Russland weitet Domain-Sperren aus: VPN-Anbieter HideMy.Name betroffen

Russland hat letzte Nacht seine Domain-Sperren ausgeweitet. Wie die inCloak Network Ltd. letzte Nacht allen Nutzern mitteilte, wurde ihre Domain Hidemy.Name gesperrt. Die Nutzung von VPN-Anbietern ist in Russland sowieso verboten. Das entsprechende Gesetz wurde im Juli des Vorjahres von Wladimir Putin unterzeichnet.

HideMy.Name

Russland hat letzte Nacht seine Domain-Sperren ausgeweitet. Wie die inCloak Network Ltd. letzte Nacht allen Nutzern mitteilte, wurde ihre Domain Hidemy.Name gesperrt. Die Nutzung von VPN-Anbietern ist in Russland sowieso verboten. Das entsprechende Gesetz wurde im Juli des Vorjahres von Wladimir Putin unterzeichnet.


Die Moskauer Regierung hat es nun neben den Webseiten mit Online-Piraterie offenbar auch auf die Domains von VPN-Anbietern abgesehen. Den Kunden von Hidemy.Name (ehemals inCloak-VPN) wurde letzte Nacht per E-Mail mitgeteilt, dass ihre Domain seit dem 24. Juli innerhalb der Russischen Föderation gesperrt ist. Das Unternehmen mit dem Sitz in Belize will gegen die Handlungen der Telekommunikationsbehörde Roskomnadzor appellieren. Es darf allerdings bezweifelt werden, dass dies etwas bringen wird.


Vor einem Jahr unterschrieb Putin das Gesetz zum Verbot von VPN-Anbietern. Eine Sperre deren Domains erscheint aber aus dem Blickwinkel der Behörde sinnvoll, weil dieser VPN-Anbieter unter incloak.com bzw. hidemyna.me alle Texte auch auf Russisch und in der ukrainischen Sprache anbietet. Bei englischsprachigen Texten oder Menüs könnten die meisten Einwohner des Landes nicht die Webseite verstehen. Auch wären sie dann nicht in der Lage, die Software zur Steuerung von HideMy.Name bedienen.

HideMy.Name beliebt bei Datenschützern

Hierzulande ist dieser Anbieter in gewissen Kreisen populär, weil man von den Kunden bei der Anmeldung keinerlei Daten verlangt. Eine Registrierung über eine anonyme E-Mail-Adresse ist für den Anbieter ausreichend. Das zieht ohne Zweifel sowohl Nutzer aus dem Graubereich als auch Personen an, die zwecks Datensparsamkeit auf die Wahrung ihrer Anonymität im Internet achten.

Das Unternehmen unterhält als Mirror Hidemyna.me und empfiehlt seinen Nutzern, sich bei deren Telegram-Kanal über weitere Details oder zusätzliche Mirrors zu informieren. Ob weitere VPN-Anbieter, die ihre Dienste an das russische Volk adressieren, ebenfalls von einer Domain-Sperre betroffen sind, ist bisher nicht bekannt. Davon darf man aber getrost ausgehen.

Ohne ein VPN ist das Internet weniger frei und weniger sicher!

hidemy.nameDer in Russland ansässige Whistleblower Edward Snowden schrieb vor einem Jahr anlässlich der Unterzeichnung des Gesetzes, dass die Verbannung von grundsätzlichen Sicherheitstools Russland sowohl weniger sicher als auch weniger frei gestalte. Das Verbot von VPN-Anbietern bezeichnete Snowden bei Twitter als eine politische Tragödie. Wenn die nächste Generation die Online-Freiheiten genießen soll, die wir hatten, dann darf man den harmlosen Datenverkehr nicht von jeglichen sensiblen Daten unterscheiden können, so Snowden.

 

Foto von Anton Scherbakov, thx! (CC0 1.0)

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.