Uralt und dennoch immer wieder wirkungsvoll: der Enkeltrick

Ihr spontane Hilfsbereitschaft hat eine 78-jährige alte Frau 20 000 Euro gekostet. Sie ist auf einen "Enkeltrick" hereingefallen.

Enkeltrick

Mittlerweile ist der Enkeltrick schon 20 Jahre alt, dennoch fallen, trotz ständiger Aufklärung stets wieder erneut, meist ältere Personen, darauf herein. Das aktuelle Opfer, eine 78 jährige Frau, wohnhaft im Halberstädter Ortsteil Aspenstedt in Sachsen-Anhalt, wurde durch diese üble Masche erst gestern um 20.000 Euro erleichtert, laut Pressemitteilung der Polizei Sachsen-Anhalt.

Dabei ist die Vorgehensweise immer wieder die gleiche: Die Betrüger suchen in Telefonbüchern nach alten Vornamen und rufen ihre potentiellen Opfer an. Sie arbeiten nur im Team, wobei jeder eine fest zugeschriebene Rolle hat. Der Anrufer kommt zumeist aus Polen, spricht akzentfrei deutsch und erweckt so keinen Verdacht. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn das heimische Telefon klingelt und am anderen Ende der Leitung die Worte zu hören sind: „Hallo, ich bin’s. Rate mal, wer hier ist!“, so ist aus einer ZDFinfo Doku zu entnehmen.


Damit ist der erste Schritt getan. Ist der Kontakt erst einmal geknüpft und die Zielperson überzeugt, tritt mittels Information durch den Anrufer der Logistiker auf den Plan. Er hat die Aufgabe, das Opfer auszuspähen. Er holt solche Informationen über das Umfeld des Opfers ein, wie, wo wohnt der zu Schädigende, wo befindet sich die nächste Bank. In Phase drei wird dann das Abholer-Team aktiviert und instruiert. Das besteht aus einem Fahrer, einem Observanten, der das Gelände beobachtet und gegebenenfalls Alarm schlägt, und dem eigentlichen Abholer. Dieser gibt sich als Vertrauensperson des Opfers aus. Er nimmt die vereinbarte Summe in Empfang, um mit ihr auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden.

In dem aktuellen Fall gab sich bei einer 78-jährigen Frau aus Aspenstedt eine Anruferin als Enkelin der alten Dame aus. Natürlich, wie kann es auch anders sein, benötigte sie dringend Geld. Dieses Mal wurde es gebraucht für die Ersteigerung eines Wohnwagens. Die dafür veranschlagte Summe: 20.000 Euro. Und „rein zufällig“ kam auch der Zeitdruck ins Spiel, denn bei einer Ersteigerung könnte ja das Fahrzeug auch ganz schnell von jemandem anderes erworben werden. Die Rentnerin fiel darauf herein. Sie fuhr mit einem Taxi zur Bank, holte die vereinbarte Summe, übergab sie an den Abholer – und ward das Geld für immer los. Erst die Tochter der Seniorin wurde wenig später auf die zweifelhafte Geldübergabe aufmerksam und ging mit ihrer Mutter zur Polizei. Im Nachhinein wurde ermittelt, dass die Telefonnummer der Anruferin eine ausländische Vorwahl hatte und demzufolge auch nicht zurückverfolgbar wäre.

Ein abschließender Aufruf der Polizei ist ein erneuter Versuch, weitere, ähnliche Taten zu verhindern. Die Polizei bittet darum, „dass Angehörige ihre älteren Verwandten für dieses Thema sensibilisieren. Auch Mitteilungen von Bankangestellten, die bei Auszahlungen solch hoher Summen an ältere Mitbürger Verdacht schöpfen, nimmt die Polizei jederzeit entgegen.“

Hier nur eines von zahlreichen Beispielen:

Bildquelle: Jhonatan_Perez, thx! (CC0 Public Domain)

Ich bin bereits seit Januar 2016 Tarnkappen-Autor. Eingestiegen bin ich zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibe ich bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, greife aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Meine Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.