Die GVU im Wandel: neue Webseite und Pressesprecherin

Article by · 9. September 2015 ·

gvu webseite screenshot
Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen e. V. (GVU) erfindet sich zwar nicht neu, dennoch gab es letzte Woche gleich mehrere Pressmitteilungen in eigener Sache. Christine Ehlers wird demnächst ihre Tätigkeit einstellen, zudem wurde die Webseite der Berliner Piratenjäger neu aufgesetzt.

Fangen wir mit der weniger wichtigen Information an. Die neue Webseite soll jetzt mehr Informationen bereithalten, sie soll mehr Service bieten, vor allem aber möchte man nicht von Google wegen der mangelnden Kompatibilität mobiler Browser abgestraft werden. Wie man „Werkschöpfer und Vermarktungspartner schützt“, kann man nun mit aufgebohrten Grafiken und im Responsive Webdesign anschauen, das sich automatisch der Auflösung des darstellenden Geräts anpasst.

Deutlich schockierender erscheint im Vergleich die Meldung, dass Christine Ehlers im dritten Quartal 2015 ihre Stelle als GVU-Pressesprecherin räumen wird. Nach acht Jahren Antipiracy im Hamburg und später in Berlin ist für sie schlichtweg die Zeit für ein neues Thema und ein neues Aufgabenfeld gekommen. Frau Ehlers hat ihren Posten im Juli 2007 besetzt. Das war exakt ein Jahr, nachdem ich meine freiberufliche Tätigkeit bei gulli.com aufgenommen habe. Bestand anfangs viel Skepsis auf beiden Seiten, so haben sich die Vorurteile allerorts im Laufe der Zeit in Luft aufgelöst. Mit Frau Ehlers war stets ein offener und vorbehaltloser Austausch möglich, mit den meisten anderen Vertretern (übrigens egal welcher Branche) ist dies nicht machbar. Nach der Übernahme von gulli durch die Wiener InQnet GmbH folgten drängende Fragen nach dem Geschäftsführer Valentin Fritzmann (jetzt: Florian Schweiger) und seinen Beteiligungen an einem der führenden Usenetprovider des Netzes. Es kam zu sehr ausführlichen Interviews mit der GVU bei gulli.com, bei denen insbesondere die rege Teilnahme der dortigen Community positiv überrascht hat. (Teil 1 des Fachgesprächs, Teil 2 und Teil 3) Statt von einem anonymen Vertreter der ach so bösen Content-Industrie wurden die Fragen der Leser plötzlich von mehreren realen Personen beantwortet. Die Diskussion im gulli:board scheiterte dann zwangsweise irgendwann am Zeitmangel von Frau Ehlers bzw. der endlosen Freizeit mancher Forenmitglieder, denen immer neue Aspekte eingefallen sind, die sie mit den Piraten-Jägern besprechen wollten.

GVUViel zu tun gab es für sie insbesondere nach dem kino.to-Bust. Trotzdem hat sich an der Urheberrechts-Problematik in all den Jahren so gut wie nichts geändert. Auch von Seiten der Politik wurde dieses Thema weder auf nationaler noch auf übergreifender Ebene in einer Art und Weise angepackt, die für eine andere Rechtsdurchsetzung gesorgt hätte. Eine internationale Lösung kann (wenn überhaupt) nur auf Basis jahrelanger Verhandlungen gefunden werden. Doch seit Aufkommen der ersten Tauschbörse im Internet ist viel Zeit vergangen. Napster revolutionierte 1999 den Datenaustausch. Aus dem zentralen Netzwerk, welches juristisch angreifbar war, sind dezentrale geworden. Später kamen nach dem Vorbild von RapidShare die Sharehoster dazu. Sie haben zwar bis heute den Vorteil, das wegen der Nutzung dieser Dienste beinahe keine Abmahnungen verschickt werden. Doch alleine damit ist keinem Rechteinhaber geholfen. Nur weil sehr viel weniger Abmahnungen verschickt werden, gehen die Einnahmen der Kreativwirtschaft nicht automatisch in die Höhe, eher das Gegenteil ist der Fall. Die alles entscheidende Frage lautet damals wie heute, ob man die Daten (Filme und Musikalben sind nichts anders als Daten) überhaupt noch irgendwie kontrollieren kann. (Antwort: Kann man nicht!) Wer will, kann die Nutzer mit guten Konditionen und einem umfangreichen Repertoire locken. Das hat man bei Netflix, Spotify, Apple Music & Co. verstanden.

Der anhaltende Stillstand der Thematik dürfte auch bei Frau Ehlers eine Rolle gespielt haben. Was sie vor acht Jahren verkündete, ist bis auf wenige Ausnahmen noch immer aktuell. Irgendwann braucht man neuen Input, neue Aufgaben. Oft die gleichen Telefonate zu führen, ähnlich gelagerte Fachkongresse zu organisieren oder Pressemitteilungen zu schreiben, macht sicher irgendwann keinen Spaß mehr. Das gilt insbesondere für eine Person, die sich ihrer Aufgabe vollends verschrieben hat und darin aufgegangen ist. Halbe Sachen zu machen, ist nichts für sie. Zumindest habe ich Frau Ehlers in dieser Weise kennengelernt.

Bleibt abzuwarten, ob die Nachfolgerin bzw. der Nachfolger die Tätigkeit ähnlich engagiert, unvoreingenommen und selbstkritisch realisieren wird.

Beitragsbild: Screenshot von www.gvu.de

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2 Comments

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    gema ist wie die gema, xD kriegste nicht weg bleiben an kleben wie ein klebestift

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    Anti-GVU

    Besser sollte sich die GVU selbst abschaffen. Können sowieso null. Außer ein Informant informiert gegen Geld.


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