowas tut ist kein krimineller. Nun stellt sich noch die Frage, ist man bei Amazon wirklich so verblendet oder ist es kalkül? Denn schwerkriminelle wird man mit dieser Methode kaum fangen können, dafür aber Unmengen an Daten über normale Privatpersonen, die BTC nutzen. Ich denke dafür ist das Interesse viel größer, auch für den Staat aus steuerlicher Sicht


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