Netzneutralität: EU-Verbot für Internetanbieter von netzweiten Adblockern

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Werbeanzeigen bereits auf Netzebene zu blockieren, ist mit den neuen Regeln zur Netzneutralität nicht vereinbar, d.h. Telekom-Konzerne dürfen künftig keine Werbung aus ihren Netzen filtern. In Europa hatten verschiedene Provider entsprechende Technologien schon getestet. Die Drosselung von Bittorent und ähnlichen Diensten könnte jedoch zulässig sein.

Die kürzlich vorgestellten neuen Richtlinien für die Netzneutralität untersagen Telekom-Konzernen, Adblocker auf Netzebene zu installieren, wie die Financial Times berichtet. Das hat das Gremium Europäischer Regulierungsstellen für elektronische Kommunikation (Gerek, engl. Abkürzung Berec) in seinen Richtlinien zur Netzneutralität festgelegt. Anders sieht es offenbar bei VPN oder Bittorent-Diensten aus, veröffentlichte der Standard.


In der von der europäischen Regulierungsbehörde BEREC (Body of European Regulators for Electronic Communications) veröffentlichten Leitlinie, Paragraf 78, heißt es, das Provider „Werbung nicht blockieren, drosseln, verändern, beschränken oder anderweitig in die Auslieferung eingreifen sollen, wenn sie Internetzugangsdienste anbieten“. Entsprechende Pläne hatte unter anderem Drei in Großbritannien und Italien vorgestellt. Dort wollte man Adblocking als Kundendienst anbieten, um Datenvolumen zu sparen sowie um Kunden vor Tracking und möglicher Schadsoftware zu schützen.

So blockierte der Provider Three bereits in den vergangenen Monaten testweise Werbung auf Netzwerkebene. Nach Angaben der Financial Times war das Unternehmen zuversichtlich, dass die Praxis mit den neuen Regeln zur Netzneutralität vereinbar sei. Allerdings werden mit dieser Leitlinie netzweite Adblocker, wie sie von Drei geplant waren, innerhalb der EU verboten. Lokal installierte Adblocker auf den Endgeräten der Nutzer sind von dieser Regelung hingegen nicht betroffen.

Der Standard berichtet, dass die Regeln es aber zulassen würden, wenn Provider sich entscheiden, VPN-Verbindungen oder Bittorent-Dienste zu verlangsamen. Dazu zitiert das Blatt ebenfalls die Berec-Richtlinien: „Der erste Subparagraph soll Internetprovider nicht daran hindern, angemessene Maßnahmen zum Trafficmanagement zu setzen. Um als ‚angemessen‘ anerkannt zu werden, müssen diese Maßnahmen transparent, diskriminierungsfrei und verhältnismäßig sein.“

Es dürfen jedoch keine kommerziellen Absichten dahinterstehen, ein Provider dürfte also wohl nicht einen VPN-Dienst eines Konkurrenten blockieren, eine eigene Lösung aber durchlassen. Die vom Standard zitierten Passagen enthalten keinen generellen Freibrief, die eine Blockierung der Dienste ermöglichen würden. Bei einer Überlastung des Netzes dürfte es für Provider aber zulässig sein, bandbreitenhungrige Dienste wie Bittorent zu drosseln. Letztlich entscheiden werden aber wohl Gerichte darüber müssen.

Fazit:

Matthew Howett, ein Analyst des Marktforschungsinstituts Ovum, meint, dass vor allem Werber und Medienunternehmen über den Paragrafen erfreut sein dürften. „Adblocking auf Netzebene, wie es von Anbietern wie Drei in Großbritannien angekündigt wurde, wäre unter diesen Regeln verboten, sofern das Volumen des Werbe-Traffics nicht so groß wäre, dass es die Leistung für alle anderen Nutzer beeinträchtigen würde“, so Howett.

Shine Technologies, ein israelischer Hersteller von Adblocking-Software, der unter anderem eng mit Drei zusammenarbeitet, kritisiert die Regelung jedoch scharf. „Europäische Bürger haben ein Recht, sich davor zu schützen, von Werbeunternehmen überwacht, in Schubladen gesteckt und gezielt mit Werbung angesprochen zu werden“, so Roi Carthy, CMO von Shine Technologies. Carthy zeigt sich zuversichtlich, dass der Paragraf vor Gericht angefechtet und fallen werde.

Bildquelle: bykst, thx! (CC0 Public Domain)

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Ein Kommentar

  1. Manuel Bonik sagt:

    „Lokal installierte Adblocker auf den Endgeräten der Nutzer sind von dieser Regelung hingegen nicht betroffen.“ – Nochmal Glück gehabt! Nicht, dass sie einen irgendwann noch zwingen, Werbung zu glotzen. Oder eine Zwangsabgabe, wie bei den Öffentlich-Rechtlichen, erhoben wird (brauch ich nicht, muss ich aber trotzdem bezahlen), um in ihrer Existenz bedrohte Werbeagenturen zu retten.

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