Justiz-Auktionen: Staatsanwaltschaften bunkern Bitcoin-Vermögen

Aus Beschlagnahmungen von illegalen Geschäften nahmen deutsche Staatsanwaltschaften Bitcoin-Vermögen im Millionen-Wert ein.

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Bildquelle: Tumisu

Eine Anfrage des WDR und der Süddeutschen Zeitung (SZ) bei den Justizbehörden der Bundesländer hinsichtlich Vermögens-Beschlagnahmungen aus kriminellen Geschäften ergab, dass dem Staat hierbei ca. 100 Mio. Euro in Krypto-Wallets zur Verfügung stand. Rund 50 Millionen Euro erzielte man bundesweit durch Verkäufe der Kryptowährungen mittels Justiz-Auktionen.

Der Bitcoin auf dem Höhenflug

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Die Kryptowährung erlebt derzeit einen Höhenflug. Erstmals überhaupt nimmt der Bitcoin die 50.000 US-Dollar-Hürde. Von dieser Entwicklung profitiert infolge auch die Justiz-Kasse.

Wie der WDR und die Süddeutsche Zeitung berichten, hat die Behörde bisher etwa 100 Millionen Euro in Kryptowährung aus illegalen Geschäften beschlagnahmt. Aus dem Verkauf beschlagnahmter Bitcoins erzielte man etwa 50 Millionen Euro. Die größten Beträge stammen hierbei jedoch nur aus einigen wenigen Fällen.

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Gesetzlich ist die Bitcoin-Notfallveräußerung in der Strafprozessordnung geregelt. Demgemäß dürfen beschlagnahmte Güter dann veräußert werden, sobald ihnen ein erheblicher Wertverlust droht. Eine hohe Volatilität rechtfertigt somit die Veräußerung von Kryptowährungen noch vor einer rechtskräftigen Verurteilung der beschuldigten Person. Nach dem Urteil werden die Gelder schließlich der Staatskasse zugeführt.

Justiz erzielt über 100 Millionen Euro an Bitcoin-Vermögen

Bei der Veräußerung von Kryptowährungen gehen die einzelnen Bundesländer allerdings völlig unterschiedlich vor. Während Bayern, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein eine möglichst baldige Notveräußerung bevorzugen, hortet Berlin mit einigem Erfolg das beschlagnahmte Vermögen. Hatte es bei seiner Sicherstellung im Oktober noch einen Wert von rund 700.000 Euro, so sind daraus dank des Wertezuwachses bereits rund drei Millionen Euro geworden. Hier ist eine Veräußerung geplant, sobald die Behörde ein passendes Depot für die Staatsanwaltschaft Berlin bei einem Krypto-Broker eingerichtet hat.

NRW richtet eigene Handelsplattform ein

Der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main stehen derzeit rund 2200 Bitcoins aus mehreren Verfahren zwischen 2019 und 2020 mit einem Gegenwert von knapp 93,7 Millionen Euro zur Verfügung. Nordrhein-Westfalen plant allerdings die Errichtung einer eigenen staatlichen Handelsplattform für Kryptowährungen. Die bayerischen Behörden gewannen durch die Justiz-Auktion von Bitcoin, die im Zuge einer Razzia bei den Betreibern von Hansa Market und LuL.to beschlagnahmt wurden, knapp 12 Millionen Euro. Das Urteil gegen die Betreiber steht jedoch bisher noch aus.

Fehlendes Passwort verhindert Bitcoin-Zugriff

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Bei einem erst jüngt bekannt gewordenen Fall erlangte die Kemptener Justiz trotz gerichtlicher Beschlagnahme keinen Zugriff auf ein Bitcoin-Vermögen von mehr als 1.700 Bitcoins zu einem gegenwärtigen Wert von rund 90 Millionen Euro. Ein fehlendes Passwort verhindert hierbei den Verkauf.

Der ehemalige Wallet-Besitzer weigert sich bisher beharrlich, das zugehörige Passwort zu verraten. Fraglich ist, ob er sich selbst noch daran erinnert.

Der Betrüger kam durch das Betreiben eines im Jahr 2013 hochgenommenen Botnetzes an die Kryptowährung. Inzwischen ist der Täter bereits aus der Haft entlassen worden. Allerdings kann er selbst auf die Bitcoins auch nicht mehr zugreifen, da die Experten der Strafverfolgungsbehörde die Wallet vor einem Zugriff von außen abgesichert hätten.

Tarnkappe.info

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.