Cyberbunker

Wegen Beihilfe: Cyberbunker-Betreiber unter Anklage

Im September vergangenen Jahres gelang es Fahndern, als Ergebnis von fast fünfjähriger Ermittlungsarbeit, den Cyberbunker, der als „Bulletproof-Hoster“ galt, in Traben-Trarbach auszuheben. Bereits heute erhob die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz Anklage gegen acht Tatverdächtige. Vorgeworfen wird der Betreiber-Bande das Bilden einer kriminellen Vereinigung und Beihilfe zur Verbreitung von Drogen, Falschgeld und Kinderpornografie, berichtet die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz in einer Pressemitteilung.

Cyberbunker: Schaltstelle von Darknet-Geschäften

Das Rechenzentrum war gemäß den Ermittlungen die Schaltstelle, über die Kriminelle aus der ganzen Welt millionenschwere illegale Darknet-Geschäfte abgewickelt haben. Jürgen Brauer, Leiter der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz, gibt an, über die Server sollen über eine halbe Million Fälle von Drogenhandel, Datenhehlerei in gut 500 Fällen, Falschgeld-Deals, Verbreitung von Kinderpornos sowie Computersabotage in mehr als einer Million Fälle, Mordaufträge und Cyberangriffe gelaufen sein.

Zwar hätten die Angeschuldigten die Taten nicht selbst begangen, hätten sie jedoch durch die Server-Bereitstellung „maßgeblich unterstützt und gefördert“, führt Brauer an. Zudem wären ihnen die besonderen Aktivitäten bekannt gewesen. Immerhin warb der Cyberbunker damit, mit höchsten Sicherheitsstandards kriminelle Kunden vor dem Zugriff staatlicher Organe zu bewahren. Somit lautet die Anklage auf Beihilfe.


Umfangreiche Datenauswertung dauert noch an

Republik Cyberbunker 2.0Kriminalhauptkommissar Patrick Fata vom Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz informierte darüber, dass man beim Zugriff die ungeheuere Datenmenge von zwei Millionen Gigabyte unter anderem auf 886 physischen und virtuellen Servern sichergestellt hat. Er demonstriert: „Auf CD gebrannt wären das 2,6 Millionen CDs, die aufeinander gestapelt eine Höhe von 8000 Meter ergäben“. Oberstaatsanwalt Jörg Angerer teilt mit: „Die eigentliche Auswertung der Server-Inhalte fängt jetzt erst an.“

Fakt ist jedoch, dass es drei physische und 31 virtuelle Server gibt, die durch ihre Verschlüsselung nicht für die Ermitteler zugänglich sind. Für die „zeitintensive Auswertung“ hat man beim LKA Rheinland-Pfalz extra eine 20-köpfige Soko mit Namen „Lux“ ins Leben gerufen. Gemäß Generalstaatsanwaltschaft hätten die Ermitteler bisher allerdings bei der Server-Auswertung noch keine einzige legale Webseite oder legalen Service gefunden. Bis die Auswertung abgeschlossen ist, könnte es noch mindestens ein Jahr dauern.

Cyberbunker als Zentrum zahlreicher illegaler Aktivitäten

Auf Cyberbunker gehostet wurde u.a. der Darknet-Marktplatz „Wall Street Market“, den Ermittler im Frühjahr 2019 vom Netz nahmen. Er galt nach dem Ausscheiden vom Dream Market als weltweit zweitgrößter Darknet-Marketplace überhaupt. Verkäufer haben dort den 1.150.000 Kunden über 630.000 Waren, wie Drogen, gefälschte Dokumente und Virensoftware, bzw. Dienstleistungen zum Kauf angeboten, die zugleich begehrt und illegal sind.

Neben den Angriffen auf 1,25 Millionen Telekom-Router Ende November 2016 seien noch zahlreiche andere illegale Geschäfte über das Rechenzentrum abgewickelt worden. So zählten zum festen Kundenstamm Darknet-Markets, wie Cannabis Road, das Untergrund-Forum Fraudsters sowie die Plattformen Flugsvamp 2.0, orangechemicals, acechemstore und lifestylepharma.

Zudem stellte das LKA Rheinland-Pfalz auf den Servern der Angeschuldigten eine Auflistung von 6.581 Darknet-Webseiten fest. Bei diesen verlinkten Seiten handelte es sich um betrügerische Bitcoin-Lotterien, Darknet-Marktplätze für Betäubungsmittel, Waffen, Falschgeld, Mordaufträge und Kinderpornographie.

Es sei damit zu rechnen, dass gegen die Seiten-Betreiber noch Verfahren eingeleitet werden. Allerdings werde die Koblenzer Behörde diese nur teilweise selbst führen: „Wir werden aber auch andere Staatsanwaltschaften und Zentralstellen der Bundesrepublik um Hilfe bitten, weil wir von der Vielzahl der Verfahren überfordert wären.

Acht Angeklagte sehen einer Verhandlung entgegen

cyberbunker 2.0Als Hauptakteur im Cyberbunker-Fall gilt der 60-jährige Niederländer Sven Olav Von K., der den Cyberbunker Ende 2013 von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) über eine Stiftung erworben hatte, gleich nach dem Abzug des Militärs. Er traf auch alle geschäftlichen Entscheidungen. Ein Niederländer soll als Manager tätig gewesen sein. Eine deutsche Tatverdächtige war für die Buchhaltung und die Kontrolle des Zahlungsverkehrs mit den Kunden zuständig. Zudem angeklagt sind weiterhin zwei Niederländer, zwei Deutsche und ein Bulgare im Alter von 20 bis 60 Jahren.

Diese Team-Mitglieder sorgten für die Abwicklung der Kundenaufträge in technischer Hinsicht und hielten die IT-Infrastruktur am Laufen. Einer der acht hat mit „umfangreiche Angaben“, die sich mit den bis dato durchgeführten Ermittlungen decken, zur Aufklärung beigetragen. Die Anklage hat man zur Jugendkammer des Landgerichts Trier erhoben, da zwei der Angeschuldigten zur Tatzeit noch Heranwachsende waren. Ein Prozess-Termin steht noch nicht fest.

Gerüchten zufolge soll der Cyberbunker 3.0 schon längst online sein.

Tarnkappe.info