Oberösterreich: Vermeintliche Postboten erwiesen sich als brutale Räuber

Eine Familie in Oberösterreich wurde zu Hause überfallen, gefesselt und musste dann den Zugang zu ihrem Krypto-Konto verraten.

Räuber

Von bisher noch unbekannten Tätern überfallen, gefesselt, geknebelt, geschlagen und ausgeraubt wurden am 19.06.2018 in der eigenen Wohnung im oberösterreichischen Wels ein 27-Jähriger und seine Lebensgefährtin im Beisein ihrer neun Monate alten Tochter, berichtet OÖN.

Ein Mann in Paketzusteller-Uniform läutete 10:30 Uhr an der Wohnungstür des Paares. Unter dem Vorwand, etwas abgeben zu wollen, verschaffte er sich und zudem drei weiteren, mit dunklen Brillen und Kappen maskierten Männern, Zugang zu der Wohnung. Als der 27-Jährige die Haustür öffnete, hatte er gerade seine Tochter auf dem Arm. Dessen jedoch ungeachtet, wurde er von den Tätern in die Wohnung gedrängt, woraufhin der Vater stolperte. Er wurde zu Boden gestoßen, geschlagen und noch mit den Füßen nachgetreten. Dem Mann wäre es noch gelungen, seine Tochter in ein Gitterbett zu legen, ehe er von den falschen Paketzustellern gefesselt und geknebelt wurde, teilte Polizeisprecher David Furtner dem OÖN mit. Auch seine Lebensgefährtin, die sich gerade im Schlafzimmer der Wohnung aufhielt, wurde außer Gefecht gesetzt mittels Fesseln und Knebel.


Auffällig war, dass sich die vier Räuber untereinander in einer für die Überfallenen unbekannten Sprache unterhielten. Sie behaupteten, diese schuldeten ihnen Geld und forderten sie zur Begleichung auf. Der Welser betreibt eine Krypto-Währungsfirma. Das war den Täter bekannt. Sie verlangten den Zugang zu seinem Krypto-Währungskonto und transferierten nach Erhalt 250.000 Dollar auf ein anderes Konto. Bevor sie flüchteten, nahmen sie von der Wohnung weiterhin noch Bargeld an sich sowie Designerkleidung. Die Überfallenen ließen sie gefesselt und geknebelt zurück.

Das Paar konnte sich zwar schon zum Teil selbst befreien, vollständige Rettung brachte dann aber erst ein wenig später auftauchender Bekannter, Angestellter des Welsers, der zufällig vorbeischaute. Er befreite die beiden, die durch den Überfall leichte Verletzungen erlitten haben sowie einen Schock. Anzeige erstatteten sie erst am Dienstagnachmittag aus Angst vor den Räubern. Für die laufenden Ermittlungen ist das Landeskriminalamt Oberösterreich zuständig. Unmittelbar danach wurde eine Fahndung eingeleitet, die „auf Hochtouren“ laufe, so Polizeisprecher David Furtner. „Wir gehen davon aus, den Fall zu klären.“

David Furtner teilt noch weitere Details mit: „Nachdem die Täter den Welser auf das Konto angesprochen haben, gehen wir davon aus, dass sie ihn bereits zuvor gekannt haben.“ Zudem gehen die Ermittler davon aus, dass sie ihn zuvor ausspioniert hätten und deshalb genau wussten, dass er zu Hause wäre: „Die Handlung war genau geplant“, meint Furtner. Dies sei in den meisten „Home-Invasion-Fällen“ der Fall. „Es muss kein persönlicher Bezug sein, sie könnten auch nur beruflich miteinander zu tun gehabt haben.“

Bildquelle: cocoparisienne, thx! (CC0 Public Domain)

Ich bin bereits seit Januar 2016 Tarnkappen-Autor. Eingestiegen bin ich zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibe ich bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, greife aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Meine Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.