Die DENIC und deutsche Domains

domain endungen denic
Heute mal ein ganz anderes Thema als gewohnt. Es dürfte allerdings für die meisten Personen interessant sein, die aktuell oder in der Vergangenheit eine .de Domain betrieben haben. Eins vorab. Das Schreiben zeigt mal wieder: Alle wollen nur unser Bestes, unser Geld.

Kurz vor Weihnachten erreichte mich auf Umwegen ein Brief der DENIC, der Stelle die eben die deutschen Domains betreibt und verwaltet. Da ich schon lange nicht mehr an meinen alten Wohnort wohne, aber noch meine Familie, erreichte mich dennoch zum Glück dieses Schreiben.

Ich habe im Jahr 2006 eine deutsche Domain über eine Firma in Kombination mit Webspace direkt für mich registrieren lassen. Die Domain und den Webspace bezahlte ich eben auch bei diesem Anbieter. Ich ließ dann den Vertrag 2 Jahre später im Jahr 2008 wieder mit einer Kündigung auslaufen. So gut, so weit.

Umso mehr war ich verwundert, als mich eben über Umwege letztes Jahresende ein Brief der DENIC erreichte. Dort wird ausgeführt, dass sich meine Domain, die ich eben über eine Firma habe registrieren lassen, in einer Transitphase befinden soll. Ich könne diese Domain innerhalb von 4 Wochen transferieren (beispielsweise zu United Domains oder einem anderen Domain-Verwalter). Bei fehlendem Interesse kann ich die Domain auch löschen lassen. Ein Foto des Schreibens ist hier verfügbar.


Ansonsten geht bei Untätigkeit meinerseits die Domain in die Hände der Denic über. In dem Fall soll ich dann 58 Euro Verwaltungsgebühren zahlen. Wohlgemrkt ist dann übrigens kein Webspace oder E-Mail Postfach in diesen „exklusiven“ Service enthalten. Wenn man bedenkt, dass eine .de Domain neu je nach Anbieter gerade mal zwischen 2.99 € und 9,99 € kostet, finde ich das ganz schön happig!

Zudem ist es sehr verwunderlich, dass ich als ehemaliger Domaininhaber die Kosten tragen soll, obwohl der alte Provider für die Abwicklung zuständig war. Noch merkwürdiger ist das Timing. Dass das Schreiben 6 Jahre später kommt, ist nicht zu erklären. Wenn die Adresse nicht mehr stimmt, hätte man sich nach einer aktuellen erkündigen können. Es war pures Glück, dass ich den Brief überhaupt bekommen habe. Normalerweise wäre das Schreiben unzustellbar zurück an den Absender gegangen. Dann wären die 58 Euro wahrscheinlich fällig geworden. Ob man für das Inkasso meine aktuelle Anschrift herausgefunden hätte? Wahrscheinlich schon.

Wie dem auch sei, die Domain ist jetzt zur Löschung angewiesen. Bleibt zu hoffen, dass mich der Spaß nicht später noch etwas kosten wird.

Mich würde auch mal die Meinung eines Rechtsanwalts interessieren. Falls hier einer mitliest, wäre ich sehr dankbar wenn man mir und den Lesern (in den Kommentaren) darlegen könnte, wie das deutsche Domainrecht in diesem Fall geregelt ist. Darf die DENIC die angedrohten „Verwaltungsgebühren“ tatsächlich androhen oder sogar in Rechnung stellen, obwohl ich die Domain vor vielen Jahren nachweislich gekündigt habe?

Bildquelle: Tristan, thx! (CC BY 2.0)

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8 Kommentare

  1. Lars Sobiraj sagt:

    Diese E-Mail habe ich bekommen:

    Hallo,

    die Kommentarfunktion klappt bei mir nicht, daher auf diesem Weg:

    So einen Brief von der DENIC hatte ich auch schon.

    Mysterion hat vermutlich nur den Vertrag mit dem Hoster gekündigt,nicht
    aber die Domain freigegeben. Das sind zwei verschiedene Dinge.Frag mal
    deinen Hausanwalt.

    Auf dem Kündigungsformular hätte er wahrscheinlich ankreusen müssen „Die
    Domain wird freigegeben“, oder ähnlich. Sonst bleibt die Domain bei
    ihm, und er könnte sie theoretisch auch später noch zu einem anderen
    Hoster per KK umziehen.

    Und der Kommentar von mario ist einfach nur dumm und gefährlich. „ganz
    penetrant ignorieren“ kann richtig teuer werden. Wahrscheinlich
    ignoriert er auch noch den Mahnbescheid, den Vollstreckungsbescheid und
    schließlich den Gerichtsvollzieher, der vor der Tür steht.

    Guten Rutsch!

    • Tarnkappe_Mysterion sagt:

      Okay, danke für die Antwort. Werde mir das für die Zukunft merken. Mich wundert bloß der große Zeitunterschied. Innerhalb von 1 Jahr find ja noch okay wenn so ein Breif kommt aber 6 Jahre später?

  2. Joe sagt:

    Dieser Ablauf ist ganz normal bei .de domains. Auf der Arbeit erreichen mich diese Briefe immer wenn die Buchhaltung mal wieder versäumt ein paar Rechnungen zu bezahlen. Ich finde das vorgehen gut, da so die domain nicht sofort weggegrabbt werden kann.

    Es gibt zwei Möglichkeiten, DE-Domains zu „löschen“:

    – direkte Löschung mit Disconnect
    – Transit

    Bei ersterer Variante ist die Domain endgültig gelöscht, und wieder im Whois als „frei“ deklariert, kann damit auch von Grabbern registriert werden.

    Die zweite Variante ist die „sicherere“: Der Hoster signalisiert der DENIC, er fühlt sich für die Domain nicht mehr zuständig. Die DENIC nimmt die Domain an sich, im Transit-Status. Der Domain-Inhaber (Owner-C im Whois) erhält nun Post von der DENIC, mit weiteren Möglichkeiten:

    – Transfer der Domain zu einem anderen Hoster
    – endgültige Löschung der Domain
    – Betreuung der Domain durch DenicDirect (automatisch, nach ca. 3 Wochen)

    Für die ersten beiden Punkte sind in dem Schreiben Zugangs-Codes für das Verwaltungs-Interface der DENIC genannt.

    Hier kann der Domain-Inhaber dann selbst entscheiden, was er mit der Domain machen möchte

    Hintergrund des Transit-Verfahrens bei einer Domain-Löschung: der Webhoster ist haftungstechnisch nicht mehr für die Domain verantwortlich, da diese seinen Zuständigkeitsbereich verlassen hat – der Domaininhaber entscheidet selbst, was passiert.

  3. Bastian sagt:

    Und die Verjährungsfrist in diesem Fall schaut wie aus? 3 Jahre? Oder fällt das weg weil es erst jetzt in Rechnung gestellt wird?

  4. vonzieten sagt:

    Die Briefe sind normal. Meine Frau hat ebenfalls einen mit ziemlicher Verzögerung bekommen. Das ist meines Erachtens nur dadurch zu erklären, dass der ursprüngliche Provider die Domain bei der Vertragskündigung gar nicht bei der DENIG freigegeben hat, sondern erst jetzt. Bei 1und1 kann es sogar passieren, dass die Domain nach der Löschung an den hauseigenen „Domain-Grabber“ (domcollect AG) übergeben wird, der dann über sedo (ebenfalls united internet) die Domain an den meistbietenden versteigert.

    • AX11 sagt:

      sedo gehört zu UI? Das war aber nicht schon immer der Fall, oder? Passt aber wie die Faust auf’s Auge. Ich komme nicht umhin, ganz eigennütztigerweise zu bemerken, dass es auch Hoster gibt, die einen nicht über den Tisch ziehen :)

  5. drcyber sagt:

    Das ist doch völlig normal bei .de Domains,hab immer solche Briefe bekommen wenn ich die Domain auslaufen lasse.Finde mit diesem Brief ist das ganz gut geregelt natürlich sind die 58 Euro schon derb teuer aber ist natürlich auch logisch das die Domains direkt bei der Denic teurer sind wie bei einem Hoster der hat natürlich ein ganz anderes Kontingent und umso mehr Domains ein Hoster kauft umso billiger kann er die Domains auch anbieten .Was ich Merkwürdig finde das du erst nach 6 Jahren den Brief bekommen hast,bei mir kam der Brief immer ca nach 2 Wochen nachdem ich die Domain auslaufen lassen hab.Wie ich schon öfters gelesen hab soll man mit der Denic aber auch reden können falls man die Frist nicht eingehalten hat.Aber du bist auch verpflichtet deine Daten der Domain stets aktuell zuhalten.

  6. mario sagt:

    ich bin kein rechtsanwalt: aber alles was nicht per einschreiben kommt, würde ich ganz penetrant ignorieren!
    in deinem fall war es vielleicht glück, dass du überhaupt ein brief bekommen hast, aber ganz ehrlich, scheiß drauf und zahl gar nichts!
    sollen die dich anpissen wie die wollen! sollen die erstmal nachweisen, dass du darüber informiert worden bist!

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