Klett-Cotta Verlag wirft DRM über Bord

Klett-Cotta folgt nun dem Beispiel von Random House, Holtzbrinck und Bonnier. Der Verlag wirft ab sofort den harten DRM-Schutz von 850 eigenen E-Books über Bord. Die Werke werden ab sofort statt mit Adobe-DRM mit Wasserzeichen versehen. Grund ist die mangelnde Kundenfreundlichkeit von harten Kopierschutzmaßnahmen.

Schon letztes Jahr setzen neben einigen großen Unternehmen auch diverse kleine und mittlere Verlage auf digitale Wasserzeichen statt auf den Einsatz von hartem Kopierschutz. Klett-Cotta gab nun bekannt, man habe damit „noch rechtzeitig vor Weihnachten“ rund 850 digitale Ausgaben der eigenen Bücher auf weichen Kopierschutz umgestellt. Von der Umstellung betroffen sind auch die Werke von Imprints Tropen und Hobbit Presse. In Kürze sollen noch einige wenige Ausgaben nachgereicht werden, „bei denen das rechtliche Einverständnis für die Abschaffung des harten Adobe DRM vom Urheber noch nicht vorliegt“.


Kommentar: Die Umstellung ist sinnvoll und nicht minder überfällig. Das Problem für die Urheber besteht allerdings darin, dass es bislang noch nicht möglich war, mithilfe von Wasserzeichen E-Books vor einer unerlaubten Verbreitung zu schützen. Die Ankündigung erinnert in diesem Zusammenhang vielmehr an ein Eingeständnis des Verlages, sowieso nichts gegen die leidige Online-Piraterie unternehmen zu können. Dann lieber Wasserzeichen verwenden, die zwar nichts bringen aber wenigstens die Kunden nicht weiter verärgern. Klett-Cotta kann das egal sein, denn laut der letzten Erhebung der GfK stellen E-Books im Vergleich zu den gedruckten Büchern noch immer eine Nische dar. Selbst wenn 5,2 Prozent und somit alle E-Books illegal verbreitet werden würden, würden die Umsatzeinbußen für die ersten neun Monate des Jahres noch immer geringfügig ausfallen. Bei einem Marktanteil von 20 oder mehr Prozent würde sich die Lage natürlich anders darstellen. Dann müsste man aktiv nach Möglichkeiten suchen, um die eigenen Inhalte effektiver zu schützen.

Frankfurter Beschützer – beschützen nur die Umsätze von Digimarc?

Keine neuen Signale kommen von den so genannten „Frankfurter Beschützern“, dies ist eine Kooperation zwischen dem Verband MVB (Tochter des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels) und den Piratenjägern von Digimarc. Die US-amerikanische Anti-Piracyfirma will illegale Angebote in Foren etc. ausfindig machen und die Sharehoster zur Löschung bewegen. Zudem werden die einzelnen Suchergebnisse von Google & Co. gelöscht, um sie im Web unsichtbar zu machen. Inhaltlich bringt die Kooperation also keine neuen Aspekte ans Tageslicht. Wie Manuel Bonik im Februar des Vorjahres feststellen musste, soll die Pirateriebekämpfung zudem auch nicht sonderlich effektiv vonstattengehen. Bonik fand trotz der eingeleiteten Maßnahmen noch immer unzählige illegale Werke der von Digimarc beschützten Verlage Hanser und Suhrkamp. Der Dienst von Digimarc ist laut Manuel Bonik vor allem eines: nämlich „billig“. Der entscheidende Vorteil dürfte aber sein, dass man erneut lautstark ankündigen konnte, mal wieder etwas gegen die lästigen Online-Piraten unternommen zu haben.

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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Ein Kommentar

  1. 4. Juli 2018

    […] angekündigt, pünktlich vor dem Weihnachtsgeschäft rund 850 verschiedene Werke vom harten Kopierschutz zu befreien. Das betraf auch die Werke der Hobbit Presse und vom Tropen Verlag. Damit wollte man dem vielfach […]

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