150 Filmemacher und Fotojournalisten fordern verschlüsselte Kameras

Article by · 22. Dezember 2016 ·

Die gemeinnützige Stiftung zur Stärkung der Presse- und der Meinungsfreiheit “Freedom of the Press Foundation” (USA) fordert gemeinsam mit 150 Filmproduzenten und Fotojournalisten Kamerahersteller in einem offenen Brief dazu auf, Verschlüsselungstechnologie in Kameras zu implementieren. Und das ist auch zwingend notwendig.

Ein verschlüsseltes Smartphone gehört für viele investigative Journalisten zur Standardausrüstung. Doch professionelle Bildaufnahmen basieren nicht auf einem schnellen Schnappschuss mit dem Smartphone, sondern auf hochwertigen Kameras. Im Fall von konfliktreichen Situationen liegen die relevanten Informationen also in der Kamera – unverschlüsselt vor.

Aufgrund dessen fordert die “Freedom of the Press Foundation” gemeinsam mit über 150 Filmproduzenten und Fotojournalisten Kamerahersteller in einem offenen Brief dazu auf, Verschlüsselungstechnologie in Kameras zu implementieren. Die Nichtregierungsorganisation aus San Francisco (USA) widmet sich seit rund fünf Jahren dem Schutz der Presse- und der Meinungsfreiheit, insbesondere in solchen Ländern, wo die von den Medien verbreiteten Inhalte von der jeweiligen Regierungen bestimmt werden. Auch der Whistleblower Edward Snowden rief per Twitter dazu auf, bei den Kameras künftig für mehr Sicherheit und Intimität zu sorgen:

 

Kein kommerzieller Herstellter verschlüsselt – mit gravierenden Folgen

Für kein Gerät der führenden Kameraherstellter, wie Sony, Nikon, Canon, Olympus oder Fuji, ist derzeit eine Geräteverschlüsselung möglich – ein Fehler mit gravierenden Folgen. Ist eine Kamera nicht verschlüsselt, könnten Polizei, Militär oder Grenzbeamte das Bild- und Videomaterial kontrollieren, verdächtige Personen identifizieren und die Geräte gegebenenfalls beschlagnahmen. Die Freedom of The Press Foundation erläutert die Hintergründe in ihrer Aufforderung an die Hersteller:

Wir arbeiten an einigen der gefährlichsten Orten der Welt, versuchen oft im Namen der Gerechtigkeit Unrecht aufzudecken. Zahllose Male und auf der ganzen Welt wurde das Bildmaterial von Filmproduzenten und Fotojournalisten von autoritären Regierungen oder Kriminellen beschlagnahmt. Weil der Inhalt ihrer Kameras nicht verschlüsselt ist oder nicht verschlüsselt werden kann, kann das Bildmaterial, sobald es einmal aufgenommen wurde, nicht geschützt werden. Das gefährdet uns, unsere Quellen und unsere Arbeit.”

Quelle: Freedoom of the Press Foundation, engadget

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4 Comments

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    TeeB

    Aha. Und wenn alles verschlüsselt ist wird nichts beschlagnahmt?

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      Doch schon, das auch. Aber was bringt die Beschlagnahmung, wenn man damit nichts anfangen kann? Das würde die fotografierten Personen zumindest vor negativen Konsequenzen bewahren.

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        Muxel

        Ja und Nein. Die Konsequenzen sind trotzdem da, ob das Bildmaterial nun sichtbar ist oder nicht.
        Denn wenn die Behörden nicht an die Inhalte kommen, wird das Ding eben dauerhaft beschlagnahmt. Bei professionellen Kameras sind wir dann schnell beim Preis eines Neuwagens. Viele dürfte das zumindest “out of business” kicken, somit auch ein unmittelbarer Erfolg für die Behörden.
        Und die angefertigten Bilder, die ggf. Unrecht dokumentiert haben, sind damit auch weg. Also auch hier voller Erfolg für die entsprechenden Behörden. Und ob das in sog. Schurkenstaaten überhaupt etwas nützt, sei mal dahingestellt. Dann wird eben gefoltert, bis der Zugang auf das Gerät freigegeben wird.
        Idee gut, aber in einem immer weniger demokratischen Staat, auch in Deutschland, dürfte das nicht viel helfen.

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    ugurano

    dieses mal stimme ich zu, Verschlüsselung auf Kameras


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