Share-Online.biz wirft englische Ltd raus

Beim Sharehoster mit starkem Szene-Bezug, Share-Online.biz, hat sich kürzlich etwas getan. Und nicht nur dort, der drohende Brexit sorgt derzeit im Untergrund für viel Arbeit. In den letzten Wochen haben mehrere Unternehmen ihre Briefkastenfirmen mit Sitz in Großbritannien entsorgt.

Die politischen Verhältnisse in Großbritannien wirken nicht nur chaotisch, wenn man sie von außen betrachtet. Sie produzieren auch viel Unsicherheit und Chaos. Und das nicht nur auf dem royalen Inselstaat, sondern überall auf der Welt.


Viele Beobachter fragen sich: Was kommt denn nun? Ein geordneter Austritt aus der EU? Vielleicht doch der gefürchtete No-Deal Brexit am 28. März 2019? Möglicherweise folgt ein weiteres Referendum mit offenem Ausgang? Oder Neuwahlen, sollte ein künftiges Misstrauensvotum die nötige Zustimmung finden? Oder wären unter bestimmten Bedingungen vielleicht doch noch Verhandlungen mit der EU möglich? Wenn ja, in welchem Umfang und mit welchem Ergebnis? Bisher hat sich die EU stur gezeigt, wenn es darum ging, die Bedingungen nachträglich zu verändern. Nur eines steht fest: Wenn alle Maßnahmen von Theresa May scheitern sollten, kommt es so oder so Ende nächsten Monats zum Zwangs-Austritt.

Share-Online.biz hat Impressum aufgeräumt!

Der Betreiber des Sharehosters Share-Online-biz hat kürzlich sein Impressum den aktuellen Gegebenheiten angepasst. Die britische online-media24 Ltd wurde aus dem Impressum entfernt. Im Januar diesen Jahres sah bei SO.biz die Seite mit dem Impressum laut der Wayback Machine (Internet Archive) noch so aus:

share-online.biz Imprint impressum

Wer jetzt die gleiche Seite aufruft, wird sofort bemerken, dass die online-media24 Ltd der Grafschaft Berkshire unter share-online.biz/imprint nicht mehr aufgeführt wird. Im Impressum steht nur noch die Anschrift der Briefkastenfirma xlice Corp. im zentralamerikanischen Belize.

Brexit sorgt für mehr Steuerlast und Rechtsunsicherheit

Wir haben einen Insider befragt, der über die Motive der Geschäftsleitung von Share-online.biz naturgemäß auch nur spekulieren kann. Er warnt allerdings davor, dass mit dem EU-Austritt Großbritanniens womöglich automatisch das Doppelbesteuerungsabkommen wegfallen könnte. Demnach müsste man für jede eingetragene Firma separat Steuern bezahlen. Das könnte künftig im Fall eines Austritts aus der EU auch die ganzen Unternehmen in Großbritannien betreffen.

Außerdem sorgt die momentan sehr unübersichtliche Situation für jede Menge Rechtsunsicherheit. Da niemand weiß, was genau kommt, kann sich auch kaum jemand konkret darauf einstellen. Große Unternehmen versuchen jede mögliche Variante des Brexits im Voraus zu erahnen, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Kleine Betriebe können oder wollen sich diesen gigantischen Aufwand nicht leisten. Die Attraktivität der ehemals sehr beliebten britischen Limited hat aufgrund des Londoner Chaos-Kurses stark gelitten. In der Folge sind nach Auskunft des Insiders weitere Geschäftsleute mit Szene-Bezug aktiv geworden, um mögliche negative Folgen des Brexits abzufedern oder diese zu vermeiden.

Mehr als 300.000 Domains könnten verloren gehen

brexit great britainEin No-Deal-Brexit würde allerdings noch mehr negative Folgen mit sich bringen. Alle, die eine .eu Domain innerhalb Großbritanniens registriert haben, müssen befürchten, diese zu verlieren. Grundsätzlich ist den Domain-Inhabern vorgeschrieben, dass sie nur dann eine .eu Domain besitzen dürfen, sofern sie einen Wohnsitz innerhalb der EU vorweisen können. Wie heise online berichtet, müssten die Domain-Inhaber ihren postalischen Umzug in die EU innerhalb von zwei Monaten vollziehen. Ansonsten wird die Domain eingezogen, abgeschaltet und wird automatisch ein Jahr später neu vergeben. Sollte es zu einem geordneten Brexit kommen, wonach es derzeit nicht aussieht, hätten die Domain-Inhaber für eine Anschrift innerhalb der EU immerhin ein Jahr Zeit.

Tarnkappe.info

 

Beitragsbild von kalhh, thx! (Pixabay Lizenz)

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Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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