Unter dem Radar: Der satirische Monatsrückblick (Dezember/2017)

Article by · 27. Dezember 2017 ·

Der Dezember – ein Monat voller Harmonie und Besinnlichkeit, so dachten wir zumindest. Was wir allerdings stattdessen zu sehen bekamen, war eher ein so kapitaler Verkehrsunfall, als habe der Weihnachtsmann die Steuerung seines Schlittens an ein betrunkenes Rentier delegiert. Lest die Details des Unfallhergangs in unserem Monatsrückblick.

Türchen-Thomas und der Fernseher des Grauens

Wo wir gerade beim Schlitten sind – diesen würde unser Bundesinnenminister, Thomas de Maizière, nur zu gerne überwachen. Geschieht dem Weihnachtsmann nur recht, er weiß schließlich auch immer, was wir gerade tun und ob wir schön artig sind. Neben Santas heißem Gefährt möchte der Innenminister auch Autos, Computer, Smart-TVs und alle möglichen anderen, an das „Internet der Dinge“ angeschlossenen Geräte überwachen. Sie alle sollen demnächst Software-Hintertüren für Staatstrojaner eingebaut bekommen. Anscheinend hat Herrn de Maizière das Türchen-Öffnen an seinem Adventskalender so gut gefallen, dass er unbedingt das ganze Jahr damit weiter machen möchte, und sei es bei der Firmware von Nachbars neuem 50-Zoll-TV.

Adventskalender - Terror-Thomas wäre besser bei der klassischen Version geblieben

Adventskalender – Terror-Thomas wäre besser bei der klassischen Version geblieben

Die Idee ist typisch brillant. Ein für die öffentliche Sicherheit, sagen wir, nicht ganz unwichtiges Gerät wie ein Auto, auf dem eine dilettantische, lückenhafte Schadsoftware made by German Staats-supercyberbeauftragte, installiert wird – was könnte schiefgehen? Wenn sich diese Pläne durchsetzen, haben zumindest Europas Online-Kriminelle demnächst eine üppige Bescherung.

Die Gefahr lauert in der Packstation

Ebenfalls ein großes Thema rund um Weihnachten 2017: der Versandhandel. Wer sich nicht darauf verlassen will, dass der Weihnachtsmann – oder dessen Rentier – den Weg zu seinen Lieben findet, bestellt die Geschenke gerne online. Klingt harmlos, oder? Ist es aber nicht, wenn man wiederum Herrn de Maizière glaubt. Der Gute fühlt sich offenbar nicht nur von Autos und Fernsehern bedroht, sondern ganz besonders von Menschen, die Pakete aus DHL-Packstationen holen. Der Abwechslung halber sollen diese Packstationen aber keine Software-Backdoors bekommen, sondern flächendeckend videoüberwacht werden.

Was der Minister dabei zu sehen glaubt, bleibt wohl sein Geheimnis. Den in Schlangenlinien anfliegenden, rotnasigen Rudolph, der sich die Beschaffung der Geschenke erleichtert? Gelangweilte sexy Hausfrauen in knapper Unterwäsche? Böse Kommunisten bei der Umverteilung von… irgendwas? Extremistische Cybers? Notfalls egal, Hauptsache Videoüberwachung, ist wohl die typische Logik von Herrn de Maizière und seiner Partei…

Selbst ist der Weihnachtsmann

Enttäuscht von den Weihnachtsgeschenken? Wieder nur einen hässlichen Schlafanzug von Tante Frieda bekommen? Da hilft nur eins – sich demnächst die passenden Geschenke selbst machen. Das dachte sich wohl auch eine US-amerikanische Hackergruppe und bescherte sich kurzerhand mit 10 Millionen US-Dollar aus dem Fundus diverser Banken selbst. Das sah bestimmt beeindruckend unter dem Weihnachtsbaum aus. Bonuspunkte gibt es für den kreativen Namen „MoneyTaker“. Nach dieser Logik heißt unsere Bahn-Gesellschaft zukünftig „LateComer“ und die nächste politische Partei, die in Deutschland gegründet wird, bestimmt „LyingPowerTaker“ – was in seiner Ehrlichkeit fast schon wieder sympathisch wäre. Über die Wählbarkeit besagter Partei ließe sich vermutlich eher streiten, aber in Zeiten von UKIP und Donald Trump ist diese Maßeinheit sowieso eine sehr subjektive…

Guten Rutsch – möglichst unfallfrei

Feuerwerk - einen guten Rutsch an die Leserschaft!

Feuerwerk – einen guten Rutsch an die Leserschaft!

Wie ihr seht, gab es im Dezember durchaus noch anderes zu tun, als Geschenke zu kaufen (mit oder ohne Packstation), über Weihnachtsmärkte zu bummeln oder zuhause mit Tee und Plätzchen vor dem Kamin zu sitzen. Auch die Beobachtung des alltäglichen Wahnsinns dort draußen, von Verkehrsunfall-Rudi bis Paranoia-Thomas, vermochte zu erheitern und die langen, dunklen Abende zu verkürzen. Es bleibt zu hoffen, dass ihr weder von einem verirrten Schlitten angefahren noch beim Paket-Abholen festgenommen wurdet und sich auch die Geschenke durchweg erfreulich gestalteten. Ansonsten wisst ihr ja im nächsten Jahr, was zu tun ist.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern bei dieser Gelegenheit einen guten Rutsch. Kommt gesund und fröhlich, möglichst auch ohne unerfreuliche Begegnungen mit Rentieren und Cybers, ins neue Jahr. Wir lesen uns dann 2018 in alter Frische wieder. Ich bin sicher, dass uns die Themen für den satirischen Monatsrückblick nicht ausgehen werden.

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