10 Jahre WikiLeaks: Julian Assange zieht Bilanz

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Am kommenden Dienstag, dem 04. Oktober 2016, wird WikiLeaks 10 Jahre. Ein guter Grund für Julian Assange zurückzublicken und Bilanz zu ziehen. In einem Interview mit DER SPIEGEL äußerte sich Assange auch zu Vorwürfen, die WikiLeaks jüngst zur Last gelegt wurden.

Gegründet wurde WikiLeaks 2006: es sei „im Kern ein Projekt von digitalen Politaktivisten aus westlichen Demokratien“ gewesen. Die Gründer sind laut WikiLeaks-Website anonym. Julian Assange war Initiator und die treibende Kraft in einer Gruppe von fünf Personen und diversen Unterstützern beim Beginn des Projekts und der Registrierung der Domains wikileaks.org, wikileaks.cn und wikileaks.info am 4. Oktober 2006.


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Der Kerngedanke von WikiLeaks ist die Idee des freien Zugangs zu Informationen, die öffentliche Angelegenheiten betreffen. Es ist eine Enthüllungsplattform, auf der Dokumente anonym veröffentlicht werden (Whistleblowing), die durch Geheimhaltung als Verschlusssache, Vertraulichkeit, Zensur oder auf sonstige Weise in ihrer Zugänglichkeit beschränkt sind. WikiLeaks setzt dabei ein grundsätzliches öffentliches Interesse an den Informationen voraus.

Assange nahm in dem Interview mit DER SPIEGEL auch Stellung zu aktuellen Themen. So hat er Kritik der amerikanischen Demokraten und anderer an der Veröffentlichungspraxis seiner Organisation zurückgewiesen. „Wir werden nicht damit anfangen, unsere Veröffentlichungen einer Selbstzensur zu unterwerfen, nur weil in den USA Wahlen bevorstehen. Unsere Aufgabe ist es zu veröffentlichen.“, sagte Assange dem Spiegel.

Wikileaks hatte im amerikanischen Vorwahlkampf Tausende E-Mails der amerikanischen Demokraten ins Netz gestellt. Parteimitarbeiter warfen der Enthüllungsplattform daraufhin vor, sie ließen sich von russischen Quellen dazu instrumentalisieren, den Ausgang der amerikanischen Wahl zu beeinflussen und damit dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump zu helfen.

Assange meinte dazu, diese und andere Kritik sei Teil einer „Desinformationskampagne“ mächtiger Gegner: Die Kriterien für die Veröffentlichungen seien aber öffentlich und unverändert: „Wenn eine Quelle uns Material überlässt, das von politischer, diplomatischer, historischer oder ethischer Bedeutung ist und das noch nicht veröffentlicht wurde, dann machen wir es publik.“ Wikileaks werde aber weiterhin keine Quellen nennen und kenne sie meist auch nicht.

Dabei lassen sie sich auch von Rückschlägen nicht einschüchtern und obwohl Chelsea Manning zu 35 Jahren Gefängnis verurteilt wurde, Edward Snowden in Russland festsitzt und Assange selbst in der ecuadorianischen Botschaft in London gestrandet ist, so sieht Assange dennoch die positiven Aspekte: „Wir sollten nicht die Lage von Edward Snowden mit der von Chelsea Manning vergleichen oder dem Hacker Jeremy Hammond, der auch in den USA inhaftiert ist. Nicht zuletzt dank der harten Arbeit von WikiLeaks bekam Snowden in Russland politisches Asyl. Er hat Reisedokumente, er lebt mit seiner Freundin zusammen, geht zu Ballettvorführungen und verdient ordentliche Honorare für Reden. Edward Snowden ist im Wesentlichen frei und glücklich. Das ist kein Zufall. Es war meine Strategie, der einschüchternden Wirkung der 35 Jahre Gefängnis für Chelsea Manning etwas entgegenzusetzen. Und es hat funktioniert.“

Gefragt nach den bislang wichtigsten Veröffentlichungen von WikiLeaks, antwortete er: „Das Wichtigste war, dass wir überhaupt so viele Dokumente publik machen konnten. Inhaltlich am bedeutendsten waren wohl die diplomatischen Depeschen der US-Regierung.“

Fazit:

WikiLeaks hat in zehn Jahren über zehn Millionen Dokumente veröffentlicht: „Die Angriffe machen uns nur härter“

Zum bevorstehenden zehnten Jahrestag der Gründung von Wikileaks am 4. Oktober 2006 zog Assange eine positive Bilanz: Seine Plattform könne weiterhin gut arbeiten, obwohl er seit über vier Jahren in der ecuadorianischen Botschaft in London festsitze und die britische Justiz ihn verhaften und zu einer Zeugenvernehmung nach Schweden ausliefern lassen will: „Während viele etablierte Medien Verluste machen oder sogar pleitegehen, hat WikiLeaks eine wirtschaftliche Blockade von Banken, Kreditkartenfirmen und PayPal überlebt, die von politischen Elementen in den USA initiiert wurde. Trotz dieser Blockade wächst WikiLeaks. Wir haben keine Schulden, und wir mussten niemanden von unseren Mitarbeitern entlassen. Wir mussten keine einzige unserer Publikationen zensieren. Wir haben keinen Rechtsstreit verloren, bei dem es um von uns veröffentlichte Dokumente ging. Die Angriffe machen uns nur härter. Wir sind jetzt zehn Jahre alt. Warten Sie ab, bis wir mal Teenager sind.“, äußerte er optimistisch dem Spiegel.

Auch wenn sie großem Druck ausgesetzt sind, so werden sie doch genau so weitermachen: „Wir glauben an das, was wir tun. Es ist sehr befriedigend. Es ist intellektuell sehr interessant. Manchmal ergeben sich große Momente von Gerechtigkeit. In einem Fall kam ein falsch angeschuldigter Mann aus dem Gefängnis frei, dank einer Veröffentlichung von uns. Und noch eines: Viele Leute, die für WikiLeaks arbeiten, haben einen ähnlichen Instinkt, wie ich ihn habe: Wenn wir unter Druck gesetzt werden, wehren wir uns.“, war Assanges Schlussaussage beim Interview.

Grafik: Surian Soosay, thx! (CC BY 2.0)

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