Telegram: russischer Verlag fordert Anti-Piraterie-System

Ein Verlag will Telegram wegen Urheberrechtsverstößen belangen. Der Messenger habe nicht adäquat auf entsprechende Hinweise reagiert.

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Bildquelle: Christian Wiediger

Der größte russische Verlag Eksmo-AST hat nicht nur eine Klage wegen Urheberrechtsverletzung gegen Telegram eingereicht, sondern will wohl auch eine Fingerprinting-Technologie in Pavel Durovs Messenger erwirken.

Telegram wird für raubkopierte Inhalte benutzt

Telegram wird von einigen Usern auch als Möglichkeit genutzt, um auf raubkopierte Inhalte zuzugreifen. Infolgedessen kritisierten die Recording Industry Association of America (RIAA) und die Motion Picture Association (MPA) in der Vergangenheit den Messenger-Service, der auch auf der Piraterie-Beobachtungsliste der EU steht. Es gab außerdem bereits zahlreiche Aufforderungen, raubkopierte Inhalte zu blockieren.

Eksmo-AST ist derweil ebenfalls für seine hartnäckige Anti-Piraterie-Arbeit bekannt und mischte auch bei der permanenten ISP-Sperre der Torrent-Website RuTracker mit. Das Unternehmen hat es aber zudem auf ganz andere Größen abgesehen. Denn auch YouTube und Google nahm der Verlag ins Visier. Am 20. Juli reichte Eksmo-AST zwei Klagen gegen Telegram ein, wie der P2P-Blog TorrentFreak berichtet. Sie behaupteten, die Messenger-Plattform habe es versäumt, rechtsverletzende Inhalte zu löschen.

Nach Angaben der Zeitung Kommersant hat das Moskauer Stadtgericht eine einstweilige Verfügung erlassen. Das bedeutet, dass Bücher wie 11/22/63 von Stephen King und Metro 2033 von Dmitry Glukhovsky auf Anordnung der Telekommunikationsaufsichtsbehörde Roscomnadzor von Internetanbietern gesperrt werden können. Telegram hatte allerdings seit 2019 viele Inhalte als Reaktion auf Beschwerden von Verlagen bereits entfernt, darunter 52.000 raubkopierte Bücher und 31 Kanäle.

Pavel Durov tut offenbar nicht genug

Trotz dieser Bemühungen haben nicht alle Beschwerden eine entsprechende Reaktion von Telegram zur Folge. Ziel sei es deshalb, eine kritische Masse an Gerichtsentscheidungen gegen Telegram zu erreichen, damit das Unternehmen mit den russischen Gesetzen für wiederholte Rechtsverletzungen in Konflikt gerät. Dies könnte bedeuten, dass die Internetanbieter des Landes Telegram zukünftig vollständig blockieren.

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Die Sperrung ist aber nicht das Hauptziel der rechtlichen Schritte. Stattdessen hofft man, dass Telegram, ähnlich wie vKontakte, eine Fingerprinting-Technologie installiert. Diese ermöglicht es den Herausgebern, rechtsverletzende Inhalte automatisch zu löschen. Man forderte den Messenger-Dienst bereits früher dazu auf, ein solches System zu implementieren.

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