OccupyTheBookstore: US-Verlag will Preisvergleich für Studenten verbieten

Article by · 6. Januar 2015 ·

occupythebookstore google chrome

Das Chrome Plug-in OccupyTheBookstore funktioniert bei 2.000 verschiedenen Online-Händlern für Hochschulliteratur, um den Studenten den günstigen Preis anzuzeigen. Der US-Verlag Follett schickte den Machern kürzlich eine Unterlassungsaufforderung zu, weil sie um ihre Umsätze fürchten. Das half zumindest, um das Projekt bekannt zu machen.

Die beiden Studenten Peter Frank und Ben Halpern von Texts.com waren die hohen Preise für Studienbücher satt. Sie entwickelten eine Browser-Erweiterung für Google Chrome, die direkten Einfluss auf die Suche bei 2.000 verschiedenen Webseiten nimmt. Sobald man nach erfolgter Installation nach einem Buch sucht, wird einem eine günstigere Alternative angezeigt. Den Studenten werden neben preisgünstigen Anbietern von Neuware auch gebrauchte Bücher angeboten. Die Follett Corporation, die selbst mit der Herstellung und dem Handel von Büchern für Schüler und Studenten betraut ist, ist deswegen not amused. Sie haben den Betreibern von OccupyTheBookstore eine Unterlassungserklärung geschickt. Entweder man stelle das Plug-in ein oder ihre Rechtsabteilung müsse aktiv werden.

search for a book texts.com screenshotBei Reddit gaben die Macher bekannt, man habe keinerlei Interesse daran, der Forderung der Follett Corporation nachzukommen. Sie haben ihr Projekt stattdessen in #occupythebookstore umbenannt. Follett bemängelt, die Erweiterung führe die Kunden weg von ihren Angeboten und greife somit aktiv in den Kaufvorgang ein. Die Betreiber des Startups Texts.com sehen für Follett keine juristische Handhabe. Die Browser-Erweiterung sei keine Urheberrechtsverletzung am Webstore, weil die Nutzer vor Anzeige des Preisvergleichs um Erlaubnis gebeten werden. Den Surfern werden keine Informationen vorenthalten. Es wird zudem auch niemand daran behindert, Fachbücher zu den gewohnt hohen Preisen zu erwerben. Auch glauben die Betreiber von Texts.com, dass sie damit gegen keine AGBs der Online-Shops verstoßen. Den Nutzern wird der Preisvergleich direkt im Browser angezeigt, die angezeigten Inhalte der Webseiten bleiben unverändert. Mittlerweile hat sich auch die Bürgerrechtsorgaisation Electronic Frontier Foundation (EFF) in dem Fall eingeschaltet. Die EFF verfügt über jede Menge Erfahrung im Umgang mit gerichtlicher und außergerichtlicher Schikane von großen Konzernen. Bislang ist es bei der Ankündigung von juristischen Konsequenzen geblieben, Follett hat noch keine Klage eingelegt.

OccupyTheBookstore: 15.000 Downloads in wenigen Stunden

occupy the bookstore LogoDie Geschichte erinnert an David, der mit der Steinschleuder gegen Goliath kämpft. Oder ist ist es doch eher der Igel, der immer schon vor dem Hasen am Ziel ankommt? Die gute Nachricht an der Unterlassungsaufforderung ist, dass sie für einen unglaublichen Medienhype in den USA gesorgt hat. Nach der Erstveröffentlichung wurde das Plug-in lediglich 200 Mal heruntergeladen. Nach der Bekanntmachung bei Reddit und der Berichterstattung in zahlreichen US-Medien kamen bereits bis Freitag Abend 15.000 Anwender dazu.

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8 Comments

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    Tarnkappe_Mysterion

    In den USA kommt man mit sowas auch noch durch. Das ist das traurige daran.
    Cash regiert da die Gerichtswelt.

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    mario

    @lars: ja, so viel zur freien marktwirtschaft ^^

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    Esther

    Ich verstehe nicht so ganz, was das soll. Auf gebrauchte Bücher verweist sogar Amazon und so etwas kann man auch googeln.

    Ein Preisvergleich zwischen verschiedenen Anbietern neuer Bücher wäre zwar sinnvoll – aber bei uns verhindert die Buchpreisbindung ohnehin Preisunterschiede.

    Esther

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      Soweit zum Thema freie Marktwirtschaft. ;-(

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        Esther

        Ja und? Amazon ist auch im Handel mit gebrauchten Büchern stark. Das ist doch erst einmal nichts Schlechtes. Man kann ja mit Google nach einem noch günstigeren Anbieter suchen. (Im Moment ist das wenig erfolgversprechend, weil die Preise für gebrauchte Bücher im Keller sind. Aber das kann sich auch wieder ändern.)

        Wer so eine Dienstleistung anbietet tut das aber auch nicht aus purem Altruismus. Daran ist auch nicht Schlechtes.

        Esther

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      AntiAntifa

      “Ich verstehe nicht so ganz, was das soll. Auf gebrauchte Bücher verweist sogar Amazon”

      Ja aber daran verdient Amazon schließlich auch kräftig mit.

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    AntiAntifa

    “Die beiden Studenten Peter Frank und Ben Halpern waren die hohen Preise für Studienbücher satt.”

    Und anscheinend waren sie auch zu blöd einfach Google zu benutzen…

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      Warum so kompliziert? Dafür kann man doch auch ein Startup gründen?


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