Cyberbunker-Razzia: Von Kamphuis veröffentlicht Statement

Cyberbunker 2.0. Sven Olav Von Kamphuis gab uns gegenüber ein Statement zur Razzia in Traben Trarbach ab. Er ist einer der Betreiber des hochmodernen Rechenzentrums in Rheinland-Pfalz, welches tief unter der Erde betrieben wurde. Die Räumlichkeiten wurden vergangenen Freitag von nicht weniger als 650 Polizisten nebst einer Einheit der GSG9 gestürmt.

Sven Olav Von Kamphuis äußert sich erstmals öffentlich zur Razzia des LKA Rheinland-Pfalz. Laut Artikel 5 des Grundgesetzes findet keine Zensur in Deutschland statt, was nach seiner Meinung dieser Beschlagnahmung & Durchsuchung widerspricht. Er findet, dies sei nicht nur juristisch gesehen ein Fakt. Das GG nehme darüber hinaus auch den Staat in die Pflicht, die Rechte seiner Bürger zu achten und zu schützen. Genau dies sei hier nicht geschehen.


Als Carrier Dienst-Anbieter fallen die Calibour GmbH und Zyztm Research Division 10 BV unter § 8 des Telemediengesetzes (TMG). Egal ob sie wissen was ihre Kunden machen oder nicht, müssen Diensteanbieter dafür nicht haften, solange sie die Darknet-Marktplätze etc. nicht selbst betreiben, was wir nicht getan haben. In all den vergangenen fünf Jahren kam niemals bei uns eine Einstweilige Verfügung an, so wie damals beim Verfahren wegen dem Hosting von The Pirate Bay. Mit einem Urteil für die Durchsuchung aufgrund des Wallstreet Markets kamen sie bei uns rein. Sie hätten die Informationen auch so bekommen. Für die anderen Server bzw. Kunden existierten hingegen keine richterlichen Beschlüsse.

cyberbunker 2.0Cyberbunker-Razzia: 650 Polizisten im Einsatz

Wofür die ganze Einschüchterung mit 650 Polizisten? Es handelt sich um einen Einschüchterungsversuch der Internet-Industrie, damit die Polizei auch ohne richterlichen Beschluss tut, was die wollen. Man hätte sich leicht für die sieben anderen Darknet-Markets individuelle Beschlüsse holen können. Und dann hätten sie den Kram mitbekommen.

Aber nein, offenbar ging es vielmehr darum die rechtliche Grundordnung zu erschüttern, indem man einfach alle Lichter bei uns ausgeknipst hat. Hier wird ein Industriezweig völlig legal terrorisiert. Die wollen entscheiden, wer weiterhin mit dem Internet verbunden sein darf und wer nicht.

Richterlicher Beschluss oder GTFO !

Wir sagen immer: Her mit dem Beschluss oder GTFO (get the fuck out). Für die Kunden gibt es Verträge. Für die Polizei den Zwang, unsere Privatsphäre nur gegen Vorlage des Durchsuchungsbeschlusses verletzen zu dürfen. Meine und Xennts Firmen haben sich als Carrier-Dienstleister stets an Artikel 8 des TMG gehalten. Für Webhoster wurde der ja auch erschaffen. Demnach kann man jeden und alles mit Internet beliefern. Verboten ist lediglich, den Eigentümern bei einem illegalen Betrieb zu helfen oder diesen selbst durchzuführen, was wir nie getan haben.

cyberbunker 1.0

Der frühere Aktivist der Piratenpartei vor dem CyberBunker 1.0.

Nach Ablieferung des root passwords loggen wir uns nicht mehr ein. Heißt: Wir haben anschließend keine Kontrolle über die Inhalte, die darüber angeboten werden. Die Polizei wird keine SSH Zertifikate von Workstations finden, die jünger als das Ablieferdatum der Server sind. Außerdem wünsche ich den Kollegen viel Spaß beim Tippen des Inhalts in Hexadezimalzahlen von jeder Harddisk, die beschlagnahmt wurde. Da gibt’s ein Array von 23 Exabyte. Weil unsere Anwälte werden sie sicher dazu auffordern. Und das auf Papier. ;-)

Persona non grata in Deutschland

Ich bin übrigens überhaupt nicht Teil der Firmen „zyztm“ und ‚calibour‘. Von calibour weiß ich erst seit 2016, dass es die gibt. Zyztm und die cb3rob Ltd & Co. KG waren gegenseitig Kunde und Lieferant, bis 2013. Ich war nur selten auf der Base (im Cyberbunker) und reiste ein, obwohl ich in Deutschland eine Persona Non Grata bin. Darüber müssen wir nochmal reden als Teil der Wiedergutmachung. ;-) Mit den Kundendaten hatte ich nichts zu tun, ich habe dort Systeme aufgebaut und verwaltet, die für den Betrieb des Cyberbunkers wichtig waren. Zudem habe ich Wifi-Netzwerke aufgebaut, das Lan im Büro installiert, die Johnson Control Systems für die Generatoren, den C02 Alarm, die automatischen Türen etc. Mit den Kunden hatte ich hingegen nichts am Hut. Auch bekam ich keine Passwörter. Also, fertig aus.

Im videoüberwachten Gebäude 8 für Annahme und Versand habe ich bei Einsätzen meine persönlichen Sachen deponiert. Die Vordertür des Gebäudes wurde von einer Kamera gegenüber gefilmt. Von daher müsste schon alleine klar sein, dass ich nicht ganz so oft da war. Ist ja auch ein wenig schwierig, wenn man in Deutschland nicht erwünscht ist. Die Behörden behaupten, meinen gültigen Führerschein dürfe ich innerhalb Deutschlands nicht benutzen. Aber mal ehrlich: was soll man dort ohne Auto machen?

Diensteanbieter unterliegen keiner Pflicht zur Anzeige

Trotzdem hat sowohl die Calibour GmbH und Zyztm GmbH das Recht, die Firmen genau so zu betreiben, wie die das gemacht haben. Die deutsche Justiz hat NICHT das Recht Zensur zu betreiben, indem sie einfach 2.048 IPs abgeschaltet haben und trotzdem behaupten, dass es da nur -7- Dark Markets gab. Ob und in welchem Rahmen überhaupt ein ISP weiß, was der Kunde macht, ist in dem Zusammenhang völlig egal. Es gibt keine Pflicht zur Anzeige. Es gibt auch im Cyberbunker keine Pflicht die Kunden im Verdachtsfall zu terminieren. Schließlich ist der ISP nicht derjenige der zu entscheiden hat, ob die Tätigkeiten seiner Kunden illegal sind oder nicht. Dafür gibt es die Gerichte. Wenn die Polizei anderer Ansicht sein sollte, sollten sie nochmals ganz fest die Schulbank drücken, um unsere Rechte zu lernen.

Die Polizei, dein Freund und Helfer?

Was das LKA RP gerne haben möchte, das gibt es schon. Das nennt sich Polizeistaat. Immer schön der Reihenfolge nach. Erstmal eine Einstweilige Verfügung oder einen Durchsuchungsurteil einholen und dann bekommt man damit genau eine Website offline. Und nicht wie hier, wo man willkürlich alles in einem Schlag plattgemacht hat. Mich nerven auch die ganzen Zeitungen und News-Portale, die nur das BlaBla von der Pressemitteilung des LKA übernommen haben. Die sollten ihre Arbeit besser machen.

Tarnkappe.info

 

Beitragsbild: Sven Olaf Von Kamphuis & Samir Allioui beim CCITT Monument in Bern. Quelle privat, thx!

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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