Gespräch mit Manuel Bonik über E-Book-Piraterie

Article by · 4. November 2014 ·

Wir haben uns ausführlich mit Manuel Bonik von der Lisheennageeha Consulting Ltd. unterhalten. Offizieller Firmensitz ist zwar in Irland. Tatsächlich sind er und Dr. Andreas Schaale in Berlin Mitte beheimatet. Sie veröffentlichen seit 2011 den Gutenberg Report, der den Fortschritt der internationalen E-Book-Piraterie beschreibt. Wir sprechen mit ihm über digitale Wasserzeichen, Notice-and-Takedown Verfahren und andere (mehr oder weniger effektive) Maßnahmen zur Bekämpfung der E-Book-Piraterie.

Der Branchenverband des Buchhandels MVB will die E-Book-Piraterie ab Anfang 2015 in Kooperation mit dem US-Unternehmen Digimarc bekämpfen. Das Anti-Piraterie-System “Digimarc Guardian” soll Verlagen durch Einsatz von digitalen Wasserzeichen dabei helfen, unrechtmäßig erstellte Kopien im Internet zu identifizieren und aufzuspüren. Von einer Identifizierung einzelner Käufer, die E-Books in Umlauf gebracht haben, hat man wieder Abstand genommen. Natürlich möchten wir von den beiden Berliner Piratenjägern Schaale und Bonik wissen, ob man tatsächlich durch den Einsatz von Wasserzeichen geschützte Werke in Tauschbörsen aufspüren kann.


Video von Digimarc:  Wasserzeichen als Wunderwaffe gegen Piraten?

Verschwindet die Piraterie auf Knopfdruck?

Tarnkappe: Was unternimmt Digimarc denn konkret zum Schutz der Verlage?

Manuel Bonik: Das Angebot von Digimarc besteht grundsätzlich aus drei Komponenten: Zum einen Wasserzeichen (Soft DRM) und zum anderen dem Digimarc Guardian, also eine Art automatisiertes Notice-and-Takedown-Verfahren. Schließlich Abmeldung von Google-Piraten-Links.

Was Wasserzeichen angeht – und das betrifft nicht nur die von Digimarc –, ist mir noch nie klar geworden, wozu die gut sein sollen bei E-Books. Bei der Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen bei Bildern, auf die man direkt im Netz zugreifen kann, mögen sie sinnvoll sein, aber bei E-Books? E-Book-Piraterie läuft fast ausschließlich als Filehoster-Piraterie (mal von der Library Genesis (LG) und wenigen Torrents abgesehen).

Foto: Johan Larsson (CC BY 2.0)

Foto: Johan Larsson (CC BY 2.0)

Den Tarnkappe-Lesern muss ich es vermutlich nicht erklären, mach es aber trotzdem mal: Man findet einen Link bei zum Beispiel boerse.to und landet dann, womöglich über verschiedene zwischengeschaltete Seiten, nach ein oder mehreren CAPTCHAS, bei einem Filehoster wie – das ist nicht nur bei Büchern zur Zeit der schlimmste – Uploaded.net, wo das File dann, womöglich mit Verschlüsselung, physisch zum Download angeboten wird. Habe ich es endlich downgeloadet, kann ich – erst jetzt! – schauen, ob das File das/ein Wasserzeichen trägt. Da geht also überhaupt nichts automatisch. Sie können nicht das Wasserzeichen bei Google eingeben und dann alle Links zu gekennzeichneten E-Book-Files bei den Filehostern geliefert kriegen. Das ist technisch völlig unmöglich.

Aus ähnlichen Gründen ist auch ein automatisiertes Notice-and-Takedown-Verfahren nur sehr begrenzt möglich. Bei Seiten wie avaxhome wird direkt verlinkt, und da können Sie die Links noch mit dem Crawler auslesen. Aber sobald CAPTCHAS, zwischengeschaltete Seiten wie linksave.in etc. hinzukommen, ist Schluss mit der Automatik. Da ist dann menschlicher Verstand gefragt, der die CAPTCHAS lösen muss etc.

Ein bisschen menschlichen Verstand setzt Digimarc inzwischen auch ein, weil sie gemerkt haben, dass rein automatisch, algorithmisch nur sehr bescheidene Erfolge bringt. Suggeriert wird aber immer noch, es gäbe den einen Anti-Piraterie-Algorithmus: Software installieren bzw. Digimarc beauftragen, Knopfdruck, und schwupps! ist die Piraterie weg. Da mögen Verleger und Anwälte von träumen, aber das ist, wie dargestellt, sehr schwierig realisierbar.

Wasserzeichen: Ist die totale Überwachung der Leser wünschenswert?

Tarnkappe: Wie hat sich Digimarc eine „Erfolgsquote von 90 Prozent“ errechnet?

Manuel Bonik: Wir überwachen seit vielen Jahren viele Verlage, gerade auch Digimarc-Kunden (Wettbewerbsbeobachtung). Dazu sammel ich ein paar hundert oder tausend von deren Links ein und prüfe von Zeit zu Zeit, wann und wie viele davon gelöscht wurden. Das ist dann so Pi mal Daumen die Erfolgsquote. Um hier nur ein paar Verlage (grob) zu beurteilen: Bei Thieme ist Digimarc relativ gut, da könnte das mit den 90% fast stimmen, 70 bis 80 % ist realistischer, bei einzelnen Titeln aber auch 0%. Bei Elsevier zwischen 50 und 70 %. Bei Hanser maximal 50 %, bei Suhrkamp 0 %. Bei letzteren beiden handelt es sich laut Buchreport um eine “Testphase“. Mal sehen, wann die so richtig losgehen. Bislang ist da empirisch wenig bis nichts zu sehen. Zum Beispiel stand Suhrkamp jetzt gerade mit Kruso von Lutz Seiler auf Platz 1 der Spiegel-Bestseller-Belletristik-Charts, und man möchte denken, dass sie da extrem hinterher sein müssten. Ich schaue Woche für Woche mal auf ein paar einschlägigen Seiten nach und stelle beweisbar fest: Da tut sich gar nichts! Da Digimarc nach Titeln vorgeht, muss man annehmen, dass die beauftragenden Verlage oft nicht wissen, welche ihrer Bücher illegal unterwegs sind. Anders kann man nicht erklären, dass ihre Bücher nicht auf einschlägigen Foren (z.B. Scribd.com, mal nach „For Dummies“ suchen) entfernt werden .

reading_chinese_manNoch ein wenig Grundsätzliches zu Wasserzeichen: Ist diese Art von totaler Überwachung der Leser tatsächlich wünschenswert? Muss ich mich künftig im Supermarkt persönlich registrieren lassen, wenn ich eine Dose Ananas kaufe – sie könnte ja jemandem auf den Kopf fallen?

Wir (Andreas Schaale und ich) versuchen schon lange, auch nur ein einziges Beispiel zu finden, wo aufgrund eines Wasserzeichens ein gerichtliches Verfahren gegen einen E-Book-Uploader zustande kam. Kennen Sie eins? Bei unserem Erkenntnisstand neige ich zu der Ansicht, dass es sich da um einen reinen Verkaufsmythos der Anbieter von Wasserzeichen handelt. Eine lukrative Fata Morgana.

Schließlich: Google-Links runternehmen lassen ist (meist) hochgradig kontraproduktiv. Wie wir in unserer jüngsten Gutenberg-Studie dargestellt haben: Auf große Piratenseiten wie z. B. avax gehen die Leute in der Regel direkt, ihren Traffic kriegen diese Seiten zu weniger als 10 Prozent über Google (siehe similarweb). Daraus folgt: Man muss die Links bei den Filehostern runternehmen (Notice-and-Takedown-Verfahren, dazu gleich). Wenn dann der Klappentext noch auf Piratenseiten oder als Teaser bei Google steht – soll er doch! Das ist kostenlose Werbung! Wenn Sie die Links bei Google runternehmen lassen, sorgen Sie nur dafür, dass valide, noch nicht abgemeldete Links im Google-Ranking nach oben rutschen, helfen also den Piraten bzw. deren interessierten Kunden. Wenn da hingegen oben die Links stehen, die auf Piratenseiten verweisen, die auf Filehoster verweisen, bei denen die Links aber schließlich abgemeldet sind, haben Sie als Verlag bzw. Autor eine schöne Schutzschicht von Spam bei Google.

Tarnkappe: Begrüßen Sie denn grundsätzlich, dass sich durch die MVB der Verband, also der Börsenverein des  deutschen Buchhandels, erstmals für ein Notice-and-Takedown-Verfahren ausspricht?

Manuel Bonik: Ja, natürlich! Das propagiere ich seit Jahren. Das macht der britische Verlegerverband schon lange. Könnte man freilich noch deutlich besser, more thoroughly machen als die Briten. Bringt deutlich mehr als das Rumfuchteln mit “Wir brauchen ein schärferes Urheberrecht! Wir brauchen mehr Lobbyisten in Brüssel!” etc. Da können Sie das deutsche oder das EU-Urheberrecht reformieren, wie Sie wollen: Das werden die Piraten kaum auch nur zur Kenntnis nehmen.

Aber es gibt ja das bestehende amerikanische DMCA (Digital Millenium Copyright Act) und seine praktische Anwendung, das Notice-and-Takedown-Verfahren. Das funktioniert (international) erstaunlich gut, vielleicht nicht im Iran, aber sonst schon (wir haben dazu große Statistiken). Muss man einfach nur nutzen.

VBuchhandlung Berliniele Autoren googeln sich im Netz und stellen fest: Huh! Da gibt es tausende von Piratenseiten, die mein Buch klauen. Dabei ist das meiste doch Spam! Ich habe unlängst sogar eine Seite gefunden, die das Buch von Oswald Wiener, Robert Hödicke und mir: “Eine elementare Einführung in die Theorie der Turing-Maschinen” (Springer, Wien New York 1998) angeblich als Hörbuch anbietet – musste ich schon lachen. Ist doch totaler Blödsinn! Gibt es natürlich nicht! Praktisch haben die meisten Autoren nur ein paar wenige Links bei einigen wenigen Filehostern. Nimmt man die runter, ist das Piraterieproblem für sie, innerhalb von einer Stunde bis zwei Tagen, erstmal gelöst. Es kann schon auch mal ein Re-Post kommen, muss man natürlich kontrollieren, aber so viel Mühe machen sich die wenigsten Piraten, zumindest nicht bei Belletristik.

Aber nochmals: Sollten MVB/Digimarc eine allgemeine deutsche Notice-and-Takedown-Seite anbieten wollen, wäre es sehr zu begrüßen. Die konkrete Umsetzung kann man dann ja noch „optimieren“, wie das die Informatiker so schön falsch ausdrücken.

Die Lage ist ernst und wird nicht lustiger.

Tarnkappe: Wie bewerten Sie die aktuelle Lage? Welche Mittel sind Ihrer Ansicht nach sinnvoll und nötig, um der E-Book-Piraterie einen Riegel vorzuschieben? Könnten sich mehrere Maßnahmen ergänzen?

Manuel Bonik: Die Lage ist ernst und wird nicht lustiger. Zu ihrer Aktualität äußern sich Schaale und ich halbjährlich mit unserer Gutenberg-Studie und auch sonst ständig, wie etwa die Leser von Tarnkappe.info wissen. Aber ganz verkürzt: E-Book-Piraterie steigt weiterhin kräftig, E-Book-Verkäufe geraten hingegen zusehends in Stagnation. International wie deutsch sieht das unterschiedlich aus, man muss Belletristik von Sach- und Fachbüchern unterscheiden, und in den einzelnen Subgenres auch noch genauer hinschauen.

Was man dagegen machen kann, muss man differenziert, je nach Format der Piraterie sehen.

Wie gesagt: Die größten Teile von Piraterie, Filehoster-Piraterie, könnte man mittels Notice-and-Takedown-Verfahren erledigen. – Das gilt übrigens auch für Seiten wie das immer noch als legal geltende scribd.com, eine der reichweitenstärksten (aus unserer Sicht: Piraterie-) E-Book-Seiten.

Demnächst will Scribd sogar noch einen deutschen Ableger starten. Notice and Takedown machen die, alles andere interessiert sie nicht. Oder? Wettbewerbsrechtlich scheint es mir sehr bedenklich, dass deren Geschäftsmodell nicht unwesentlich auf Piraterie beruht – da haben deutsche Anbieter wie z. B. PaperC schwerlich eine Chance gegen solch unlautere Konkurrenz. Gut wäre auch, wenn z. B. Tolino oder Weltbild mal aufhören würden, bei Scribd Werbung zu schalten.

Manuel Bonik: Payment abstellen hilft!

BücherregalTarnkappe: Welche weiteren Maßnahmen stünden an?

Manuel Bonik: Die paar wenigen E-Book-Torrents kann man den Abmahnanwälten überlassen. Machen die gerne. Haben die schließlich genug Konkurrenz untereinander, da sich mit der Zeit doch herumspricht, dass man von Torrents besser die Finger lässt.

Bei Seiten wie LUL (die nicht über Filehoster gehen, sondern selber hosten) muss man wohl auf „James-Bond-Einschleich-Methoden“ wie die von der GVU setzen. Aber hier ist ein Erfolg natürlich alles andere als garantiert. Bin mal gespannt, wie das mit kinox etc. ausgeht, aber solange die Seiten, von denen zur Zeit geredet wird, online sind, glaube ich kein Wort.

Oft kriegt man solche Seiten aber auch weg, wenn man ihnen einfach das Payment abstellt: Visa, Mastercard, Paypal etc. Haben wir schon gemacht, kleiner Brief vom Justitiar an die Paymentfirmen genügt meistens.

Größtes Problem ist und bleibt die Library Genesis. Nimmt man bei denen eine sehr konservative Ersatzrate von auch nur einem Prozent an, kommt man dennoch auf einen Schaden für allein den deutschen Buchhandel von geschätzt einem fünfstelligen Euro-Betrag am Tag (bei aktuell etwa 50.000 Werken Deutscher Belletristik auf L.G., zzgl. Fachbücher). – Wir wüssten zur Zeit, vermutlich, noch, was sich da machen ließe. Mal sehen, wie hoch der Leidensdruck noch werden muss, bis das mal irgendjemanden interessiert.

Zuletzt: Es wäre äußerst wünschenswert, wenn die Verlage mal endlich ein wenig in Personal investieren würden, das bei Piraterie durchblickt. – Warum hat nicht jeder Verlag eine/n Piraterie-Beauftragte/n? Warum gibt es das nicht als Berufsbild? Das Problem ist groß genug und wird für einige existenzentscheidend werden. Ich habe bislang ein einziges Mal eine Verlagsvertreterin gefunden, bei der ich dachte: Hei, die blickt richtig durch! Die weiß, wovon ich rede!

Tarnkappe: Was ist mit den rechtsradikalen Werken, die Scribd umsonst verteilt?

Manuel Bonik: Da gibt es reichlich Mein Kampf und noch blöderes Zeug, das in Deutschland eindeutig verboten ist. Da reden wir nicht mehr vom Urheber-, sondern vom Strafrecht. Und das Problem betrifft ja nicht nur Scribd, sondern auch Piratenseiten wie 3dl.tv oder boerse. Und allerdings auch ganz legale Seiten wie Amazon, iTunes etc.

Verlagstaktik bei Piraterie: “ignorieren, aussitzen, abwarten

Tarnkappe: Wie kommt es eigentlich, dass von Scribd nicht häufiger bekannt wird, dass sie juristische Probleme haben?

Bald geschlossen? Berliner Buchhandlung am Savignyplatz

Bald geschlossen? Berliner Buchhandlung am Savignyplatz

Manuel Bonik: Sie haben ja keine Probleme! Wo kein Kläger, da kein Richter. Die meisten Verlage bzw. Autoren verhalten sich da wie stets bei E-Book-Piraterie: Ignorieren, aussitzen, abwarten. Alles, nur nicht beschäftigen mit diesem „schmutzigen“ Thema! Auch verweist Scribd zurecht auf das DMCA, und das Notice-and-Takedown-Verfahren ist mit Mühen verbunden, die sich außer uns offensichtlich fast niemand machen will.

Tarnkappe: Was macht Ihre Firma denn so viel anders, als MVB bzw. Digimarc?

Manuel Bonik: Wir gehen anders vor und wir beschränken uns nicht auf einzelne Titel eines Verlages.  Wir haben natürlich auch unsere Algorithmen und  Suchmaschinen für das Bulk-Geschäft, aber investieren zusätzlich viel Zeit und Mühe in Handarbeit und Mitdenken. Was jeder bemerken sollte, der auf Seiten wie z.B. Scribd.com nach Büchern unserer Kunden sucht – und dann vielleicht mal den Vergleich mit den Büchern von Digimarc-Kunden macht.

Tarnkappe: Warum verfolgt Ihre Firma keine Belletristik?

Manuel Bonik: Haben wir auch schon gemacht, aber haben wir zur Zeit keinen Auftrag. Da gibt es zum einen Verlage, die wider alle Vernunft weiterhin auf hartes DRM setzen. Andere beauftragen lieber Digimarc oder sonstige Billiganbieter. Das bringt zwar so gut wie nichts, aber formal ist damit das unbeliebte Thema bei den Verlagen erstmal vom Tisch. Können sie für kleines Geld ihren wütenden Autoren sagen: Da, schaut, wir tun doch was! – Na, mal sehen, wie lange sich die Autoren das noch gefallen lassen. Gleichzeitig blicken ja die Autoren oft auch nicht durch und lassen sich stattdessen lieber für irgendwelche Urheberrechts-Kampagnen einspannen. – Ich hatte unlängst einige Korrespondenz mit einer Bestseller-Autorin, die viel Tamtam wegen Piraterie gemacht hatte. Habe ich ihr geschrieben: Lass doch mal die sieben (um mehr geht es nicht) Links herunternehmen, und dann hast Du im Wesentlichen Ruhe (so, wie ich das oben schon beschrieben hatte). Es ist aber nichts geschehen (auch das kann ich empirisch leicht belegen). Was soll ich daraus folgern? Dass ihr Verlag zu doof dafür ist? Oder dass sie sich wohler fühlt als prominentes Opfer, dem Piraten angeblich auf tausenden Seiten nachstellen? – Da kümmere ich mich doch lieber um Gebiete, wo die Leute echte Probleme haben, und das ist natürlich eindeutig eher der Fach- und Sachbuchbereich. Aber falls ein Autor da nicht auf seinen Verlag warten und stattdessen individuell was unternehmen will – Self-Publisher können durchaus auch betroffen sein –, schaue ich mir gerne seine/ihre Situation an und mache ihm/ihr ein Angebot.

“Ohne Russisch kann man den Job vergessen.”

Eschbach-Buch-E-BookTarnkappe: Bei Anbietern wie Library Genesis oder Avax dürfte der Einsatz von James-Bond-Methoden schon wegen der Sprachbarriere deutlich komplizierter ausfallen. Wie flüssig ist das Russisch von Ihnen bzw. von Andreas Schaale?

Manuel Bonik: Bы говорите на русском? („Sprechen Sie Russisch?“) Nein, mein Russisch ist noch schlechter als mein Finnisch. Während Schaale in Ost-Berlin aufgewachsen ist und dann in der Sowjetunion Physik studiert hat. Der spricht das fließend. Ohne Russisch kann man den Job vergessen.

Tarnkappe: Trinkfest sind Schaale und Bonik auch, wie wir im Sommer 2014 am eigenen Leib erfahren mussten. Btw.: Womit wird sich Ihre neu gegründete Firma beschäftigen?

Manuel Bonik: Wir haben vor über zehn Jahren als Spezialisten für Suchmaschinen angefangen. Dann kam irgendwann das Piraterie-Thema hinzu. Und jetzt sind wir an weiteren Weiterungen dran. Zum einen das nach wie vor grassierende Thema Plagiate: Da haben wir Algorithmen und Methoden  entwickelt, um Plagiate zu identifizieren. Zum anderen interessiert uns zur Zeit sehr das Thema Bullshit. Hier muss man auch nochmals unterscheiden: Da gibt es menschgemachten akademisch verbrämten Dummsprech, wie er von Harry G. Frankfurt und noch genauer von Oswald Wiener beschrieben wird, – für den haben wir noch keine Lösung. Aber dann gibt es noch maschinengemachten Bullshit, wie ihn etwa scigen oder mathgen produzieren. Da haben Wissenschaftsverlage, die ohnehin täglich mit Bergen von Manuskripten bombardiert werden, ein zunehmendes Problem, die Spreu vom Weizen zu trennen. Manchmal schaffen es solche Texte sogar durch die Peer Review … – Da hätten wir eine Lösung.

Tarnkappe: Mal ein Blick in die Glaskugel, die dabei gerne jeder vermeidet. Wie sieht das Internet in 5 bzw. 10 Jahren aus? Wird es der gleiche Wildwachs wie heute sein? Oder auf überregionaler Ebene straff reguliert?

Manuel Bonik: Um den alten Spruch zu bemühen: Prognosen sind schwierig, besonders, wenn sie die Zukunft betreffen.

Tarnkappe: Ach – wie langweilig!

Manuel Bonik: Nein, solche Fragen beantworte ich nicht, weil man sie nicht seriös beantworten kann. Empfehle ich stattdessen einstweilen, sich mal die Simpsons, Staffel 25, Folge 7 anzuschauen.

Tarnkappe: Ich erinnere mich. Krusty der Clown verkauft die Rechte an seiner Show in die ganze Welt. Doch das rächt sich, irgendwann sind seine Kopien erfolgreicher als er selbst. Herr Bonik, vielen Dank für das Gespräch!

Schade übrigens, dass es nie zu einem Treffen mit Spiegelbest (SB) gekommen ist. Der Wohn- und Schaffensort des ehemaligen Sprechers von Torboox wird im Raum Berlin vermutet. Schaale und Bonik haben ihn bereits vor Monaten auf einen Kaffee eingeladen. Man vermutet, dass Spiegelbest selbstständiger Buchhändler ist oder in dem Bereich angestellt wurde. SB zog es vor, die Einladung aus Sicherheitsgründen auszuschlagen. Auch das Team von Tarnkappe.info hatte nie persönlichen Kontakt zu ihm.

Beitagsbild: Taylor Leopold – pexels.com – (CC0 Lizenz)

evolution-of-ebook-readers

Evolution of Readers von John Blyberg (CC BY 2.0).

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37 Comments

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    VanityBackfires

    Haben sich die Herren eigentlich auch ausgerechnet, wie hoch der potentielle Verlust des deutschen Staates ist, weil ihre Firma praktischerweise in Irland sitzt? Nach typischer “Raubkopierer sind Verbrecher”-Logik ist das ja so, als hätten sie die theoretisch fehlenden Steuereinnahmen dem Staat gestohlen, oder?

    Allerdings muss ich sagen, dass ich ihnen viel Erfolg wünsche, den Bezahlhoster-Uploadern bei boerse usw. das Leben und Einkommen zu vermiesen, und ich würde mich auch freuen, wenn die Drecksseite lul weg wäre. An die ebook-Seiten, die die coolen Kids nutzen, kommt ihr sowieso nicht ran! ;)

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      Ist es neuerdings ein Verbrechen, seinen Firmensitz in Irland zu haben? Da muss mir was entgangen sein.

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        VanityBackfires

        Aber nein, natürlich nicht, aber legal ist ja nicht gleich legitim, oder lädst du dir, wenn du in der Schweiz bist, fleißig ebooks bei tpb runter, nur weils da legal ist?

        Wo ist denn der Unterschied zwischen den Downloadern, die ihre ebooks bei lul kaufen, weils da billiger ist, und Firmen, die im Ausland sitzen, weil da weniger Steuern anfallen?

        Sind wir da nicht irgendwie schon ein bisschen fern von Undoppelmoral?

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      Мы должны построить стену! :D http://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Mauer

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    CounterFights

    Es ist für mich sehr erschreckend, mit wieviel wenig Hintergrundwissen einige Dienstleister der Branche wilde Behauptungen in die Öffentlichkeit setzen.

    Obwohl Herr Bonik zugibt, nur im Fachbuch Bereich tätig zu sein, werden für belletristische Titel die gleichen Grundsätze aufgestellt.
    ZITAT: “Es kann schon auch mal ein Re-Post kommen, muss man natürlich kontrollieren, aber so viel Mühe machen sich die wenigsten Piraten, zumindest nicht bei Belletristik.”

    Die Praxis zeigt bei belletristischen Titeln komplett anderes. Es gibt einzelne Webseiten und Täter, welche mittels vollständiger Automatismen neue Dateien generieren, diese bei ausgewählten Filehostern hochladen und die neuen Download-Links in den Webseiten aktualisieren.

    Ähnliches kann ich bei der Thematik der Wasserzeichen feststellen. Nur weil Bonik/Schaale keinen öffentlichen Fall gefunden haben, wo mittels eines Wasserzeichens jemand identifiziert wurde, wird dieses passive Mittel der Pirateriebekämpfung öffentlich als sinnlos dargestellt.

    Im Gegensatz zu den einzelnen harten Kopierschutzvarianten wird der Einsatz von Wasserzeichen in der Regel vollständig vom Shop umgesetzt. Und hier gibt es erhebliche Unterschiede in der Art und der Qualität der Umsetzung. Einige Shops machen nur ein Wasserzeichen in das Cover, andere auch in Text oder in separate Dateien. Ein gut umgesetztes Wasserzeichen macht für die professionellen E-Book Piraten viel mehr Aufwand, als ein harter Kopierschutz.

    Daher gibt es nur eine geringe Anzahl von illegal kopierten E-Books im Internet mit Wasserzeichen, weil die E-Book Piraten lieber bei Amazon einkaufen und den harten Kopierschutz mit ein-zwei Clicks entfernen. Es gibt Fälle, wo wir anhand des Wasserzeichens den Käufer direkt identifizieren konnten. Nur weil wir das nicht publizieren, heißt das nicht, dass der Einsatz von Wasserzeichen keinen Sinn hat.

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      LOL Wasserzeichen

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      Na, wenn Sie das so gut wissen, dann geben Sie uns doch bitte auch nur ein einziges Beispiel: “Es gibt Fälle, wo wir anhand des Wasserzeichens den Käufer direkt identifizieren konnten.” Na, und? Solange Sie ein solches Beispiel nicht liefern können, bleibt Ihre Argumentation völlig im Vagen, und mir bleibt nur ein Ahnen, warum. Es soll ja, laut Carl Sagan, Leute geben, die einen Drachen in ihrer Garage haben. Sie vielleicht auch?

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        CounterFights

        Warum soll ich Ihnen solche Erkenntnisse mitteilen? Unsere Erfahrung über den Einsatz von Wasserzeichen ist unser Wettbewerbsvorteil. Dieses Wissen könnten auch der Grund sein, warum Sie bei belletristischen Titeln nicht aktiv sind.

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          Wir hatten früher mal eine Galerie in Berlin, wo wir Schatten und ausgemusterte Währungen angeboten haben. Lief aber nicht so gut wie der Getränkeverkauf.
          Wie groß ist Ihr Drache denn? Spuckt er Feuer?

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          Drücke ich mich so unverständlich aus? Ich will doch nicht die
          technischen Details von dem wissen, was Sie den Verlagen andrehen,
          sondern was es bringt. Kann ja sein, dass Sie einen Drachen in der
          Garage haben und ein Perpetuum mobile im Keller, aber so ein ganz klein
          bisschen Beweisführung …? Keine Antwort empfinde ich als ziemlich
          deutliche Antwort, und wer hier mitliest, wird das verstehen.
          Immerhin wird mir etwas klarer, warum etliche Verlage in der Pirateriefrage so wirr agieren.

          Mal ein Zitat von Ursula Feindor-Schmidt von Lausen Rechtsanwälte, München:
          “Unsere
          Piraterieverfahren richten sich ausschließlich gegen große Plattformen,
          die zur Verbreitung von Kopien dienen (i.e. vorallem Linksammlungen und
          Sharehoster). Bei diesen Verfahren ist die Art der Kopie (DRM-gerippt
          oder Wasserzeichen) nicht entscheidend. Daten werden dazu in den
          Beweissicherungen nicht erhoben. Daher kann ich dazu leider keine
          Aussage treffen, ob solche Kopien evtl. einmal Gegenstand eines unserer
          Verfahren waren.
          Vermutlich würde diese Frage eher bei Verfahren
          gegen Einzelnutzer eine Rolle spielen. Aber auch hier ist mir kein
          Verfahren bekannt, in welchem diese Thematik von Bedeutung war.”

          Oder Christian Solmecke von WILDE BEUGER SOLMECKE Rechtsanwälte, Köln: “Uns sind keine Abmahnungen bekannt, die aufgrund einer Suche über die Wasserzeichen eines Werkes erfolgt sind.“

          Dem sollten Sie doch irgendwas entgegensetzen können? Sonst könnte man noch auf die Idee verfallen, dass Wasserzeichen reinweg Humbug sind.

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            CounterFights

            Ich nie behauptet, das WIR Wasserzeichen anbieten. Das ist Ihre Interpretationsart des gedruckten Wortes.

            Ich habe nur geschrieben, dass Wasserzeichen zur Identifizierung von Käufern sehr wohl geeinget sind, diese jedoch von Shop zu Shop unterschiedlich umgesetzt werden. Es ist auch völlig irrelevant, wenn dem Herrn Solmecke oder der Frau Feindor-Schmidt solche Fälle nicht bekannt sind. Die von uns betreuten Verfahren wurden schließlich auch nicht in der Öffentlichkeit ausgetragen.

            Der Einsatz von Wasserzeichen ist eine Alternative zum DRM, um einen ausufernden illegalen Handel mit E-Books einzugrenzen. Genausowenig wie der harte Kopierschutz, bieten Wasserzeichen keinen absoluten Schutz gegen professionelle E-Book Kopierer. Das wissen unser Kunden ebenfalls.

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            LOL!

          • comment-avatar

            Vor einer Weile haben Sie sich in einem Interview sogar noch skeptischer geäußert:
            “Der Einsatz von Wasserzeichen in den Ebooks oder die Verwendung des Digital
            Rights Managements sind nur präventive Maßnahmen mit geringer Wirkung.”
            http://lectura-magica.over-blog.de/article-blc-ebook-piraterie-fluch-der-autoren-109776924.html
            Da sind wir doch schon fast einer Meinung? – Darum und wenn Sie selbst keine Wasserzeichen anbieten, fällt es noch schwerer zu verstehen, warum Sie die so eifrig verteidigen.

          • comment-avatar

            CounterFights

            In dem verlinkten Beitrag aus dem Jahr 2012 (!) habe ich ebenso geschrieben: “Beides [DRM und Wasserzeichen] sind nur Hilfsmittel in der rechtlichen Verfolgung, da hierüber ein Ebook-Pirat identifiziert werden könnte.”

            Im Übrigen habe ich nicht den Einsatz von Wasserzeichen verteidigt, sondern Ihren Beitrag dahingehend kritisiert. Statt _hinterher_ nach Beiträgen von mir bei Google zu suchen, hätte ich eine Recherche Ihrerseits _vorher_ zu den passiven Schutzmechanismen erwartet. Zumal Sie Ihre Suchmaschinenkenntnisse in den Vordergrund stellen.

            Es ist immer die Frage, gegen wen sich welche Schutzmechanismen richten sollen:

            DRM hält die 0815-Kopierer, welchen die E-Books in einem Shop erwerben und z.B. bei eBay.de verkaufen wollen, auf. Aber auch die Kunden, deren gerade ihr siebentes Smartphone kaputt gegangen ist und das DRM die Anzahl der legalen Kopien einen weiteren Transfer unterbindet.

            Vernünftige Wasserzeichentechnologien bieten den 0815-Kopierern ebenfalls einen Gegenwehr, da der Käufer identifizierbar ist. Sie ermöglichen einem ehrlichen Käufer ebenfalls eine Nutzung des E-Books auf dem achten Smartphone.

            Auch ein Wasserzeichen kann keine professionellen Rechtsverletzer, wie
            einen hiesigen Kommentator, aufhalten. Das habe ich im verlinkten Blogbeitrag ebenfalls geschrieben:
            “Einen echten Schutz, dass ein Ebook nicht illegal im Internet verbreitet wird, gibt es leider nicht.”

          • comment-avatar

            Wenn man Ihre Aussagen schon nach zwei Jahren nicht mehr zitieren darf, haben die offensichtlich eine enorm kurze Halbwertzeit. Wäre vielleicht dann besser, die gar nicht erst zu machen? Wir haben doch jetzt wirklich nicht in der schmutzigen Wäsche Ihrer wilden Jugend gewühlt.

            Wir machen mit unserer Studie Gutenberg 3.0 seit über drei Jahren Aussagen zu diesem und jenem und lassen uns gelegentlich auch mal zu Prophezeiungen hinreißen. Wenn Sie da was von falsifizieren können, hätten wir nichts dagegen, sondern freuten uns darüber klüger zu werden. Allgemein kamen da bislang bemerkenswert wenige Versuche und kein einziger, den wir nicht widerlegen konnten.

            Sorry, aber wir sind Jünger der wissenschaftlichen Methode und stehen auf Empirie. Und bezüglich Wasserzeichen haben wir eben eine empirische Beobachtung publiziert: Anzeichen, dass Wasserzeichen zu Enttarnung von Ebook-Uploadern geführt haben, konnten wir weder durch Aussagen von Anwälten (die sich auf diesem Gebiet auskennen könnten) noch durch Statements aus der „Szene“ in Foren nachweisen. Man beachte die zahlreichen Aussagen Betroffener in einschlägigen Foren zum Thema P2P-Abmahnung – zu Wasserzeichen gibt es da keine überlieferten Fälle. Gäbe es welche, wäre das Geschrei in den Foren doch riesig? Aus der Nicht-Existenz diesbezüglicher Informationen haben wir auch nur schliessen können, dass diese Fälle wohl selten sind, nicht, dass sie unmöglich sind. Ihre Kritik lief effektiv darauf hinaus, dass Sie derartige Fälle (mehr als einen?) kennen, aber diese aber aus wettbewerblichen Gründen nicht nennen wollen. Sehr überzeugend! So überzeugend wie die ewigen Anpreisungen der Wirksamkeit der Homöopathie durch Leute, die damit verdienen, aber sich mit Händen und Füßen dagegen wehren, diese Wirksamkeit empirisch zu beweisen.

            Nicht nur mit Wasserzeichen, sondern auch mit Hard DRM lassen sich Piraten identifizieren, sagen Sie? Das überrascht uns. Irgendein ein empirischer Beleg dafür?

            Auch Ihre Argumentation bzgl. der “0815 Kopierer” (die Ebooks für Geld erwerben und dann weiterverkaufen) ist auch überraschend. Auf Deutsch gefragt: Welcher Voll-Pfosten kauft denn selbst legal Ebooks mit eigenem Geld, um sie dann auf Ebay in Kopien (billigst) weiter zu verkaufen? O.K., in der menschlichen Spezies kann es auch solche Individuen geben, aber sind die wirklich repräsentativ?

            Ach ja, indirekt unterstellen sie, dass normale Kunden (so interpretiere ich 0815) quasi „Gelegenheitspiraten“ sind, die nur durch DRM am illegalen Verbreiten gehindert werden. Glauben Sie das wirklich? Könnte es sein, nur mal so als Frage, dass sich solche Ebay-Verkäufer von Buchsammlungen, sich ihre Bücher mehrheitlich von illegalen Plattformen, frei von (whatever) DRM und Wasserzeichen, beschaffen, u. a. aus Kostengründen UND wegen der (nicht
            vorhandenen) Nachweisbarkeit der „Herkunft“ der Bücher? Sie wissen schon, dass man auf L.G. aktuell ca. 50.000 belletristische Bücher auf Deutsch (und es sind nicht nur B-Bücher) ohne Kosten/Wasserzeichen besorgen kann? Es gibt natürlich noch andere Quellen L***.to, Eb**. To, avax etc. Wir gehen in unseren Annahmen davon aus, das illegale Ebook-Verbreiter nicht zu 100% technische Deppen sind. Ist das falsch?

            Abschliessend bemerkt: Ja, auch uns ist im Laufe der Zeit nicht entgangen, dass es keinen 100%-Schutz gegen Piraterie gibt. Glauben sie ernsthaft, dass diese Aussage Irgendjemand überraschen kann?

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      Und: Piraten kaufen so wahnsinnig gern bei Amazon ein? Meinen Sie dieses Ding mit Geld-Ausgeben? Ernsthaft? – Ich möchte meinen, dass deren Hauptquelle öffentliche bzw. Universitäts-Bibliotheken sind, wo Bibliothekare in Personalunion auch Piraten sind.

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        CounterFights

        Auch hier: meinen und wissen sehe ich als grundverschiedene Dinge an. Wir wissen, dass bei belletristischen Titeln hauptsächlich Amazon als Quelle dient.

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          Ist das nicht ein bisschen teuer? SB, sag doch auch mal was!

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        Esther

        Kommt es da nicht doch auf den Bereich an? Libgen und die amerikanischen Kollegen bieten massenhaft Bücher an, die im Allgemeinen nur von Uni-Bibliotheken gekauft werden und viele davon sind offensichtlich nicht einfach eingescannt. Steht da wirklich ein einzelner Bibliothekar dahinter? Oder duldet man einfach, dass eine Bibliothek Libgen beliefert? Wenn nicht hätte man in der Illegalität etwas aufgebaut, was an die Bibliothek von Alexandria erinnert.

        Belletristische Titel schaffen Bibliotheken in der Regel erst Monate nach dem Erscheinen an. Sie sind aber meist schon im Netz zu finden, wenn sie durch die Feuilletons gehen. Da sind andere aber regelmäßig viel schneller als Libgen. Das sieht nicht so aus, als mische ein Bibliothekar mit. Nach Spiegelbests Meinung greift zumindest Lul die anderen illegalen Angebote ab – und kauft offenbar den Rest dazu.

        Esther

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    ROFL @ digimark video :D

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    Pardon, ich meinte natürlich die Simpsons-Folge 25.9., wo das FBI Homer wegen illegaler Downloads bustet.

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      Lars Sobiraj

      LOL! Das mit dem Clown fand ich aber auch nicht schlecht. ;-)

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    Lars Sobiraj

    Nein, die meisten Verlage bekämpfen die Buchpiraten nicht einmal. Bislang führt der Markt für E-Books noch immer ein Nischendasein. Von daher werden die Piraten zumeist ignoriert. Manche Verlage wissen auch einfach nicht, wie es da draußen im Netz tatsächlich aussieht. Bonik & Co. haben schon häufiger erstaunte Gesichter geerntet, als sie ihre Dienste angeboten haben.

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    Esther

    Da stimmen so einige Voraussetzungen nicht.

    Wer sich nur für ebooks interessiert braucht keinen Filehoster, für den sich Abmahnanwälte interessieren könnten. Ebooks gibt’s bei Libgen oder Lul mit geringerem Risiko. Um sort anonym einzukaufen reicht ein legaler Torbrowser, für den sich vielleicht die NSA, aber keine Abmahnkanzleo interessiert. Ob sich das ändert, wenn der Verlag oder der legale Händler identifiziert werden können wird sich zeigen. Wenn man die semilegalen Anbieter wie scribd damit zwingen kann die Bücher zu löschen wäre schon einiges erreicht.

    Momentan bestehen Wasserzeichen in der Regel aus der E-Mai-Adresse des Käufers. Ob man den Käufer überhaupt strafrechtlich belangen kann, wenn ein Buch bei einer Tauschbörse auftaucht ist fraglich. Damit hätte man dann Prozesse gegen ahnungslose Omas, die ihren Enkel ein Buch schenken wollten. Das will wahrscheinlich niemand. Zumindest libgen und lul machen einen professionellen Eindruck. Es würde mich sehr wundern, wenn die Betreiber diese Wasserzeichen nicht entfernen könnten. Ob das auch für die neuen Wasserzeichen gilt wird sich zeigen. Ich vermute eher, dass das die Macher der großen Seiten gar nicht betrifft.

    Bei Büchern ist die Lage auch anders als bei Filmen oder Musik. Nahezu niemand hat je alle Bücher gekauft, die er lesen wollte. Dafür gab es immer Bibliotheken. Die Onleihe steckt aber noch in den Anfängen, nur wenige Titel sind verfügbar und die Wartezeiten sind lang. Wenn sich das verbessert werden Piratenseiten weniger attraktiv. Das hat im Musikbereich ja auch recht gut geklappt. Dafür wäre sogar ein Kopierschutz, der zumindest nicht so einfach entfernt werden kann sinnvoll.

    Dass viele große Seiten in Russland sind ist allgemein bekannt. Dort werden sie offensichtlich mehr oder weniger geduldet. Ob sich das ändert ist auch eine politische Entscheidung, die in Russland getroffen wird.

    Esther

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      Lars Sobiraj

      Das war SB zu gefährlich. Ich kann es auch verstehen.

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        Lars Sobiraj

        Ach, der SB kann einfach nicht anders. Wer will schon Abschied nehmen, wo es gerade doch so spannend ist??!?

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      “Wer sich nur für ebooks interessiert braucht keinen Filehoster, für den sich Abmahnanwälte interessieren könnten.” – Der Mythos hält sich aber hartnäckig. Abmahnanwälte interessieren sich überhaupt nicht für Filehoster! Die interessieren sich für Torrents, weil da der Downloader formal auch Uploader ist und erst das Uploaden die strafbare Handlung darstellt. Daraus folgt dann, dass die Telkos die IP-Daten rausrücken müssen etc.
      Weiß immer nicht, ob das Absicht (Drohkulisse) oder Dummheit ist, wenn diese Dinge vermischt werden. Auch bekannte Feuilletonisten haben schon an prominenter Stelle diese Verwirrungen verbreitet:
      http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/urheberrecht/urheberrechtsdebatte-schluss-mit-dem-hass-11749057.html

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        Lars Sobiraj

        Die IP-Adressen müssen auch die Sharehoster herausrücken. Und auch mithilfe des zivilrechtlichen Auskunftsanspruches würdest Du an die Anschlussinhaber kommen. Aber das lohnt sich einfach nicht. Der Streitwert und somit die Kostennote des abmahnenden Anwalts wäre lächerlich gering. Der Film wurde 1x heruntergeladen. Schaden = Preis der DVD/Blu-Ray oder Kinokarte. Dafür machen die Abmahnanwälte keinen FInger krumm!

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        Esther

        Damit haben sie ganz sicher recht.

        Leute, die nur eine brauchbare E-Bibliothek brauchen – und das sind offensichtlich viele – haben aber vielleicht keine Lust sich mit solchen Details auseinanderzusetzen. Es gibt doch genug Seiten, auf denen man downloaden kann ohne persönliche Daten anzugeben.

        Esther

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        Hihi! – Ja, ist merkwürdig, wie wenig Autoren, Verlage oder eben auch Journalisten sich auf dem Gebiet auskennen, obwohl es das Thema Piraterie und eben E-Book-Piraterie ja nicht erst seit gestern gibt. Wir testen bei Vorträgen, Interviews und anderen Gelegenheiten immer mal, ob die Leute oder wieviele davon wissen, was boerse, avax, LibGen o.ä. ist, und die Ergebnisse sind schon immer wieder sehr ernüchternd.

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          Ich stimme Ihre Einschätzung zu. Auf technischer Ebene ist die Ahnungslosigkeit zum Teil erschreckend (oder erheiternd), was auch damit zu tun hat, dass das Thema in der Regel bei Justitiar oder der Justitiarin landet und die sich in meiner Erfahrung meistens extrem schwer tun mit technischen Dingen, Computern, Internet und so ‘nem Zeug. Und dann gibt es wohl auch die Schöngeister, die “einfach nur schöne Bücher machen” wollen und nicht sooo lange Germanistik studiert haben, um sich jetzt (auch) mit schmuddligen Piraterieseiten beschäftigen zu müssen. Die Kohle wird in der Regel noch mit Hardcover gemacht, und das scheint immer noch gut genug zu laufen, dass man E-Books macht, weil es gerade angesagt ist, aber sich nicht um die Konsequenzen kümmert. Dann gibt es allerlei Einflüsterer: Börsenverein, Anwälte, DRM-Apostel etc., die alle ihre Sonderinteressen haben, aber halt keine, die irgendwas gegen Piraterie bewirken etc. etc.
          All das betrifft keineswegs nur 50+, sondern auch durchaus Jüngere, die “Digital Natives”, die oft genug in digitalen Dingen ausgesprochen naiv sind. Macht halt doch einen kleinen Unterschied, ob man seit Jahrzehnten an Rechnern herumgeschraubt hat oder ob man völlig aufgeschmissen ist, wenn Apple irgendwas nicht als App anbietet.

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      2015 = Library Genesis + TOR + Bitcoin …

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      Esther

      Ist das wirklich so einfach? Dewn heutigen Nachrichten nach fand noch eine ganze Menge in Deutschland statt, obwohl die Server irgendwo in der Südsee standen.

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      Jay

      Ein “digitales Wasserzeichen” wird alleine vom Konzept her immer leicht auszuhebeln zu sein. Da braucht man auch keinen Kryptologen zu. Zwei Kopien mit unterschiedlichem Wasserzeichen und ein Bitweiser Dateivergleich sollten reichen.

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        Aber gilt das auch für die Wasserzeichen von CounterFights? Was, wenn die die Luft anhalten und mit dem Fuß aufstampfen?


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