Rezension: Wicked – Die Hexen von Oz

“Wicked – Die Hexen von Oz” von Gregory Maguire, das seit 2003 als Musical aufgeführt wird, versucht sowohl politisch, gesellschaftlich als auch ethisch den Unterschied zwischen Gut und Böse zu klären. Im Gegensatz zur Vorlage von L. Frank Baum ist Wicked nicht für Kinder geeignet.

Gregory Maguire, geboren 1954, lebt in Boston, Massachusetts zusammen mit drei adoptierten Kindern und seiner Frau. Er promovierte an der Tufts University in englischer und amerikanischer Literatur. Ihm wurde von der University at Albany der Grad des Bachelor of Arts verliehen. Von 1979 bis 1985 war er Professor und Vize-Direktor des Simmons College Center for the Study of Children’s Literature. Weiterhin ist er Vorstandsmitglied der gemeinnützigen „National Children’s Book and Literacy Alliance“, die sich für Bildung, Literatur und Bibliotheken einsetzt. Außerdem war Maguire Mitgründer der Organisation „Children’s Literature New England“. Gregory Maguire ist Autor zahlreicher Kinder- und Jugendbücher.

 

Die Geschichte von Wicked nimmt ihren Anfang in einem “Vorspiel”, das der eigentlichen Handlung weit vorauseilt und indem schon die ersten Vermutungen über den Charakter der “Bösen Hexe des Westens” angestellt werden von den uns wohlbekannten Geschöpfen, nämlich dem Eisernen Holzfäller, dem Feigen Löwen, einer Vogelscheuche und einem Mädchen – Dorothy, begleitet von einem “hässlichen kleinen Hund”. So wird sie darin als: ” regelrecht verrückt”, “Eine Hexe, wie sie im Buche steht, psychisch verkorkst, von Dämonen besessen, geisteskrank, kein schöner Anblick”, “Sie wurde bei der Geburt kastriert”, “Sie hat keine Mutterliebe bekommen, sie wurde als Kind misshandelt, sie war süchtig nach dem Medikament gegen ihr Hautleiden”, “Sie hat kein Glück in der Liebe gehabt”, “Sie ist eine Frau, die lieber mit anderen Frauen zusammen ist”, “Sie ist ein verheirateter Mann”, “Sie ist eine Despotin, eine gefährliche Tyrannin“, bezeichnet. Die kommende Geschichte wird zeigen, was sich von den gemunkelten Behauptungen als zutreffend erweist. Man kann schon mal gespannt sein, denn eine langweilige Person scheint Elphaba ja nicht zu sein.

Kurz nach einer düsteren Prophezeiung ihres Vaters, eines Wanderpredigers: »Es ist der Teufel«, sagte Frex seufzend. »Der Teufel kommt.« erblickte Elphaba, später auch bekannt unter dem Namen “Böse Hexe des Westens” das Licht der Welt. Doch sie sah keineswegs aus, wie alle anderen Kinder gewöhnlich aussehen: Sie hatte eine “unbestreitbar grüne Hautfarbe”. Auch biss sie ihrer Hebamme gleich nach ihrem ersten Atemzug so mal eben zwei Finger ab, dank ihrer ungewöhnlich scharfen Zähne, doch gerade das rettete sie davor, gleich nach ihrer Geburt als Missbildung getötet zu werden. Sie wurde ihrer Mutter Melena übergeben, sollte die doch damit fertig werden, meinte die Hebamme dann. Aber selbst Melena war einer solchen Herausforderung nicht gewachsen. Sie konnte keine Beziehung zu ihrer Tochter aufbauen, dazu war sie zu anders. So schickte sie nach Ämmchen, ihrer eigenen Amme, und Ämmchen war es auch, die als erste anzweifelte, dass Frex der leibliche Vater gewesen sein könnte. Allerdings konnte sich Melena nicht mehr daran erinnern. Kaute sie Spitzlappblätter, verfiel sie in einen Dämmerzustand. Also bleibt diese aufschlussreiche Frage zunächst ungeklärt und der Leser wartet ungeduldig auf eine Auflösung, die sich einem im Laufe der Erzählung erst erschließt.

So wächst die damals schon – und das nicht ohne Grund – äußerst wasserscheue Elphaba auf unter der Fürsorge von Ämmchen, spielt sogar mit anderen Kindern, lernt dabei, sich durchzusetzen und studiert später an der Universität von Shiz Biologie. Dort wird sie mit äußerst unbequemen Wahrheiten konfrontiert. Die Armeen des Zauberers von Oz löschen das Volk der Quadlinger aus, sie beschneiden die Rechte der »TIERE« – die im Gegensatz zu den einfachen Tieren sprechen können und eine Seele haben. Andere nehmen das als gegeben hin, aber da Elphaba selbst eine Außenseiterin ist, und keiner darum besser versteht als sie, was es heißt anders zu sein, fühlt sie sich dazu berufen, sowohl für die Quadlinger als auch für die Tiere einzutreten. Sie verlässt die Universität und nimmt den Kampf auf. So wird sie zur unbequemen, bösen Hexe des Westens …und so nimmt auch das Schicksal seinen weiteren Verlauf bis zu dem bekannten Ende hin…

Fazit:
Wicked – Die Hexen von Oz basiert auf dem klassischen Kinderbuch von Lyman Frank Baum “Der Zauberer von Oz”. Wer allerdings eine Geschichte erwartet, in der jene bekannten Motive in ähnlicher Form wieder aufgegriffen werden, wird zweifellos enttäuscht. Dieser Roman von Gregory Maguire ist völlig anders als erwartet und unterscheidet sich doch deutlich von dem uns bekannten, eher an ein Märchen erinnerndes, Original. Hier wird Elphaba sehr differenziert beschrieben, die kämpft für ihre Überzeugungen und dass sie am Ende scheitert, ist kein erwünschtes, märchenhaftes Ende. Die Welt von Oz erinnert in keiner Weise an das Märchenland von Baum, sondern eher an unsere wirkliche Welt mit Kriegen, Diskriminierung, Kampf, Unterdrückung aber auch Idealen und Hoffnungen. Es ist ein Buch, das uns zum Nachdenken anregt und es überzeugt ebenso durch seine philosophischen Dialoge über gut und böse, Recht und Unrecht. Keinesfalls ist es eine Lektüre für Kinder, es ist an ein erwachsenes Publikum gerichtet und diente auch als Vorlage für das Musical Wicked – Die Hexen von Oz.

Leider wurde die Fortsetzung, “Son of a Witch”, bisher noch nicht ins Deutsche übersetzt wie diese Ausgabe des Klett Cotta Verlages. Man kann nur hoffen, dass das eines Tages noch mal der Fall sein wird.

 

Beitragsbild: Wicked, das Musical – aufgeführt in Chicago.  Foto: Cindy, thx! (CC BY-SA 2.0)

Ein Kommentar

  1. Maximilian sagt:

    Das Musical basiert aber nur auf der literarischen Vorlage. Das Buch hierzu schrieb Winnie Holzman. Komposition und Liedtexte stammen von Stephen Schwartz!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.