Kaspersky Lab weiterhin unter Druck

Aufgrund von Spionage-Vorwürfen dürfen auf niederländischen Behörden-PCs keine Kaspersky-Produkte mehr verwendet werden. Die Antivirus-Softwarefirma Kaspersky verlegt Teile ihrer Infrastruktur von Russland in die Schweiz. Damit möchte das Unternehmen internationale Spionagevorwürfe entkräften.

Der Softwarehersteller Kaspersky Lab hat einen weiteren Großkunden verloren. Die Begründung sei Kaspersky Lab kooperiere mit russischen Geheimdiensten und fördere so die Spionage.

2017 hatte zuvor Großbritannien und die USA den Einsatz der Software eingeschränkt. Der Vorwurf lautete, dass die Firma eine Rolle dabei gespielt hat, dass geheime Angriffs-Werkzeuge der NSA in die Hände russischer Geheimdienste geraten seien. Ein Mitarbeiter des US-Abhördienstes hatte die geheime Software regelwidrig auf seinem privaten Computer geladen, auf dem auch Kaspersky-Sicherheitssoftware lief. Kaspersky räumte damals ein, dass die Angriffsprogramme dadurch auf den Servern der Firma in Moskau gelandet seien. Man habe sie jedoch mit niemandem geteilt und gelöscht, erklärte Gründer und Chef Eugene Kaspersky.
Das britische National Cyber Security Center untersagte daraufhin seinen Beamten die Installation der Programme. Die Erklärung damals, man sei wegen Verbindungen zwischen Firmenvertretern und russischen Geheimdiensten besorgt. Es bestände das Risiko, dass die russische Regierung Kaspersky-Produkte ausnutzen könne, um die Computersysteme von US-Behörden zu kompromittieren.

Justizminister Ferdinand Grapperhaus sprach von einer „geeignete Vorsichtsmaßnahme”. Er verweist auf „Risiken für die nationale Sicherheit”. Die Nutzung werde schrittweise beendet. Nach russischer Gesetzgebung müssten „Unternehmen wie Kaspersky die russischen Geheimdienste bei der Erfüllung ihrer Aufgaben unterstützen, wenn diese Dienste das fordern.” Außer für Behördenrechner gilt die neue Vorschrift auch für Computer von Unternehmen und Organisationen, die unter die Allgemeinen Sicherheitsanforderungen für Verteidigungsaufträge (Algemene Beveiligingseisen Defensie Opdrachten, ABPO) fallen. In einem Brief an das Parlament, erläuterte Grapperhaus seine Bedenken im Bezug eines Risikos möglicher digitaler Spionage und Sabotage. Konkrete Hinweise auf einen Missbrauch der Kaspersky-Software zu solchen Zwecken gibt es nach den Worten des Ministers nicht.

Die gesetzliche Kooperationspflicht des Unternehmens mit den russischen Geheimdiensten bezieht sich nur auf den territorialen Geltungsbereich des entsprechenden Gesetzes und das ist die Russische Föderation. Niederlassungen im Ausland sind den dortigen Gesetzen unterworfen. Die Anwendungsfälle sind überdies erschöpfend im Gesetz aufgezählt und betreffen Fragen wie Terrorismusverdacht, Hackerangriffe oder die Gefährdung der nationalen Sicherheit.

Firmengründer Eugene Kaspersky ist über die Entscheidung aus Den Haag enttäuscht, berichtet die niederländische Nachrichtenagentur ANP. „Es hat den Anschein, dass unser Unternehmen Opfer von geopolitischen Entwicklungen ist“, sagte ein Sprecher demnach.

Kaspersky kündigte vor ein paar Tagen neue Maßnahmen an, wonach das Unternehmen Bedenken seiner Kunden zerstreuen will. In Zürich soll ein Transparency Center eingerichtet werden. Die Daten von Kunden unter anderem aus Europa und Nordamerika sollen künftig nicht mehr in Russland gespeichert werden, sondern in der Schweiz. So soll das Vertrauen zurückgewonnen werden. Regierungen und private Kunden sollen auf diese Weise zurückgewonnen werden. Die Datenspeicherung in der Schweiz unterliegt der Aufsicht durch einer unabhängige Organisation. Um eine vollständige Transparenz und Integrität zu gewährleisten. Jeder Zugriff wird dort unabhängig überwacht. Auf den Rechnern dort sollen auch Daten von Kunden aus Singapur, Australien, Japan und Südkorea gespeichert und verarbeitet werden. Weitere Länder würden folgen, hieß es.

Quelle: Beitragsbild stevepb, thx! (CC0 1.0)

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Ein Kommentar

  1. Ach der schon wieder sagt:

    Vermutlich wird doch fast jede Anti-Virensoft nach Hause Funken weil es Statistiken sendet, Virenverdachtige Dateien überprüft und ähnliches. Das Kaspersky ungefragt Daten nach Russland funkt ist doch völlig normal, jede Soft sendet auf ihre Server.
    Die Frage ist nur, was passiert dort mit den Daten?
    Eigentlich kann man mit Auswahl der Virensuite nur noch auswählen in welches Land seine Geheimnisse geschickt werden. Ob diese dann weiterverarbeitet werden, darauf hat man keinen Einfluß mehr.

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