Njalla: Peter Sunde gründet Offshore-Dienst für anonyme Domains

Article by · 21. April 2017 ·


Auf der Karibikinsel Nevis gründete Peter Sunde den Online-Dienst Njalla. Wie Sunde festhält, seien andere Anbieter für die Verschleierung der Domain-Inhaber nicht sicher genug. Er brauche keine Namen oder Adressen, eine Kontaktaufnahme via Jabber würde ihm reichen. Njalla registriert für den Auftraggeber die Domain und bleibt der eingetragene Inhaber. Sogar US-Präsident Donald Trump sei ihm als Kunde willkommen, schrieb Sunde im Blogbeitrag.

Peter Sunde hat sich ein neues Aufgabenfeld gesucht. Als Mitbegründer des BitTorrent-Indexers The Pirate Bay und als dessen langjähriger ehemaliger Sprecher wurde er im Jahr 2009 zu einem Jahr Haft und zur Zahlung von Schadenersatz in Höhe von 30 Millionen Schwedischen Kronen verurteilt. Später gründete Sunde den Micropayment-Dienst Flattr und den VPN-Anbieter Ipredator.

Njalla verfolgt aber andere Ziele. Der Domain-Service soll Betreibern von Webseiten dabei helfen, anonym zu bleiben. Egal ob man extremistische Aussagen über seine Seite verbreite oder ein Forum betreibt, ist den Machern von Njalla egal. Sie registrieren im Namen des Kunden die Domain und können aufgrund des Sitzes auf der Insel Nevis nicht dafür haftbar gemacht werden. Auch die anonyme Zahlung via Bitcoin soll möglich sein, um die Identität der Webseitenbetreiber zu schützen.

Die Preise fallen im Vergleich zu anderen Anonymisierungs-Diensten recht hoch aus. Je nach Toplevel Domain rangieren die jährlichen Gebühren zwischen 15 und 60 Euro. Unklar ist bisher, wie Peter Sunde verhindern will, persönlich für den Inhalt der von ihm geschützten Webseiten haftbar gemacht zu werden. Den Dienst werden sicher auch einige Online-Piraten in Anspruch nehmen. Da die Betreiberfirma 1337 LLC nicht juristisch greifbar ist, werden sich die Kanzleien der Rechteinhaber bestimmt bei ihren Klagen auf Sunde als dessen bekanntestes Gesicht stürzen. Ohne Sunde als populäres Aushängeschild wäre es hingegen nie zu einem Blogbeitrag bei TorrentFreak oder einem Artikel bei heise, t3n oder anderen Medien gekommen. Von daher befindet sich der Macher in einer rechtlichen bzw. geschäftlichen Zwickmühle. Doch wer früher The Pirate Bay betrieben hat, ist Kummer gewohnt.

Njalla befindet sich noch in einer ersten Testphase. Momentan werden laut Blogbeitrag nur wenige Kunden zugelassen. Man will den Online-Dienst auf Basis des Feedbacks der ersten Kunden weiter optimieren, heißt es.

 

Bildquelle: Kristina Flour, thx! (CC0 1.0)

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