de.indymedia.org nach DDoS-Angriffen wieder online

Nach fünf Tagen Downtime ist de.indymedia.org nun wieder online. Unbekannte hatten den sechsten größeren DDoS-Angriff in 2020 durchgeführt.

de.indymedia.org
de.indymedia.org Foto Karen Rustad Tölva, thx! (CC BY 2.0)

Sowohl im Clearnet als auch im Tor-Netwerk ist die deutschsprachige Version der linken Internetplattform de.indymedia.org wieder verfügbar. Über mindestens vier Tage hinweg sorgten DDoS-Angriffe Unbekannter dafür, dass niemand mehr auf die Seite zugreifen konnte.

de.indymedia.org litt wochenlang unter DDoS-Angriffen

Über mindestens vier Tage hinweg war de.indymedia.org nicht mehr erreichbar. Unbekannte hatten ihre digitalen Sternchen geworfen, um die Webserver zu überlasten. Unter der Adresse 4sy6ebszykvcv2n6.onion kann man auf die Seite im Tor-Netzwerk wieder zugreifen. Auch im Clearnet ist das linke News-Portal von und für Aktivisten wieder zuverlässig verfügbar. Man teilte uns mit, die DDoS-Angriffe seien insgesamt über Wochen hinweg gelaufen. Wer dafür verantwortlich ist, steht zum jetzigen Zeitpunkt nicht fest. Unklar ist auch, welche Maßnahmen man ergriffen hat, um die Angriffe erfolgreich abzuwehren. Dies war nach eigenen Angaben der sechste gezielte DDoS-Angriff in diesem Jahr.

Vorgänger noch immer verboten

Das Innenministerium hat den Trägerverein des Vorgängers, linksunten.indymedia.org, im August 2017 verboten. Auch die Seite wurde gesperrt und das Symbol der Seite bzw. die Nutzung des entsprechenden Twitter-Accounts ist verboten. Man begründete das Verbot damit, das aktivistische News-Portal laufe den Strafgesetzen der Bundesrepublik Deutschland zuwider. Konkret meinte man damit wohl Aufforderungen zur Teilnahme an Demonstrationen anlässlich des Natogipfels in Straßburg und Kehl im Jahr 2009. Die Behörden wollten mit den Hausdurchsuchungen bei Vereinsmitgliedern und der Beschlagnahmung des Webservers die Betreiberstruktur aufklären. Den Behörden ging es ferner darum, den Verein zu zerschlagen, das Vereinsvermögen zu beschlagnahmen und das Portal dauerhaft abzuschalten.

Mittlerweile hat man insgesamt sieben Verfassungsbeschwerden wegen des Verbotes von linksunten.indymedia beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe eingereicht. Man strebt letztlich eine Aufhebung bzw. Rücknahme des Verbotes an.


Archiv trotz Verbot online

Unter dem Motto „Das Internet vergisst nicht“ veröffentlichten Unbekannte im Januar 2020 ein Archiv der abgeschalteten Internetplattform linksunten.indymedia im Netz. Damit waren auf einen Schlag rund 200.000 alte Beiträge wieder online. Darunter auch von Autoren der linksextremen Szene bzw. von gewaltbereiten Autonomen. Strafrechtlich relevant sind vor allem die zahlreichen Bekennerschreiben und Aufforderungen zur Teilnahme an Straftaten.

Tarnkappe.info

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.