LTE mit bis zu 500 Mbit/s – ein reiner Werbetrick

Article by · 13. August 2017 ·

Unser anonymer Autor war früher Mitarbeiter des führenden Düsseldorfer Mobilfunkanbieters. Schon nach wenigen Wochen war klar, dass ihre Kunden als reines „Bezahlvieh“ angesehen werden. In mehreren Beiträgen wird er auf Tarnkappe.info einige Hintergründe zu den Tricks der Mobilfunk-Branche beleuchten. Im ersten Artikel geht es um 500 Mbit pro Sekunde, und warum sich dieses Werbeversprechen bei näherem Hinsehen in nichts als heiße Luft auflöst.

Der Mobilfunkmarkt ist seit einigen Jahren komplett übersättigt mit Anbietern, die sich alle in Preis und Leistung gegenseitig zu unterbieten versuchen. Da ist augenscheinlich kaum noch Platz für Alternativen, oder irgendwelche echte Innovationen.

Leider gelten immer noch die Gesetze des Marktes, und die großen Premium-Unternehmen müssen sich irgendwie dennoch von der Konkurrenz absetzen. Anstatt sich dabei jedoch auf exzellenten Kundenservice, hochwertige Leistungen mit echtem Mehrwert oder revolutionäre Neutechniken zu verlassen, macht sich immer mehr eine andere Unsitte breit: Das Bewerben sinnloser Leistungen, die sich für den normalen Kunden in keiner Form nutzen lassen.

Bestes Beispiel ist hierfür die sogenannte „LTE-M*x“-Leistung der Anbieter V*******. und T-M****. Während o², kleinere Discounter und Reseller (Wiederverkäufer) wie Yourfone, sich einfach auf die grundlegenden Leistungen besinnen, versuchen sich die beiden vermeintlichen Topanbieter in Werbeversprechen, die zwar auf dem Papier gut aussehen: Surfgeschwindigkeiten von bis zu 500 Mbits werden versprochen, schneller als mit beinahe allen gängigen DSL- und Kabelverbindungen.

Warum ich das als Unfug ansehe, möchte ich in diesem Artikel etwas näher beleuchten. Dabei tasten wir uns zuerst an die simplen Grundlagen heran und gelangen dann sukzessive zu den größeren Problemen.

 

Falle Nr. 1: 500 Mbit – eine Leistung, die es fast nirgendwo gibt

Wenn in der Werbung von maximaler Geschwindigkeit gesprochen wird, wird meistens verschwiegen, dass es sich dabei lediglich um ein theoretisches Maximum handelt, dass höchstens an einigen, wenigen Standorten erreicht werden kann. Das liegt daran, dass die entsprechende Technik relativ teuer ist, und daher zu Beginn immer nur an wenigen Ballungspunkten angekauft wird.

In kleineren, abgelegeneren Gebieten gibt es oft nur die herkömmliche LTE-Abdeckung. Nicht schlecht, aber eben auch nicht „Fullspeed“. Es scheint fast so, als finanzierten sie mit ihrem überhöhten Tarif lediglich einige wenige, glückliche Großstadtbewohner, die sich über entsprechend schnelle Transfer-Raten freuen dürfen.

 

Falle Nr. 2: 500 Mbit/s – eine Leistung, die keiner braucht

Im Mobilfunknetz surfen die meisten Nutzer auf Webseiten, laden gelegentlich vielleicht noch eine App herunter, sehen sich auf YouTube um. In den wenigsten Fällen kommen Sie jedoch auf die Idee, ihr Smartphone an den Computer anzuschließen und so unterwegs online zu gehen (was in vielen Fällen sogar vom Mobilfunkanbieter verboten wird), oder einen großen Download zu starten. Was denn auch? Wer lädt schon auf seinem Handy große Dateien hoch, betreibt Videoschnitt ohne Komprimierung oder verschickt Softwarepakete?

Selbst wenn ein Nutzer einmal auf die Idee kommt, beispielsweise ein großes Spiel aus dem Appstore über LTE herunterzuladen, warnt das iPhone direkt vor: Wollen Sie diese Datei nicht doch lieber per WLAN herunterladen? Ihr Datenvolumen könnte sonst schnell aufgebraucht sein!

Ein Schelm, wer Böses denkt. Zu was ist diese sogenannte Leistung denn nun wirklich zu gebrauchen?

 

Falle Nr. 3: 500 Mbit – eine Leistung, die es nicht für alle gleichzeitig gibt

Unter welchen Bedingungen sind die „Höchstgeschwindkeiten“ denn überhaupt zu gebrauchen? Dazu ist es erst einmal wichtig, kurz zu erklären, wie eine Funkzelle in etwa funktioniert. Im ganzen Land sind diese Masten verteilt, und das Handy ist immer in genau eine eingebucht.

Innerhalb einer Zelle gibt es eine gewisse, maximale Bandbreite, die sich alle Teilnehmer teilen müssen. Das bedeutet, dass für die Erreichung der Maximalgeschwindigkeit aus der Werbung auch die notwendigen Ressourcen zur Verfügung stehen müssen. Leider ist das oftmals nicht der Fall: Selbst unter Idealbedingungen können immer nur einige wenige Nutzer die volle Bandbreite gleichzeitig nutzen, ehe das System eingreifen muss und die verfügbare Geschwindigkeit unter den Kunden aufteilt.

 

Falle Nr. 4: Schlechte Verbindung – Wenn der Empfang nicht perfekt ist

Nehmen wir nun einmal an, Sie stehen mit Ihrem Handy gerade in der richtigen Zelle, die zufälligerweise die versprochenen 500 Mbit erreicht. Zufällig ist es gerade 3 Uhr morgens, die ganze Welt schläft, und alle anderen in Ihrem Umkreis haben gerade das Handy aus oder nutzen es nicht.

Freudig schalten Sie das Handy ein und starten einen Download. Doch, oh Wunder: Die maximale Geschwindigkeit wird immer noch nicht erreicht. Sie prüfen irritiert den Server, von dem Sie die Datei gerade beziehen, und stellen fest, dass dieser nicht das Problem darstellt.

Was ist geschehen? Die Bandbreite von 500 Mbit wird natürlich nur dann erreicht, wenn der Empfang gerade beinahe perfekt ist. Probieren Sie doch mal, auf die dunkle Straße zu laufen und bis gerade vor den Sendemast zu laufen. Direkt unter dem Mast ist Empfang allerdings noch schlechter, daher sollten Sie vielleicht noch ein wenig hin- und herlaufen, bis endlich alle Balken an der Verbindungsanzeige erscheinen.

Steht kein Baum, kein Busch, kein Laternenpfahl mehr im Weg? Herzlichen Glückwunsch, 500 Mbit sind erreicht! Vergnügt schalten Sie den Download ein und…

 

Falle Nr. 5: Das leidige Datenvolumen

… nach wenigen Minuten kommt die SMS. „Sehr geehrter Kunde, Ihr Datenvolumen ist aufgebraucht. Bitte laden Sie es für nur 5 Euro pro 1 GB auf, um mit maximaler Geschwindigkeit weitersurfen zu können. Ansonsten werden Sie auf maximal 32 Kbit (!) gedrosselt.“

Haben Sie etwa vergessen, dass Ihr Tarif nur maximal einige, wenige Gigabyte beinhaltet? Was mit einer normalen Geschwindigkeit schon sehr schnell zum Hindernis wird, ist mit bis zu 500 Mbit ein Garant für entweder sehr kurzes Vergnügen oder eine sehr hohe Handyrechnung, denn Sie schaufeln ca. 4 GB auf Ihre Festplatte – pro Minute!

Damit saugen Sie selbst das aktuell größte Datenpaket (Stand 10.08.2017) für Privatverbraucher, den Bl*ck-Tarif, innerhalb von 7,5 Minuten (!!) leer. Die einzige Ausnahme bieten hier einige, wenige, sehr teure Tarife mit unbegrenztem Datenvolumen. 200 Euro legen Sie dafür bei der Deutschen Telekom (T-Mobile) hin. Für alle anderen heißt es: Zahlen, bis der Arzt oder der Schuldnerberater Peter Zwegat mit RTL2 im Schlepptau, bei Ihnen vorbeikommt.

 

Fazit: Eigentlich sind 500 Mbit pro Sekunde für die wenigsten Kunden interessant.

Selbst wenn Sie zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind, ist es doch relativ unwahrscheinlich, dass irgendjemand einen großen Nutzen von der hohen Bandbreite hat, der nicht gerade ein gut situierter Geschäftskunde ist. Sollten größere Bandbreitenreserven zur Verfügung gestellt werden, und sich vor allem das völlig überteuerte Datenvolumen ein wenig weiter erhöht, wird die Sache vermutlich anders aussehen.

So jedoch ist das Ganze momentan nicht mehr, als ein bloßer Werbegag.

Neugierig geworden auf weitere Einblick in die Branche? Hier geht es lang, bitte!

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10 Comments

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    http://inside-vodafone.com/ ist schon wieder dicht, schade!

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    Peter

    Interessanter Artikel. Gut auf den Punkt gebracht.
    Sie können im nächsten Gastbeitrag ruhig tiefer ins technische Detail gehen – wir halten das aus.

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    Viag Interkom

    o2? Sie erwähnen allen Ernstes o2?
    Schlechtester Service überhaupt.
    Support-Tickets werden schlichtweg nicht bearbeitet.
    Es werden lediglich automatisch generierte SMS verschickt, ohne relevanten Inhalt.
    Support-Tickets? Ja, generiert aus der Mein o2 App heraus. Denn das ist mittlerweile die einzige Möglichkeit, Support-Anfragen einzureichen, eine andere Möglichkeit gibt es nachweislich nicht.
    Im offiziellen Chat wird man als Kunde ganz offen von den offiziellen Mitarbeitern beleidigt und verhöhnt, Hilfe ist nicht zu erwarten.

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      Inside-V

      Magst du mir hierzu etwas mehr schreiben? Email an admin@inside-v******.com, nimm einfach die verlinkte Domain zu meinem Block statt der Sternchen.

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    gast

    Mich wundert es immer noch das die vom Amt zugelassen haben das aus vier drei werden. Da ist sicher wieder was unter dem Tisch gelaufen

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    bla

    unser markt ist nur so teuer, wegen der frequenzen die früher teuer gekauft wurden. das geld muss erst wieder reinkommen.

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    LTE

    Sogenannte Werbeversprechen sind nichts weiter als großflächiger Betrug am Kunden. Ist ja nicht wirklich neu. Mit „bis zu“ Aussagen lässt sich halt alles bewerben. Während man in Norwegen für 35€ im Monat eine echte, unlimitierte LTE Flatrate bekommt, bekommen wir hier für das gleiche Geld gerade mal 1-3GB je nach Netzqualtität. Nirgends ist Datenvolumen so teuer, wie in Deutschland.

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    Woat

    „Der Mobilfunkmarkt ist seit einigen Jahren komplett übersättigt mit Anbietern, die sich alle in Preis und Leistung gegenseitig zu unterbieten versuchen.“

    Diesen Satz kann ich absolut nicht nachvollziehen, oder er ist völlig anders gemeint! Denn wir haben ein regelrechtes Monopol/Oligopol in Deutschland und die Drittteuersten Preise in Europa! Ich verlinke hier gerne die Statistik des Spiegel, in vielen EU Ländern gibt es schon LANGE FLATRATES für mobiles Surfen für weit unter 30€ im Monat! Der deutsche Depp zahlt derweil mehr Geld für einen Bruchteil der Leistung…

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      Inside-V

      Stimmt, nur können die Discounter wie Drillisch eben nur das aus den großen Netzanbietern herausholen, was eben drin ist. Das tun sie jedoch augenscheinlich durchaus effektiv, siehe die Billigpreise bei WinSIM und anderen Drillisch-Marken.

      Noch eine Marke ist letztendlich nur ein Aufkleben anderer Namen auf dieselbe, sich immer wiederholende Grütze.

      Bei dieser Position kann ich, glaube ich, gut und ehrlich bleiben. Wäre nur schön, wenn diese Spacken auch einmal etwas echtes und neues kreieren würden, siehe o² mit seinen neuen Free-Paketen. Daraus kann der Nutzer mal etwas NEUES ziehen!


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