Grafik: Surian Soosay, thx! (CC BY 2.0)

WikiLeaks sucht Video von Krankenhaus-Angriff in Kundus

WikiLeaks sucht derzeit Informationen und vor allem Videos, die Details über den US-Angriff auf ein Krankenhaus in Kundus offen legen. Dafür wollen die Aktivisten dem Whistleblower sogar eine Belohnung zahlen.

Grafik: Surian Soosay, thx! (CC BY 2.0)

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Angriff auf Krankenhaus schockiert die Öffentlichkeit

Die US-Armee hat – angeblich aufgrund fehlerhafter Informationen der afghanischen Streitkräfte – ein Krankenhaus der Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ (französisch: Médecins Sans Frontiers, häufig als MSF abgekürzt) bombardiert. Dabei gab es zahlreiche 22 Tote (medizinisches Personal und Patienten) und eine Reihe von Verletzten. Zudem ist das Krankenhaus, das als einziges in der Region auch schwer Verwundete angemessen behandeln konnte, schwer beschädigt und derzeit unbrauchbar.

Die Öffentlichkeit ist über den Vorfall schockiert und empört. Schließlich sah sich sogar US-Präsident Barack Obama gezwungen, sich persönlich für den Vorfall zu entschuldigen. Ärzte ohne Grenzen bezeichnet den Angriff als Kriegsverbrechen und fordert eine eine zügige und umfassende Aufklärung.

Wie es zu der Bombardierung kam, ist unklar. In der Nähe des Krankenhauses befinden sich keine taktisch bedeutsamen Gebäude. Zudem wurden die GPS-Koordinaten des Krankenhauses nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen bei der US-Armee hinterlegt.

WikiLeaks will interne Videos

Die Aufklärung erleichtern und transparenter machen will offenbar auch die Whistleblowing-Plattform WikiLeaks. Das Krankenhaus sei wiederholt von einem Flugzeug des Typs Lockheed AC-130 bombardiert worden, schreiben die WikiLeaks-Aktivisten. In dieser Art Flugzeug stünden hochauflösende Kameras an den Geschützen zur Verfügung, die die Bombardierung aufgezeichnet haben sollten. Diese Videos sollten, so sieht es die Militärvorschrift vor, zusammen mit Audio-Aufzeichnungen des Funkverkehrs archiviert worden sein. Zudem, so WikiLeaks, sollte es einen Einsatzbericht geben. Diese und andere relevante Dokumentation möchte WikiLeaks gerne bekommen und veröffentlichen. Sie vergleicht dies mit seinem 2010 bekannt gewordenen Video „Collateral Murder„, das einen US-Luftschlag, bei dem unter anderem zwei Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters getötet und zwei Kinder verletzt wurden, zeigte.

50.000 US-Dollar Belohnung

WikiLeaks hat die Dokumentation des Kundus-Luftangriffs nun auf seine „Most Wanted“-Seite gesetzt. Das bedeutet nicht nur, dass die Aktivisten die Information für besonders relevant halten. Sie haben sogar eine Belohnung für den Whistleblower ausgesetzt, der ihnen diese zukommen lässt. 50.000 US-Dollar (rund 44.000 Euro) wollen die Aktivisten unter denjenigen verteilen, die „das Video, die Audio-Aufzeichnung der Cockpit-Gespräche, den Untersuchungsbericht und andere relevante Materialien wie etwa die zu diesem Zeitpunkt gültigen Rules of Engagement“ leaken. Die Belohnung soll per Crowdfunding finanziert werden. Derzeit sind schon knappe 4000 US-Dollar zusammengekommen.

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2 Kommentare

  1. TheOneWhoMightHaveBeen sagt:

    Und was passiert, wenn jetzt jemand ein anderes Krankenhaus angreift, nur um das Filmen zu können?

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