Wegen Videos auf Weibo: Kurierfahrer Chen Guojiang im Gefängnis

Chen Guojiang ist ein Kurierfahrer aus China, der sich im Internet für Arbeitnehmerrechte einsetzt. Jetzt sitzt der Aktivist im Gefängnis.

Bildquelle: Pilger

Chinas bekanntester Kurierfahrer, Chen Guojiang, wird seit dem 25. Februar im Pekinger Haftzentrum des Bezirks Chaoyang festgehalten. Der Aktivist prangert die ausbeuterischen Arbeitsbedingungen in der Branche an und hat im Internet inzwischen eine große Anhängerschaft.

Chen Guojiang rief zum Boykott auf

Der populäre Social-Media-Aktivist hatte häufig über die prekären Arbeitsbedingungen von Essenszustellern in chinesischen Städten gepostet. Sein bevorzugtes Medium war dabei der Mikroblogging-Dienst Weibo, auf dem er zahlreiche Videos und Beiträge veröffentlichte. In diesen kritisierte er die großen Lebensmittel-Lieferplattformen für die Unterdrückung von Arbeitern und die Verletzung von Gesetzen und Vorschriften. Chen setzt sich für eine gerechte Bezahlung der Kurierfahrer ein, die in Chinas Millionenmetropolen auf Scootern unterwegs sind, um Kunden beispielsweise ihren Kaffee und ihr Mittagessen ins Büro zu bringen. Kürzlich rief er seine Kollegen sogar dazu auf, Unternehmen zu boykottieren, die einen Teil des Bonusgeldes für Arbeiter einbehielten, die während der Zeit des chinesischen Neujahrs die hohe Nachfrage nicht stemmen konnten.

Missstände in der Gig-Economy

Seine Kritik richtet sich hauptsächlich an Regierungsbehörden, die bei der Regulierung der Gig-Economy die Verantwortung abwälzen und untätig bleiben. Mitte März informierten die chinesischen Behörden Chens Familie darüber, dass er beschuldigt wird, „Streit zu suchen und Ärger zu provozieren“. Aufmerksam machte darauf nun die in Hongkong ansässige Nichtregierungsorganisation China Labour Bulletin, die immer wieder über ähnliche Fälle informiert. Laut der NGO hat Chen zumindest ein umfangreiches Netzwerk von Unterstützern in der Hinterhand. So hat seine Familie nach einem Online-Aufruf innerhalb von zehn Stunden 120.000 Yuan (rund 15.000 Euro) für Rechtshilfe gesammelt.

Foxconn, Apple

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Bei der Diskussion um Rechte von Angestellten geht es dann auch um die umstrittene „996-Arbeitskultur“. Das ist ein Arbeitsstunden-System, das in einigen chinesischen Unternehmen üblich ist. Mitarbeiter müssen in diesem Arbeitsplan von 9 bis 21 Uhr an sechs Tagen in der Woche arbeiten, also 72 Stunden pro Woche. Chen ist der jüngste in einer langen Reihe von Arbeitnehmeraktivisten, die sich für ihre Rechte einsetzen und dafür inhaftiert wurden.

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Student und schon lange im Journalismus unterwegs. In der Vergangenheit Mitarbeiter für eine Vielzahl von klassischen Printzeitungen und Newsportalen. Erst für Lokalredaktionen, dann Sport und Gaming, seit Anfang 2020 im Dienst für die Tarnkappe. Abseits davon bin ich vor allem interessiert an Geopolitik, Geschichte und Literatur.