Ein Burger-Menü kostet auch 8 Euro aufwärts: Bernd Perplies im Interview

Article by · 15. September 2017 ·

Der 40-jährige Romanautor Bernd Perplies braucht keine Weltreise, um sich in seiner Haut wohl zu fühlen. Perplies zieht es vor, in seiner Fantasie umherzuwandern. Er nimmt uns Leser mit auf seine Unternehmungen. Frei nach dem Motto: „So viele Welten… so viele Abenteuer. Packen wir Schreibblock oder Laptop ein und ziehen los! Es gibt noch vieles zu erleben.“ Doch kann man heutzutage selbst als etablierter Autor vom Schreiben leben? Oder tun dies andere, die das geistige Eigentum Dritter online zum Schleuderpreis anbieten?

In unserem Community-Interview geht es nicht nur um Perplies‘ Fantasy-Romane, sondern auch um seine Erfahrungen mit Verlagen und seine Sichtweise der anhaltenden Urheberrechtsproblematik. Nicht fehlen darf ein Ausblick auf unser aller Zukunft und natürlich darauf, wie sich sein Leben in 30 Jahren gestalten wird, dürfte er sich etwas wünschen.

Antonia & Lars: Hallo Bernd, es wäre schön, von Dir etwas zum Einstand über Deine zukünftigen Projekte zu erfahren.

Bernd Perplies: Über meine zukünftigen Projekte? Das geht hier ja schnell los. Normalerweise ist das die letzte Frage eines Interviews. ;-) Aber warum nicht? Also: Bis vor Kurzem habe ich mit Christian Humberg an der Fortsetzung der Kinderbuch-Reihe „Die Wächter von Aquaterra“ geschrieben. Außerdem arbeite ich an einer zweiten Reise ins Wolkenmeer – die erste mit dem Titel „Der Drachenjäger“ ist ja jüngst erschienen – und für Bastei Lübbe ist Science-Fiction in der Mache. Ich sage nur so viel: Ein gewisser Space Cowboy, den ich unter dem Pseudonym Wes Andrews vor zwei Jahren erfand, reitet wieder.

„Den Traum, ein Autor zu sein, habe ich also seit vielen Jahren in mir getragen, das Sitzfleisch für einen ganzen Roman hatte ich jedoch nie.“

War es eine bewusste Entscheidung, Autor zu werden oder ergibt sich das einfach mit der Zeit? Oder anders gefragt: Wächst man in so eine Tätigkeit einfach rein? Hast Du schon als Kind geschrieben?

Ich habe tatsächlich schon immer gerne geschrieben. Für mich, für Freunde, für die Familie. Lange Zeit stand das in Verbindung mit meiner jugendlichen Liebe zum Pen-und-Paper-Rollenspiel. Den Traum, ein Autor zu sein, habe ich also seit vielen Jahren in mir getragen, das Sitzfleisch für einen ganzen Roman hatte ich jedoch nie.

Erst als ich – eher zufällig – mit dem Übersetzen von Romanen begonnen habe, wurde mir klar, dass ich auch so große Textprojekte bewältigen kann. Und kurz vor meinem 30. Geburtstag, als ich darüber nachgedacht habe, wo mein Leben hinführen soll, habe ich dann sehr bewusst entschieden, den Versuch zu wagen, Autor zu werden, einen Roman zu schreiben.

Anfangs war ich noch ein Teilzeitautor, d.h. ich habe eine halbe Woche im Filminstitut in Frankfurt gearbeitet und eine halbe Woche geschrieben. Als ich dann vor ein paar Jahren aus privaten Gründen aus dem Rhein-Main-Gebiet weggezogen bin, war ich so weit, den Sprung in die vollständige Selbstständigkeit zu wagen.

 

 

Wie sieht so der Tagesablauf beim Schreiben aus? Muss Deine ganze Familie probelesen?

Ich habe keinen festen Tagesablauf. Optimal wäre: von 9-12 Uhr und von 13-17 Uhr schreiben, danach Freizeit. Tatsächlich bin ich tagsüber so oft mit anderen Dingen als dem Schreiben an sich beschäftigt, dass ich meist in den Abendstunden erst richtig produktiv werde. Und, nein, meine Familie bekommt meine Romane erst im fertigen Stadium zu sehen. Testleser rekrutiere ich eher im Freundeskreis bzw. ich überlasse das „Testlesen“ den Verlagslektoren.

 

Probleme, die der Vergangenheit angehören: Wohin mit der Fanpost an Wolfgang Hohlbein oder Michael Ende?

Welche Herausforderungen siehst Du im Zusammenhang mit den neuen Medien? Kann man über seinen Blog oder eine Facebook-Seite Bücher vertreiben, mit seinen Lesern in direkten Dialog treten etc.? Wenn ja, wie soll das konkret aussehen?

Information und Kommunikation sind für mich die zwei Schlüsselworte im Zusammenhang mit dem Internet. Ich nutze gerne soziale Medien wie Facebook, um mit meinen Lesern in Kontakt zu kommen. Das geht heute ja viel direkter und unkomplizierter als früher. (Ich zumindest habe nie Fanpost an Wolfgang Hohlbein oder Michael Ende geschrieben, weil ich als Zwölfjähriger gar nicht gewusst hätte, wohin ich den Brief senden soll.)

Bücher verkaufe ich eigentlich nur dann selbst, wenn mich jemand direkt anspricht, dass er gerne ein signiertes Exemplar erwerben würde. Für den Buchverkauf gibt es – im Bestfall – den lokalen Buchhandel. Aber natürlich betreiben alle Autoren Werbung für ihre Bücher auf ihren Websites, in Blogs oder sozialen Medien. Das ist heute fast schon Pflicht, um in der Schwemme der Neuerscheinungen nicht unterzugehen.

 

„Was die Verkäufe angeht, so merkt man in den letzten paar Jahren schon einen gewissen Rückgang.“

 

Ist es als etablierter Autor möglich, mit der eigenen schriftstellerischen Tätigkeit genug Geld zu verdienen, um alle Rechnungen bezahlen zu können? Wie hat sich das in den letzten Monaten bzw. Jahren verändert?

Ja, es ist möglich, ansonsten würde ich etwas anderes machen. (Sofern man nicht auf den großen Reichtum hofft, denn der findet sich nicht in der Buchbranche – ein paar Bestsellerautoren ausgenommen.) Es ist allerdings oft, und auch bei mir, eine Mischkalkulation. Autoren übersetzen auch mal Bücher oder lektorieren sie und verdienen sich so ein Zubrot. Mir ist es auch ganz angenehm, zwischen zwei Schreibprojekten zu übersetzen. Das entspannt den Geist und gibt einem die Gelegenheit, den kreativen Speicher aufzufüllen. Ein Buch nach dem anderen zu schreiben ist ziemlich anstrengend.

Was die Verkäufe angeht, so merkt man in den letzten paar Jahren schon einen gewissen Rückgang. Zumindest merke ich es in der Fantasy. Gründe sind sicher zum einen das Aufkommen einer Vielzahl extrem guter TV-Serien, die Dank Netflix und Co rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Das zieht etliche ehemalige Leser ab, die nun abends lieber „Stranger Things“ oder „Game of Thrones“ schauen als zu lesen.

Zum anderen wäre da das neue Massenphänomen Selfpublishing, das natürlich die Menge an verfügbaren Texten noch einmal spürbar erhöht hat, zumal ich das Gefühl habe, als würden Selfpublisher auch besonders gerne Texte von anderen Selfpublishern lesen. Das ist völlig legitim und zeugt von der Lebendigkeit der Kreativszene! Aber natürlich reduzieren mehr Texte schlicht und ergreifend statistisch die Anzahl an Lesern pro Buch.

Wohin das Ganze führen wird, muss sich noch zeigen. Aber den Verlust an Lesern erfährt der Buchmarkt ja schon seit den 80ern, als die ersten Videospiele und VHS-Cassetten aufkamen. Die Medienkonkurrenz ist Fluch (für die Macher) und Segen (für die Konsumenten) zugleich. Nur als Beispiel: Früher waren „Star Trek“-Romane Bestseller! Heute muss man sie in Buchläden suchen.

 

„Die Verlage sind nicht meine Feinde.“

 

Gibt es einen zunehmenden Konkurrenzdruck unter den Autoren? Nutzen die Verlage das aus? Wie kollegial sind die Autoren untereinander?

Ich habe eigentlich nie Konkurrenzdruck verspürt, zumindest nicht im negativen „Ich nehm’ dir deine Leser weg, Bitch“-Sinne. Gerade die Fantasy-Szene in Deutschland ist nicht besonders groß. Viele von uns kennen sich und sind auch befreundet. Das heißt nicht, dass nicht jeder von uns gerne seine eigenen Bücher auf den Verkaufsstapeln der Buchhandlungen sehen würde! Aber darauf haben wir Autoren eh nur wenig bis gar keinen Einfluss. Das entscheiden die Vertriebsleute der Verlage und die Buchhändler. Insofern hege ich keinen Groll gegen z.B. Markus Heitz, weil sein neuer Roman auf Stapel bei Thalia liegt und meiner nur einzeln im Regal steht. Wenn, dann werfe ich das innerlich dem Verlag oder dem Buchhandel vor. (Und gelegentlich den Lesern, die doch bitte mal den Mut zu etwas Neuem haben sollten. ;-) )

Wie kollegial Autoren sind, ist schwer zu beantworten. Wenn mich jemand aus meinem Umfeld um Hilfe bittet, würde ich ihm helfen, sofern es in meiner Macht steht und meine knappe Zeit nicht über Gebühr beansprucht. Ich denke, dass die meisten anderen Fantasy-Autoren das ähnlich halten. Über das Gebaren in anderen Genres kann ich keine Aussagen treffen.

Was Verlage machen, ist eine eigene Geschichte. In deren Vorgehensweisen habe ich nur bedingt Einblick. Ich weiß nicht, ob sie intern das Projekt eines anderen Autors dem meinen vorziehen, weil dieser z.B. 500 Euro billiger wäre. Wenn ja, sagen sie es nicht laut. Es gibt keine Gespräche in dem Sinne: „Wir würden dein Buch gerne machen, aber Autor X ist billiger. Na, gehst du im Preis runter?“ Für so einen Verlag würde kein Autor, der einen Rest Würde hat, schreiben. Außerdem gibt es immer elegantere Argumente als „Autor X“, um weniger Vorschuss anzubieten. ;-) Etwa den Zweifel, ob ein Projekt vom Markt angenommen wird. In dem Fall muss jeder Autor für sich entscheiden, für wie viel oder wenig Geld er zu arbeiten bereit ist.

Andererseits – und das will ich nochmal deutlich sagen – sind die Verlage nicht meine/unsere Feinde! Deren erklärtes Ziel ist ja nicht, uns Autoren über den Tisch zu ziehen und auszunehmen. Ich kenne meine Redakteure bei Bastei Lübbe, bei Fischer-Tor und bei Thienemann seit Jahren sehr gut und wir gehen absolut freundschaftlich miteinander um. Viele von ihnen waren früher auch selbstständig – als Agenten, als Lektoren oder Übersetzer – und kennen daher beide Seiten der Verlagsbranche. Wir sind Partner, die gemeinsam etwas schaffen wollen, das optimalerweise für jeden (Autor, Verlag, Leser) ein Gewinn ist. Klar kann es auch mal knirschen. Aber das liegt dann an einem konkreten Menschen oder Projekt und nicht am System „Verlage“ an sich.

E-Book-Piraterie: „Ein Burger-Menü kostet doch heutzutage 7,99 Euro! Und das hat man schneller verdaut.“

Bernd Perplies

Wie beurteilst Du den Verkauf von E-Books für 99 Cent bei Amazon & Co.? Bekommen die Werke dadurch nicht ein Ramsch-Image frei nach dem Motto: was nichts kostet, ist nichts wert?

In der Tat finde ich das nicht besonders toll, denn es ruiniert natürlich die Preise für die normale Buchbranche. 99 Cent sind nicht rentabel – das ist schlicht ein Kampfpreis, der primär durch Amazons Publishing-System befördert wird (die sich über Content, um den sie sich nicht kümmern müssen, freuen). Ich verstehe, warum ein Autor diesen Preis festsetzt, denn so lockt er Spontankäufer an, was den Verkaufsrang hebt – und Sichtbarkeit ist im unüberschaubaren Meer der Neuerscheinungen für den eigenen Erfolg verdammt wichtig.

Aber diese Taktik nützt nur zwei Personen: dem Autor und der Online-Plattform, die den Inhalt präsentieren kann. Dem Buchmarkt als Ganzes schadet es aus oben genanntem Grund eher. (Zumal Bücher auch für 9,99 Euro wirklich nicht teuer sind. Ein Burger-Menü kostet doch heutzutage 7,99 Euro! Und das hat man schneller verdaut.)

Wer Bücher tauschen oder verleihen will, muss sich „mit echten Büchern behelfen“.

 

E-Books darf man nach dem derzeit gültigen Urheberrecht weder nach dem Kauf verschenken und auch nicht verleihen. Wie kann man damit am besten umgehen? Welche Lösungen schweben Dir diesbezüglich vor?

Das ist das grundlegende Problem des nichtkörperlichen Mediums. Natürlich ist die Frage berechtigt: Wenn ich ein Buch nach dem Kauf weitergeben darf, warum nicht auch ein E-Book? Bloß: Die generelle Erlaubnis, das zu tun, würde eine „bessere“ Menschheit erfordern, als wir sie sind. Wenn ich ein Buch verschenke, kann ich nicht anders, als es abzugeben. Ich besitze es nicht mehr. Wenn ich aber ein E-Book weitergebe, verbleibt doch in den meisten Fällen irgendeine Form der „Sicherheitskopie“ auf der eigenen Platte. Schwupps sind aus einem Buch zwei geworden! Gleiches gilt beim Verleihen. Es gibt ja niemand ein E-Book nach dem Lesen zurück, es sei denn er wird – wie bei der Online-Leihe in Bibliotheken – technisch dazu gezwungen. Insofern halte ich die rechtlichen Einschränkungen, die mit dem Medium einhergehen, für unvermeidlich, wenn auch nicht ganz glücklich.

Die einzige „saubere“ Lösung wäre im Prinzip ein völlig technischer Zwang. Bei Amazon z.B. sind ja alle E-Books mit einem Account verknüpft. Dort wäre es sicher machbar, dass man gekaufte E-Books aus seinem Account entfernt, um sie einem anderen Account gegen Geld oder geschenkt oder leihweise zu übertragen. In dem Moment wären gewollte oder ungewollte Kopien des Werks ausgeschlossen und die gegenwärtige Rechtssituation unnötig. Andererseits wäre die Abhängigkeit vom Anbieter dadurch noch größer, der gläserne Mensch noch gläserner. Ob das wirklich die bessere Alternative zur aktuellen Situation ist, sei mal dahingestellt.

Unterm Strich bleibt also Menschen, die gerne Bücher tauschen und verleihen, wohl einstweilen nur, sich mit „echten“ Büchern zu behelfen. Die sind ohnehin viel schöner als E-Books. ;-)

 

Wie stehst Du zum Thema Buchpreisbindung? Würdest Du die Preise Deiner Bücher gerne anders gestalten? Und wenn ja, wie?

Ich muss gestehen, dass ich mich damit nicht eingehend genug beschäftigt habe, um eine fundierte Meinung zu haben. Also eher aus der Hüfte geschossen: Wir haben ja die Buchpreisbindung, um den Buchhandel zu bewahren. Egal ob bei Buecher.de oder im Laden um die Ecke kosten Bücher halt überall gleich viel. Was passiert, wenn es die Buchpreisbindung nicht gäbe, sieht man an der Zahl der unabhängigen DVD-Geschäfte. (Ich kenne keine.) Dann wäre der Verkauf den Handelsriesen vorbehalten, weil nur diese Läden entsprechende Kampfpreise bieten können. (Die ich als Konsument durchaus schätze, keine Frage.) Wie der Buchmarkt etwa in Ländern ohne Buchpreisbindung aussieht – etwa Amerika – weiß ich schlichtweg nicht. Daher: Ich akzeptiere, dass es die Preisbindung gibt und bin im Allgemeinen auch mit dem Preis meiner Bücher zufrieden. Irgendwo zwischen 8,99 und 12,99 Euro ist nicht zu billig und nicht zu teuer, wie ich finde. Und immerhin kann ich so unseren Buchladen im Ort unterstützen, ohne dabei meines Idealismus’ wegen einen finanziellen Verlust zu erleiden.

Bernd Perplies: „Ein paar Euro muss auch eine „Datei“ kosten, damit sie für alle Beteiligten noch etwas abwirft.“

 

 

Sollten E-Books so viel wie derzeit kosten? Oder weniger, weil im Gegensatz zu den gedruckten Büchern die Kosten für Logistik, Druck etc. entfallen?

Es gibt meines Erachtens kein allgemeines „derzeit“. Es gibt Verlage, die verlangen für ein E-Book den Buchpreis minus 1 Euro. Das finde ich zu viel – und habe das auch schon Verlagen gegenüber geäußert. Und es gibt Verlage, die verlangen für ein E-Book vielleicht 60% des Buchpreises. Das finde ich völlig in Ordnung. Ja, man muss ein E-Book nicht drucken, lagern und per Post versenden. Aber man muss es formatieren, digital sichern und über einen Online-Vertrieb zur Verfügung stellen. Kosten fallen hier wie dort an. Es mögen beim E-Book weniger sein, aber ein paar Euro muss auch eine „Datei“ kosten, damit sie für alle Beteiligten (Autor, Verlag, Handel) noch etwas abwirft.

 

Im Juni dieses Jahres wurde das illegale Verkaufsportal LuL.to geschlossen. Kurze Zeit später erschienen Deine Bücher „Der Drachenjäger – Die erste Reise ins Wolkenmeer“ und „Die Wächter von Aquaterra“. Spiegelt sich die Schließung von LuL.to in den Verkaufszahlen Deiner Bücher wider?

Das kann ich aktuell noch gar nicht beantworten, weil ich nur die Vorbestellerzahlen kenne und nicht weiß, wie viele Leute in den ersten Wochen die Bücher gekauft haben, die sonst vielleicht zu LuL.to gelaufen wären. Es ist auch deshalb meines Erachtens schwer zu sagen, weil der Verkaufserfolg von Buch zu Buch schwankt. „Der Drachenjäger“ könnte also erfolgreich sein, weil er einfach gut von den Lesern angenommen wird. Oder weil auf einmal tausend Menschen Geld dafür ausgeben, die sich das Buch vorher illegal gezogen haben. Eine erhellende Antwort könnten wohl nur Umfragen innerhalb der Szene liefern.

 

Schade, denn derartige Umfragen gibt es dort leider nicht. Hast Du Deinen Verlag eigentlich von vornherein über dieses Interview informiert, zumal die Urheberrechtsproblematik hier doch recht kontrovers diskutiert wird?

Nein, meine Verlage (ich habe ja nicht „den Verlag“) wissen aktuell nichts von dem Interview. Solche Aktivitäten spreche ich nicht ab. Ich tue und sage ja nichts, was meinem Ruf oder dem eines Verlags schaden würde. Tatsächlich ist es mein Anliegen, mal einen Einblick in „die andere Seite“ zu bieten und zu zeigen, dass auch in der Buchindustrie überwiegend ganz normale Menschen arbeiten – gerade in kleineren Verlagen oft zu viel und für wenig Geld.

 

Was glaubst Du, wie andere Autoren über dieses Interview denken werden?

Ich nehme an, sie werden dem Großteil meiner Antworten im Grunde zustimmen. Vielleicht nennen mich auch ein paar, die besser informiert sind als ich, einen naiven Narren. Keine Ahnung. Ich werde es merken, sobald ich das Interview in meinen sozialen Medien verlinke.

 

Star Trek Into Darkness: „Wenn ein Plot gewaltige Löcher aufweist, dann krümmt sich der Autor in mir…

 

Wie denkst Du eigentlich über die sechs Fernseh-Serien von Star Trek? Die aktuellste „Enterprise“ war ja eher langatmig und fiel in den Augen vieler Fans weniger spannend aus. Dem hingegen regen die letzten drei Kinofilme mit ihren Actioneinlagen und hektischen Drehbüchern den Adrenalin-Ausstoß der Zuschauer erheblich an.

Was magst Du lieber: eher geruhsame oder actiongeladene Star Trek Filme?

 

Ich mag beides. Wichtig ist für mich nicht, ob eine Geschichte ruhig oder actionreich ist, sondern ob sie stimmig ist oder nicht. Was das betrifft, war ich mit den NuTrek-Filmen (vor allem „Into Darkness“) nicht sehr glücklich. Sie sehen toll aus, sie haben coole Schauspieler und ein schnittiges Tempo. Aber wenn ein Plot gewaltige Löcher aufweist, dann krümmt sich der Autor in mir, weil er das Gefühl hat, dass hier vor allem Geld für Effekte und nicht für ein gutes Drehbuch ausgegeben wurde. „Enterprise“ hat mir übrigens sehr gut gefallen. Natürlich war nicht jede Episode gut (aber das gilt für alle „Star Trek“-Serien), doch sowohl dieses erste, zögerliche Vordringen ins All als auch die Krisensituation in der dritten und die Anfänge der Föderation in der letzten Staffel haben mich gut unterhalten. Aus dem Grund übersetze ich auch mit großer Freude seit Jahren die „Enterprise“-Romane, die bei Cross Cult erscheinen und nach der TV-Serie angesiedelt sind.

 

Ausblick

Besteht der Wunsch auch mal einen anderen Bereich der Belletristik zu probieren?

Nein. Ich mag keine Krimis, für historische Romane fehlt mir der Wille zum umfangreichen Recherchieren und Liebesromane könnte ich wohl gar nicht schreiben. Außerdem ist alles besser, wenn Zwerge darin auftauchen. Oder Drachen. In meinem Fall wohl eher Drachen.

 

Das Haus am Meer, der Elfenbeinturm oder mitten in der City: Wo lebt Bernd Perplies in 30 Jahren? Und was machst Du dann beruflich?

Gegen ein Haus am Meer hätte ich nichts einzuwenden, aber bis dahin müssten wohl noch viele meiner Bücher verkauft werden. Abgesehen davon bin ich hier, wo ich lebe – auf der grünen Wiese nicht weit von Stuttgart entfernt –, sehr glücklich und ich hoffe, es auch in 30 Jahren noch zu sein. Als Autor fantastischer Geschichten. In 30 Jahren gelte ich dann vielleicht schon als Altmeister des Genres. Das würde mir gefallen. ;-)

 

„Der Mensch ist gläserner denn je“

 

Bernd Perplies

Dir fehlt es ja nicht gerade an Fantasie: Hast Du eine Idee, wie sich das Internet bis dahin entwickeln könnte?

Ausgehend vom heutigen Stand der Dinge gehe ich davon aus, dass sich die Digitalisierung in allen Lebensbereichen noch stärker ausbreiten wird. Der Mensch ist gläserner denn je, das Internet herrscht immer und überall, was oft nützlich ist, gelegentlich aber auch nervt. Der Kühlschrank kauft für uns ein, die Haustechnik wird ferngesteuert, Medien existieren primär virtuell. Das alles gibt es heute auch schon, allerdings wird das, was heute noch als „neumodischer Schnickschnack“ gilt (z.B. intelligente Kühlschränke) in Zukunft einfach normal sein. Vermutlich wird alles noch viel lauter und bunter sein als heute. Texte spielen immer weniger eine Rolle, stattdessen ist alles Video und interaktiv. Ein Interview wie dieses gäbe es vermutlich nicht mehr. Viel zu viel zu lesen! Stattdessen würden Fragen und Antworten einfach als Audio- oder Videoschnipsel ausgetauscht.

 

Wie sieht die Technik dann aus? Sind wir im Jahr 2047 wie bei William Gibsons „Neuromancer“, Menschen, die sich mit ihrem Gehirn ins weltweite Netz einklinken?

Das bezweifle ich. Die Medizintechnik schreitet doch langsamer voran, als man denkt, und bis zur (alltäglichen) Gehirnsteuerung von Dingen ist meines Erachtens noch ein weiter Weg. Ich stelle mir eher vor, dass wir alle mit stylischen Smartbrillen herumlaufen, dass wir uns ständig in einer Augmented Reality bewegen, die wir mit Gesten, Worten und Blicken manipulieren. In einem späteren Schritt werden daraus dann irgendwann AR-Kontaktlinsen, aber auch das dauert noch eine Weile, weil es doch eine extreme Miniaturisierung voraussetzt.

 

Antonia & Lars: Bernd Perplies, wir bedanken uns sehr herzlich für dieses ausführliche Gespräch. Wir kommen Sie dann gerne in 30 Jahren in Ihrem Haus am Meer besuchen.

 

Beitragsbild: Bernd Perplies auf der Comic Con 2017. Fotograf: Raboe001, thx!  (CC BY-SA 3.0 DE)

Realisierung: Antonia & Lars Sobiraj. Danke an alle Leser, die für dieses Interview ihre eigenen Fragen eingereicht haben!!!

 

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