Parler: Ist soziales Netzwerk nach Abschaltungen bald Geschichte?

Nachdem Google die Parler-App aus seinem Store entfernte, hat sich Apple angeschlossen. Auch Amazon sperrt den Amazon Web Services für Parler

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Parler
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Nur einen Tag nach der Entfernung von Parler aus dem Google Play Store hat Apple aktuell nachgezogen. Sowohl Apple, als auch Amazon haben am Samstag Schritte unternommen, um den Zugriff auf die Social-Media-App Parler zu sperren. Die Maßnahmen seien notwendig, nachdem die Forderung nach Gewalt auf der Plattform nach dem Pro-Trump-Angriff auf das US-Kapitol fortgesetzt wurde, berichtet Buzzfeednews.

Das soziale Netzwerk Parler gründeten die Software-Entwickler John Matze und Jared Thomson sowie die Investorin Rebekah Mercerin Henderson als „Redefreiheit“-Alternative zu Twitter und Facebook. Der Name leitet sich von dem französischen Wort „parler“ („reden“) ab. Die gewählte Bezeichnung soll für uneingeschränkte Meinungsfreiheit stehen. Die Nachrichten sind auf 1.000 Zeichen begrenzt. In den Jahren 2019 und 2020 zog es eine Reihe konservativer und rechtsextremer Randnutzer an. Die Plattform hatte insbesondere in den letzten Tagen, nach den Ereignissen am Mittwoch im US Capitol und der anschließenden endgültigen Schließung des Trump-Twitter-Accounts, enormen Zulauf. Millionen von Trump-Unterstützern strömten dorthin, als Facebook und Twitter zunehmend gegen Beiträge vorgingen, die Fehlinformationen verbreiteten und zu Gewalt anregten. Zudem haben Trump-Anhänger Parler zur Organisation des Sturms auf das US-Kapitol am 6. Januar genutzt. Noch am Samstagmorgen listete Apple Parler als kostenlose App Nr. 1 für seine iPhones auf.

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Google und Apple reagieren mit Entfernung der Parler-App auf Beiträge zu Gewalt

Google begründete die Entfernung der App damit, dass das Netzwerk „ungeheuerliche Inhalte“ gestatte. Diese könnten infolge zu Gewalt anstiften. Dem Unternehmen ist hierbei wichtig, dass Apps im Google Play Store über robuste Moderationsrichtlinien verfügen müssen. Auf der Plattform hat man die Kommunikation im Hinblick auf aufhetzende Beiträge nicht moderiert. Apple betont in einer Erklärung

„Wir haben immer unterschiedliche Standpunkte unterstützt, die im App Store vertreten sind, aber auf unserer Plattform gibt es keinen Platz für Bedrohungen durch Gewalt und illegale Aktivitäten. Parler hat seine Verpflichtung, schädliche oder gefährliche Inhalte, die zu Gewalt und illegalen Aktivitäten führen, zu moderieren und zu entfernen, nicht eingehalten. Das entspricht nicht den Richtlinien zur Überprüfung des App Store. Ihre App wird aus dem App Store entfernt, bis wir ein Update erhalten, das den Richtlinien für die Überprüfung im App Store entspricht. Zudem müssen sie unter Beweis gestellt, die gefährlichen und schädlichen Inhalte Ihres Dienstes effektiv zu moderieren und zu filtern.“

Amazon folgt Google und Apple

Aber auch Amazon hat am Samstag angekündigt, dass Amazon Web Services Parler ab dem 11. Januar 0 Uhr als Webhost nicht mehr zur Verfügung steht. Wenn nun Parler bis Sonntagabend keinen neuen Webhosting-Dienst findet, wird das gesamte Netzwerk offline geschaltet.

Amazon teilte Parler mit, es habe 98 Beiträge auf der Website gefunden, die zu Gewalt ermutigten.

„Es ist klar, dass Parler keinen effektiven Prozess zur Einhaltung der AWS-Nutzungsbedingungen hat. Es scheint auch, dass Parler immer noch versucht, seine Position zur Inhaltsmoderation zu bestimmen. Sie entfernen einige gewalttätige Inhalte, wenn Sie von uns oder anderen kontaktiert werden, jedoch nicht immer mit Dringlichkeit. Ihr CEO hat kürzlich öffentlich erklärt, dass er sich „für nichts davon verantwortlich fühlt und die Plattform auch nicht“. Heute Morgen haben Sie mitgeteilt, dass Sie einen Plan haben, um gewalttätige Inhalte proaktiver zu moderieren, dies jedoch manuell mit Freiwilligen tun möchten. Wir sind der Ansicht, dass dieser aufkommende Plan, Freiwillige einzusetzen, um gefährliche Inhalte umgehend zu identifizieren und zu entfernen, angesichts der schnell wachsenden Zahl gewalttätiger Beiträge nicht funktioniert.“

Parler CEO wehrt sich gegen die Vorwürfe

Als Antwort gab John Matze, CEO von Parler, an, sie suchen neue Server und wollen in ca 1 Woche wieder da sein. „Es besteht die Möglichkeit, dass Parler bis zu einer Woche lang nicht im Internet verfügbar ist, da wir von Grund auf neu erstellen.“

„Apple wird Parler so lange verbieten, bis wir die Redefreiheit aufgeben. Zudem sollen wir umfassende und invasive Richtlinien, wie Twitter und Facebook einführen, und eine Überwachungsplattform werden. Sie behaupten, es liege an der Gewalt auf der Plattform. Die Community ist anderer Meinung. Heute erreichten wir die Nummer 1 in ihrem App Store.“

„Dies war ein koordinierter Angriff der Technologiegiganten, um den Wettbewerb auf dem Markt zu töten. Wir waren zu schnell zu erfolgreich. Sie können erwarten, dass der Krieg gegen den Wettbewerb und die Redefreiheit weitergeht, aber zählen Sie uns nicht aus.“

Tarnkappe.info

 

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.