SimpleKoin im Interview: Bitcoins per Kreditkarte

Article by · 15. Februar 2017 ·

Beim Online-Dienstleister SimpleKoin (bzw. WeMoveCoins.com) lässt man die eigene Kreditkarte belasten, um den Betrag abzüglich der 6,9% Kommission in einem eigenen Wallet als Bitcoin ausgezahlt zu bekommen. Wir sind kürzlich über dieses interessante Projekt der Kopenhagener WMC Financial Services APS gestolpert und haben den Betreibern dazu spontan ein paar Fragen gestellt.

Eines ist schon mal klar: Weder der Dienstleister WeMoveCoins.com noch SimpleKoin ist für Fraud oder illegale Geschäfte jeglicher Art geeignet. Die Nutzer dürfen keine Kreditkarten Dritter angeben – auch nicht bei Prepaid-Kreditkarten. Im Bedarfsfall muss man sich per Ausweis-Scan beim Anbieter identifizieren. Bitcoins innerhalb von 12 Stunden in einem eigenen Wallet (digitale Brieftasche), indem man den Betrag von der eigenen Kreditkarte abbuchen lässt? Für uns war diese Idee ganz neu.

Nachdem wir bei Szenebox.org über einen entsprechenden Werbe-Thread gestolpert sind und Kontakt zu den Machern aufgenommen haben, haben wir diesen spontan ein paar Fragen zu ihrem Projekt gestellt. Der Gründer von simplekoin hat sich schon früh mit dem Thema virtuelle Währungen im Allgemeinen und Bitcoin im Besonderen beschäftigt. „Dabei wurde ihm klar, dass die Nachfrage dahingehend besteht Bitcoins einfach und schnell per Kreditkarte zu erwerben ohne sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt zu haben oder sich bei einer Exchange zu registrieren. Daraufhin gründete er einen Vorgänger des jetzigen Modells, welches schnell viel Anklang fand. Vor allem Gamer, die sich Skins oder ähnliches per Bitcoin kaufen wollten, aber weniger Interesse am Bitcoin selbst haben, waren Kunden in den ersten Tagen.“ Mit dem Vorgänger ist das besagte Projekt WeMoveCoins.com gemeint.

Trotz oder gerade wegen der Finanzkrise: „Wir glauben an die Zukunft von Bitcoin und anderen Crypocurrencies.“

SimpleKoin bitcoins für alleWir sind im Team ideologisch motiviert und glauben an die Zukunft von Bitcoin und anderen Crypocurrencies. Teile unseres Teams waren bereits während der Finanzkrise 2008 Teil von Bewegungen die sich mit Alternativen zum bestehen Finanzsystem auseinander gesetzt haben. Crypocurrencies und Dezentralisierungsansätze waren hier natürlich ein heißes Thema.

Andererseits reizt uns auch die Technologie und die Möglichkeiten die mit Bitcoin und der Blockchain-Technologie im Allgemeinen verbunden sind.“ Tarnkappe.info hat ja bereits im Januar darüber berichtet, wie chinesische Anleger zum Jahreswechsel versucht haben, Kursschwankungen ihrer eigenen Währung durch den massiven Ankauf von virtuellen Währungen abzufedern. Dies mündete in einem Bitcoin-Rekordwert, die Pekinger Regierung war von der Abkehr ihrer landeseigenen Währung wenig begeistert. Allerorts werden Bemühungen von verschiedenen Regierungen unternommen, die Nutzung von digitalen Währungen einzuschränken oder sogar komplett zu verbieten. Von staatlicher Seite befürchtet man die Oberhand über die Geldflüsse eines Tages gänzlich zu verlieren, weil Behörden virtuelle Währungen schlichtweg nicht kontrollieren können. US-Gerichte hatten in der Vergangenheit schon darüber zu entscheiden, ob damit eine Währung und somit Geldwäsche vorlag – oder eben nicht.

Thema Missbrauch: Der Thread in der Szenebox war ein guter Test für die eigenen Anti-Fraud-Mechanismen

SimpleKoin bitcoinTarnkappe.info: Wie viele neue Anmeldungen beinhalten gefälschte Ausweispapiere bzw. Pässe? Wie hoch ist der Anteil in etwa? Was passiert dann?

Simplekoin: In unserem Bestellprozess werden nicht zwingend Ausweispapiere abgefragt. Wir prüfen zunächst die vom Kunden eingegebenen Daten auf Konsistenz. So können wir schon den Großteil der Fraud-Bestellungen ablehnen. Haben wir Zweifel an einer Bestellung, verlangen wir eine Identifikation mit Ausweis und ID-Selfie und fragen bei Bedarf weitere Anti-Fraud Mechanismen ab.

Tarnkappe.info: Wenn ihr aber doch keine falschen eingescannten Ausweise haben wollt, wieso dann der Werbethread in der Szenebox etc.?

Simplekoin: Uns war bewusst, dass wir über diese Kanäle viele Fraud-Anfragen erhalten werden. Ein guter Test für unser System.

SimpleKoin: „Die Anonymität der Nutzer ist nicht unser Ziel.“

wemovecoins.com logoTarnkappe.info: Da ich mich bei der Anmeldung überprüfen lassen muss, sind die gekauften Bitcoin denn dann anonym? Oder muss ich sie zunächst mixen lassen, was weitere Kosten nach sich zieht?

SimpleKoin: Unser Ziel ist es nicht Bitcoins anonym anzubieten und wir unterstützen dies auch nicht. Unsere KYC-Prozesse (KYC bedeutet Know Your Customer = Maßnahmen des Anbieters zur Überprüfung der Legitimation aller Nutzer) sind sehr ähnlich zu denen großer Exchanges. Zusätzlich prüfen wir jede Bestellung händisch. Von daher sind wir nicht die richtige Anlaufstelle für Personen, die anonym Bitcoins erwerben möchten.

Tarnkappe.info: Stellt ihr wie z.B. Advanced Cash die Wallet zur Verfügung? Oder muss diese schon vorhanden sein?

SimpleKoin: Zentraler Bestandteil unsere Services ist, dass die Bitcoins direkt in die Wallet des Users fließen. Wir wollen bewusst unabhängig von Wallets bleiben und keine Online-Wallets zur Verfügung stellen. So liegen keine Bitcoins unserer Kunden auf unseren Servern und wir vermeiden so einen Honeypot für Hacker. Die zentralisierte Speicherung von Bitcoins stellt aus unserer Sicht mit das größte Sicherheitsrisiko der Cryptowährung dar.

Tarnkappe.info: Warum ist Hauptsitz des Unternehmens in Kopenhagen? Welche Vor- bzw. Nachteile hat das gegenüber einem Sitz in Deutschland?

SimpleKoin: Dies ist ein lokalisierter Ableger von Wemovecoins und gehört zum dänischen Unternehmen WMC ApS.

Tarnkappe.info: Das beantwortet zwar leider nicht zwingend meine Frage im vollem Umfang… ;-)

Doch etwas anderes zum Schluss: Wie seid ihr technisch abgesichert? Wie oft werden ernst zu nehmende Hackversuche unternommen?

SimpleKoin: Da wir Bitcoins nicht zentral speichern und keine hot wallets anbieten, sind wir ein uninteressantes Ziel. Trotzdem nehmen wir Sicherheit natürlich sehr ernst.

 

Bildquellen von oben nach unten: typographyimages (CC0 1.0), Screenshots von simplekoin.com & wemovecoins.com, Bitcoin-Münze von Zack Copley (CC BY-SA 2.0), thx!

Das Motto der Währung Bitcoin lautet „vires in numeris“ – ihre Stärke besteht aus den Nummern.

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9 Comments

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    nicht anonym haben wir schon. „Bitcoins“ da brauchen wir keine Kreditkarten für. Es gibt simple Implantate oder einfache QR Codes oder einfache Bitcoin Adressen wozu dann noch ne Karte ?

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    PsychoticDash

    An sich ist die Idee ja gut, keine Frage, nur 6,9% sind echt Wucher. Da kann ich letztlich auch mit PSC kaufen und komme bei 5% raus, was bei höheren Beträgen eben was ausmacht.
    Dazu kommt noch, dass ich mein Daten nicht angeben muss (ist zwar nicht deren Hauptgesichtspunkt) aber immer noch ein guter Plus!

    Dennoch interessanter Service, werde sicherlich immer Mal wieder vorbei gucken.

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      Die Eule

      Wo kann man denn PSC zu BTC für 5% umcashen?

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    Paul

    „Crypocurrencies“ (Kommt mindestens 2× vor)

    Fehlt da nicht ein Buchstabe?

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    gehtdichgarnixan

    „bzüglich der 6,9% Kommission“ da fehlt ein Buchstabe im Wort.

    Abgesehen davon sind 6,9 % absoluter Wucher…… es gibt viel bessere Alternativen.


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