Manga-Zeichner Takashi Yoshida: reine Verfolgung von Piraten sinnfrei

Die Zeichen stehen auch in Japan auf Sturm. Letztes Jahr hat der Umsatz der gedruckten Manga-Hefte um 12 % nachgelassen. In der Folge wurden diverse japanische Piraterie-Webseiten geschlossen. Die reine Verfolgung der Betreiber hält Takashi Yoshida aber für sinnlos und kontraproduktiv. Man müsse die Verkaufsmethoden ändern, an denen die Verlage seit 20 Jahren festhalten.

Schuld an den seit Jahren rückläufigen Umsatzzahlen seien ausschließlich die illegalen Angebote im Web, das zumindest glauben entgegen mancher Studien die Verlage in Japan. Es gebe vieles anderes zu tun, bevor man die raubkopierte Version der Werke bekämpft, glaubt der in Japan populäre Cartoonist Takashi Yoshida. Piraterie solle nicht zerschlagen werden, sagte er dem japanischen Ableger der Huffington Post. Der Zeichner ist davon überzeugt, man könne diesen Wettkampf nur gewinnen, indem man mit den Schwarzkopierern konkurriert. Die Menschen lieben Dinge, die sie auf eine angenehme Art und Weise konsumieren können. Von daher hält er das Abschalten von Piraten-Seiten für nutzlos. Yoshida gibt allerdings zu, dass Raubkopien illegal seien und sie in den letzten Jahren viel Schaden angerichtet haben. Doch selbst wenn man die führenden Anbieter im Netz für E-Books und Cartoons ausradieren würde, würden die Verkäufe nicht um einen Yen ansteigen, wie er sagt. Ganz im Gegenteil.

Sich lediglich auf die bösen Raubkopierer zu konzentrieren, hält Takashi Yoshida für „bequem“, weil man sich dann keine Mühe mehr machen muss, nach anderen Ursachen zu forschen. Viele Dinge würden durch die Umstände beeinflusst, auf die nur die Hersteller bzw. Verkäufer Einfluss hätten. Seiner Ansicht nach reagiert die Branche nicht auf die Kritik der Verbraucher hinsichtlich der Preisgestaltung und Verfügbarkeit der Werke. Die Verlage setzen trotz sinkender Absatzzahlen seit 20 Jahren auf ihre immer gleichen und somit veralteten Vertriebsmethoden. Verlage müssen aber neue Wege finden, wollen sie sich den Lesern wieder annähern, glaubt Yoshida.

Einige Inhalte auf Schwarzkopierseiten seien von schlechter Qualität. Dazu kommt die ganze Erotik-Werbung und die Gefahr, sich auf solchen Seiten einen Virus einzufangen. Man müsste beispielsweise beim Abrechnungssystem des Online-Shops ansetzen, um den Lesern den maximalen Komfort zu bieten. Ferner ist es nach Ansicht des Zeichners sinnvoll, den Preis der E-Books zu senken und der zahlenden Kundschaft Bücher-Flatrates zu bezahlbaren Preisen anzubieten.

Yoshida hat sich schon auf die veränderten Umstände eingestellt. Der japanische Verlag Futabasha veröffentlicht seine Werke zwar in gedruckter Form. Doch alles andere, wie die digitale Vertrieb seiner Hefte, alle Anime-Adaptionen und andere Verwendungen seines geistigen Eigentums organisiert er selbst.

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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3 Kommentare

  1. Hokage sagt:

    Der hat schon nicht ganz unrecht.

  2. Edekanindianer stand hier schon sagt:

    Mögen de Fetzen fliegen.
    Geht hier bestimmt gleich wieder rund.
    :-)

  1. 3. November 2018

    […] japanische Manga–Autorin Kohske wendet sich bei Twitter an ihre Fanbase und an alle Schwarzkopierer. Unbekannte hätten sie […]

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