Die dunklen Seiten im Netz: Interview mit movie2k.to

Artikel von · 22. Mai 2013 ·

Streaming-Portale stellen zusammen mit Filehostern und P2P-Tauschbörsen im Web die größte Bedrohung für die Filmwirtschaft dar. Niemand kann sie erfolgreich abschalten oder verfolgen, die GVU versucht dies erfolglos seit mehreren Jahren. Auch können die Zuschauer im Gegensatz zum Filesharing nicht mit Abmahnungen übersät werden. Nachdem ich im Jahr 2010 den Betreiber von kino.to befragt habe, war 2011 ein Administrator von Movie2k.to an der Reihe.

Er erklärte mir, was er von Abofallen im Graubereich oder den Unternehmen aus Hollywood hält. Ihn zu kontaktieren war denkbar einfach, weil Movie2k im Gegensatz zu den meisten Anbietern eine eigene E-Mail-Adresse unterhält. Er findet die Vorstellung „albern„, dass seine Website die Arbeitsplätze in der Filmbranche vernichten könnte. Die Umverteilung sei vielmehr eine Art Regulierung des Marktes, weil zuvor eine Monopolstellung beim Vertrieb der Filmwerke herrschte. Das Interview wurde ursprünglich auf dem IT-Portal gulli.com veröffentlicht.

Das Angebot dieser Website ist genau so beschaffen, wie auch ein kommerzielles Portal aussehen müsste. Schon vor zwei Jahren hatte Movie2k.to mehr als 40.000 Filme und TV-Serien im Angebot, die allesamt über einen Klick erreichbar sind. Eine Anmeldung entfällt. Die meisten angebundenen Filehoster bieten den kostenlosen Stream für eine Stunde an. Nach 60 Minuten muss man den Streaming-Hoster wechseln, will man sich den restlichen Film anschauen. Die Namen der Hoster wechseln, die Betreiber bleiben die gleichen. Die Suche nach Filmtiteln und die übersichtliche Gestaltung der Seite macht es den Filmfreunden so einfach wie möglich, ihrem Hobby zu frönen.

Bei den Juristen ist die Benutzung dieses Online-Angebots allerdings umstritten. Während manche Rechtsanwälte den reinen Empfang der Streams ohne den haptischen Download der Filme als Datei als legal ansehen, gehen andere vom Gegenteil aus. Wenn die Unternehmen Hollywoods nicht bald einen ähnlich guten Online-Shop auf die Beine stellen und ihre Filmverwertungskette aufbrechen, werden sie am Erfolg derartiger Angebote aus dem Graubereich nicht teilhaben können. Zwar verdienen die Unternehmen weiterhin gut, die Kassen in den Kinos klingeln. Dennoch könnte es weitaus mehr sein, würde man die alten Strukturen aufgeben.

Ich wollte vom Betreiber von Movie2k wissen, wie er sich den Filmkonsum der Zukunft vorstellt, und welchen Anteil derartige Webseiten künftig ausmachen werden.

Lars Sobiraj: Welchen Vorteil haben Streamingseiten denn grundsätzlich im Gegensatz zum tatsächlichen Download der Dateien?

Movie2k.to: Die Vorteile liegen auf der Hand: Streams sind sehr einfach in ihrer Nutzung; der Besucher von Streamingseiten kann schnell und unkompliziert das sehen, was er sehen möchte. Das Runterladen von Filmen kostet Zeit und nimmt Speicherplatz auf der Festplatte weg. Oftmals findet man keine ganze Filmdatei, sondern etliche verpackte Teile, die man unter Beachtung einer Wartezeit einzeln runterladen muss – vorausgesetzt, man will dafür nicht bezahlen. Darüber hinaus wissen viele Internetnutzer nicht, wie man eine Downloaddatei findet oder sie haben Angst, in Unkenntnis einen Virus herunterzuladen. Während das Ansehen von Streams legal ist auch in Deutschland, befindet sich das Downloaden von Filmen im rechtlichen Graubereich.

Lars Sobiraj: Nein, der Download von urheberrechtlich geschützten Filmen ist in Deutschland nicht legal. Aus welchen Ländern kommen denn eure Besucher?

Movie2k.to: Etwa die Hälfte unserer Besucher kommt aus Deutschland. Mehr als ein Drittel kommt aus englischsprachigen Ländern; vor allem aus den Staaten und aus dem Königreich. Dann haben wir viele Besucher aus weiteren deutschsprachigen Ländern, wie Österreich und Schweiz. Seit kurzem verzeichnen wir vermehrt Besucher aus dem Mittleren Ostern, vornehmlich aus Indien, Pakistan und Katar. Unser Hauptaugenmerk gilt den Spielfilmen; vor allem den Kinofilmen, aber auch den älteren Spielfilmen.

Lars Sobiraj: Wie zeitaufwendig ist der Betrieb eures Portals? Wie viele Personen sind an Movie2k beteiligt, worin liegen deren Aufgaben?

Movie2k.to: M2k ist eine aktuelle und übersichtliche Plattform; damit das so bleibt, arbeiten wir täglich gewissenhaft an der Aufrechterhaltung dieser Qualitäten. Weiterhin entwickeln und realisieren wir neue Ideen, um unsere Seite noch nutzerfreundlicher und somit attraktiver zu machen. Das sind ausgesprochen zeitaufwendige Aufgaben. Der harte Kern, der sich täglich in den Dienst der Sache stellt, besteht aus einer Handvoll von Leuten; darüber hinaus profitieren wir von vielen freiwilligen Helfern, die quer über den Globus beheimatet sind und uns helfen, wann immer es nötig ist.

Lars Sobiraj: Warum gibt es bei euch im Gegensatz zu Kino.to keine Links zu Abofallen? Was haltet ihr denn von Anbietern wie Opendownload.de oder Antivirus-Security.net?

Movie2k.to: Wir hatten kurze Zeit über Links auf unserer Seite, die zu Abofallen führten. Nachdem sich jedoch viele Benutzer bei uns beschwert hatten, nahmen wir die Links wieder raus. In der Tat ist das ein lukrativer Markt; doch darum geht es uns nicht. Bei der Abowerbung handelt es sich um reine Abzocke; die Unwissenheit der Besucher wird ausgenutzt, um ihnen für ein Produkt, das, wenn nicht kostenlos, so zumindest zu einem sehr viel niedrigeren Preis woanders zu haben wäre, das Geld aus der Tasche zu ziehen. Dass die kino.to-Betreiber sich daran bereichert haben, und wir nicht, das sagt ja wohl einiges über unser beider verschiedene Motivationen aus.

movie2k.to-screenshot2Lars Sobiraj: Findest Du, dass Filmemacher selber darüber entscheiden sollen, wer, wann und mit welcher Entlohnung sich das Publikum ihre Filme anschauen kann?

Movie2k.to: Wer an Filmen verdient – das hat sich bereits durch ein selbstregulierendes System festgelegt. Wer ist denn mit Filmemacher gemeint? Es gibt zum einen den Regisseur, der den Schauspielern sagt, wie sie zu spielen haben. Die Schauspieler haben einen Vertrag und erhalten eine Gage, und sind somit für ihre Arbeit entlohnt worden. Dann gibt es jemanden, der vorher das Drehbuch schrieb; dieses wird ihm abgekauft; somit erhält auch er eine vorher abgemachte Entlohnung. Dann gibt es einen Produzenten, der die Produktion überwacht. Dieser arbeitet für das Studio, welches die Produktionskosten trägt. Das Studio wiederum schließt Verträge mit den Vermarktern, den Verleihern und den Vertrieben. Die Filmemacher, also diejenigen, die künstlerisch in Abgrenzung zu kaufmännisch an einem Film beteiligt sind, verkaufen ihre Rechte, um das Geld zu bekommen, die Arbeit zu realisieren. Somit ist vorab geregelt, wer wie am Gewinn beteiligt wird.

Lars Sobiraj: Warum der Pornobereich, wo es doch schon jede Menge Frischfleisch-Videohoster gibt? Reichen YouPorn, PornHub & Co. nicht aus?

Movie2k.to: Der Pornobereich lockt sehr viele Besucher an. Wir installierten ihn, um die Seite schneller wachsen zu lassen – da mehr Besucher immer noch mehr Besucher anlocken. Allerdings überlegen wir schon seit geraumer Zeit, ob wir den Pornobereich wieder aufgeben. Hier spielt das Abwägen unserer Interessen eine Rolle; ob das Bestehen eines Pornobereichs bereits seinen Zweck erfüllt hat und wir auf ihn verzichten können oder ob es binnen kürzester Zeit zu weitaus weniger Seitenbesuchen käme, gäbe es ihn nicht mehr.

Anmerkung: Den XXX-Bereich gibt es im Sommer 2013 noch immer.

Lars Sobiraj: Ein häufiges Argument der Szene für die Verbreitung von Filmen, TV-Serien, Games, Hörbüchern, PDFs, Musik etc. ist, dass Informationen bzw. Kultur frei für jeden erhältlich sein muss und wirtschaftliche Interessen dabei keine Rolle spielen dürfen. Bei euch ist dennoch Werbung zu finden und ihr verdient somit Geld mit der Vermittlung der zumeist illegalen Streams. Wie stehst Du zu diesem Argument der Szene? Wie rechtfertigst Du die Einnahmen, die bestimmt über die reine Kostendeckung hinausgehen?

streamcloudMovie2k.to: Wer uns große Bereicherung unterstellt, hat eine überzogene Vorstellung davon, wie wenig Geld am Ende übrig bleibt. Wir verdienen genug, um die anfallenden Kosten zu decken und mehr als wenn wir als Friseure in Thüringen arbeiteten; doch würde es sich für uns tatsächlich finanziell mehr lohnen, als Fachkraft im IT-Bereich tätig zu sein. Wir betreiben die Seite nicht des Geldes wegen, sondern um nachhaltig etwas für die Community zu tun. Wir sammeln Links zu Hostern, auf denen Filme und Serien angesehen werden können und erreichen damit sehr viele Menschen. Wir verbreiten, was aus der Szene kommt, damit auch diejenigen davon etwas haben, die sonst keinen Zugang dazu hätten. Movie2k bietet durch Einfachheit und Übersichtlichkeit einer breiten Masse die Möglichkeit, in den Genuss von legalen Streams zu kommen, die sonst nur einigen wenigen vorbehalten wäre, die sich damit auskennen.

Lars Sobiraj: Wenn wir schon beim Thema sind: Werden die IP-Adressen der Besucher gespeichert? Wie steht es um den Datenschutz?

Movie2k.to: Wir speichern die IP-Adressen unserer Besucher nicht. Daher besteht auch nicht die Gefahr, dass Daten, die auf die Identität unserer Besucher schließen lassen könnte, in falsche Hände geraten. Selbst wenn es bei uns, spaßeshalber angenommen, zu Geheimhaltungspannen käme (wie wir es in den vergangenen Jahren vielfach bei etlichen Großunternehmen erleben durften) – ein etwaiger Datenverlust oder eine unabsichtliche Datenweitergabe kann keine Informationen preisgeben, die wir nicht besitzen.

Lars Sobiraj: Gibt euch Betreibern die Verurteilung der Admins von The Pirate Bay zu denken?

Movie2k.to: Wir verfolgen diesen Prozess mit hohem Interesse. Grundsätzlich hat sich jedoch unser Standpunkt nicht verändert, den wir vor knapp zwei Jahren in einem Interview mit Welt.de deutlich machten. The Pirate Bay benutzen eigene Tracker und sind bieten somit einen aktiven Dienst an, ohne den der Datenaustausch nicht funktionierte. Außerdem bieten wir auch nicht den Download von Filmen an, sondern lediglich die Links zu den Streaminghostern.

Lars Sobiraj: Was sagt Du zu der Aussage, dass Streaming-Websites viele Arbeitsplätze in der Film-, Musik-, Porno-Industrie etc. vernichten, und zwar nicht nur die der Mitarbeiter, sondern auch die Arbeitsplätze von Schauspielern oder Musikern u.s.w.?

Movie2k.to: Diese Aussage ist albern. Das will ich erklären: Den in der Frage genannten Industrien lag jahrzehntelang eine Monopolstellung in Vermarktung und Vertrieb inne. So kam es zu enormen Gewinnen, die das natürliche Resultat einer Wirtschaftsblase sind. Was jetzt geschieht, ist nichts anderes als das Zurückholen der Industrie auf den Boden der Tatsachen. Sobald etwas durch neue technische Entwicklung möglich wird, wird es realisiert; und wenn nach der Realisierung eine Nachfrage besteht, hat diese Neuerung eine Daseinsberechtigung; dieser Grundsatz gilt generell für alle Entwicklungen, die keine weitreichenden Folgen für den Menschen an sich mit sich bringen; Möglichkeiten wie das Klonen von Menschen beispielsweise sind und bleiben weiterhin genau abzuwägen; hier jedoch handelt es sich um eine wirtschaftliche Veränderung, die wir, in einer Wirtschaftsform, die Fortschritt a priori voraussetzt, als legitim ansehen.

Lars Sobiraj: Hast Du schon einmal darüber nachgedacht, dass Du mit solchen Geschäftsmodellen im Endeffekt die Freiheit des Netzes möglicherweise selbst einschränkst? Schon jetzt sind sich die Hardliner in vielen Ländern darüber einig, gegen gewerbliche Angebote härter vorgehen zu wollen. Politiker werden von der Lobby der Industrie bedrängt, möglicherweise sogar die Netzneutralität in ihren Nationen einzuschränken.

movie2k.toMovie2k.to: Nun mal langsam. Wer ist denn im vorliegenden Fall die treibende Kraft, in der Bestrebung, die Netzneutralität einzuschränken? Nicht etwa wir, sondern die Industrie; das ist ja wohl unstrittig. Die Filmlobby will ihr Monopol auf die Vermarktung von Filmen behalten, da der Filmwirtschaftszweig ein besonders rentabler ist, und setzt daher den Gesetzgeber unter Druck. Der Gesetzgeber muss sich mit der Frage auseinandersetzen, ob die Netzneutralität und damit auch die Freiheit der Meinungsäußerung wichtiger ist als die wirtschaftlichen Interessen einiger weniger. Und sollte sie sich unter dem Druck der Lobbyisten gegen die Freiheit entscheiden – mit Verlaub – sähen wir das nicht als unsere Schuld an.

Lars Sobiraj: Gut, ich formuliere die Frage anders: Was müsste die Filmwirtschaft denn tun, um wieder konkurrenzfähig zu sein und mehr Umsätze zu generieren?

Movie2k.to: Die Filmwirtschaft ist nach wie vor konkurrenzfähig. Sie verkauft dem Konsumenten Filme in bestmöglicher Qualität; das ist etwas, wovon wir sehr weit entfernt sind. Insofern sind wir auch keine direkte Konkurrenz. Selbst wenn wir Tips hätten – wieso sollte es in unserem Interesse sein, dass die noch größere Umsätze erzielen?

Lars Sobiraj: Mal zum Abschluss ein Blick in die Zukunft: Welchen Anteil wird Online-Streaming künftig im Vergleich zum regulären Fernsehkonsum haben?

Movie2k.to: Das ist eine interessante Frage. Allerdings macht uns unsere Beschäftigung mit Onlinestream nicht zu Experten in Sachen Konsumverhalten. Jeder, der mit Onlinestreaming vertraut ist, kann dazu eine Meinung haben; unsere ist da fachlich nur unwesentlich relevanter. Grundsätzlich steht jedoch zu vermuten, dass Onlinestreaming zunehmend an Bedeutung gewinnen wird.

Das Internet erfährt schließlich erst seit wenigen Jahren eine solch enorme Breitenwirksamkeit, wie es aktuell der Fall ist. Vor allem die ältere Generation wird das Internet mit all seinen Möglichkeiten erst im Laufe der Zeit für sich entdecken. Im Prinzip verhält es sich mit dem Internet nicht anders als mit dem Telefon, dem Radio, dem Fernseher, dem Handy. Was jedoch die genaue Antwort auf deine Frage betrifft, so überlasse ich sie den Soziologen, die dazu Studien anfertigen können und den Meinungsforschern, die ihre Schlüsse aus Umfragen ziehen können.

Lars Sobiraj: Ob die dann tatsächlich unabhängig urteilen würden, steht wieder auf einem anderen Blatt Papier. Dir auf jeden Fall vielen Dank, dass Du dir die Zeit für die Beantwortung unserer Fragen genommen hast.

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