Chainalysis: Darknet-Verkäufe rückläufig wegen der Corona-Pandemie

Laut Chainalysis-Angaben haben Kunden in den letzten zwei Monaten weniger Bitcoins auf Darknet-Märkten ausgegeben, obwohl der Preis sank.

Chainalysis

Die Coronavirus-Pandemie hatte bisher krisenhafte Auswirkungen auf jeden Bereich der Weltwirtschaft und macht auch vor dem Darknet nicht Halt. Laut Angaben des selbst ernannten „Cryptocurrency Crimefighter“ Chainalysis waren die Darknet-Verkäufe rückläufig. Die Kunden haben in den letzten zwei Monaten weniger Bitcoin auf Darknet-Märkten ausgegeben, obwohl dessen Preis gesunken ist.

drogen zollfahndungsamt ffmDas Kerngeschäft von Chainalysis beruht auf einer Identifikation von Blockchain-Mustern. Mit speziellen Compliance- und Untersuchungsprogrammen, die auf der Chainalysis Blockchain Intelligence Platform laufen, identifiziert Chainalysis Geldwäsche und illegale Transaktionen.

Nach eigener Aussage ist die Firma damit der „leading provider of Anti-Money Laundering Software for Bitcoin“. Die Chainalysis Software-Programme verifizieren illegale Transaktions-Aktivitäten. Sie arbeiten mit Europol und anderen internationalen Strafverfolgungsbehörden zusammen. Gemeinsam verfolgen sie weltweit Crypto-Diebstähle und Cyber-Kriminelle bis zur Quelle zurück.

Seit Corona-Krise: Einbruch von Darknet-Geschäften

Noch im letzten Quartal 2019 spülten Kunden Bitcoin im Wert von ungefähr 600 Millionen US-Dollar in Darknet-Markets für illegale Waren. Jedoch ist der Zufluss seit Ende Februar durch die Ausbreitung von Covid-19 massiv zurückgegangen.

„In der Vergangenheit hatten die Einnahmen der Darknet-Märkte (Wert der an Darknet-Märkte gesandte Bitcoins) eine schwache inverse Korrelation mit dem Bitcoin-Preis“, teilt Chainalysis mit. Diese Beziehung hat sich jedoch in den letzten zwei Monaten umgekehrt. Demnach erreichte der Bitcoin Mitte Februar einen Höchststand von 10.500 USD. Er fiel jedoch dann am 13. März auf 3.867 USD. Mit sinkenden Preisen veränderte sich auch der Wert der an Darknet-Märkte gesandten Bitcoin von 4,1 Mio. USD auf 3,2 Mio. USD.

“Für die Darknet-Märkte sind die Einnahmen stärker mit dem Preis von Bitcoin korreliert, was bedeutet, dass die Darknet-Märkte unerwartet starke Einnahmeverluste verzeichnet haben, seit der Preis von Bitcoin zu fallen begann.

Dies ist besonders interessant, wenn man bedenkt, dass die Einnahmen der Darknet-Märkte früher eine kleine, aber signifikante inverse Korrelation mit dem Bitcoin-Preis hatten, was bedeutet, dass wir erwartet hätten, dass die Darknet-Märkte nach dem Preisrückgang etwas höhere Verkäufe verzeichnen würden.“

Darknet-Verkäufe

Quelle: Chainalysis

Als spekulative Ursachen gibt Chainalysis an:

„Vielleicht kaufen Kunden der Darknet-Märkte angesichts der Krise nicht so viele Drogen. Es ist auch möglich, dass Anbieter ihre Verkäufe während des Preisverfalls reduzierten, aus Angst, dass Coins, die sie an einem Tag akzeptieren, am nächsten wertlos sein könnten. Es ist aber auch wahrscheinlich, dass Covid-19 es derzeit schwieriger macht, Drogen zu verkaufen.“


Während der genaue Grund für den Einnahmen-Rückgang der Darknet-Märkte unklar ist, deutet der Bericht von Chainalysis darauf hin, dass COVID-19 den Verkauf von Drogen erschwert hat:

Bitcoin, Darknet-VerkäufeJüngste Berichte weisen darauf hin, dass es mexikanischen Drogenkartellen schwerer fällt, Fentanyl zu beschaffen. Da die chinesische Provinz Hubei – ein Zentrum des globalen Fentanylhandels – als Epizentrum des Ausbruchs schwer getroffen wurde. Solche Störungen der globalen Lieferketten könnte es Darknet-Marktanbietern erschweren, Geschäfte zu machen.

Während sich China von seinem Covid-19-Ausbruch erholt, scheint sich auch der Kauf auf dem Darknet-Markt wieder zu beleben. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob die neue Bitcoin-Preissensitivität der Darknet-Märkte ein einmaliger Ausrutscher oder ein neuer Trend sein wird.“

Foto 1820796, thx!

Tarnkappe.info

Über den Autor

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.