Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel: El Salvador schreibt Geschichte

Am 8. Juni 2021 erklärte Präsident Nayib Bukele Bitcoin mit Wirkung zum 7. September 2021 zum gesetzlichen Zahlungsmittel in El Salvador.

Bitcoin
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El Salvador hat als erstes Land der Welt Bitcoin (BTC) als gesetzliches Zahlungsmittel eingeführt. Die beliebte Kryptowährung ist nach einer Ankündigung der Regierung von Präsident Nayib Bukele Anfang Juni nun offiziell Teil der Wirtschaft des Landes. Einen Tag vor der Einführung kaufte El Salvador 400 Bitcoin im Wert von etwa 20,9 Millionen US-Dollar. Bukele bezeichnete den Kauf als ersten Schritt, um die digitale Währung in die Bilanz aufzunehmen.

Das Gesetz besagt, dass alle Wirtschaftsakteure die Kryptowährung Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptieren sollen. Die Gesetzgebung erlaubt folglich die Anzeige von Preisen in Bitcoin und die Zahlung sowohl von Waren, aber auch von Steuerbeiträgen mit der digitalen Währung. Der Umtausch in Bitcoin unterliegt nicht der Kapitalertragsteuer.

Die Entwicklung findet inmitten von Protesten und Unsicherheit statt. Nach wie vor bleiben Fragen zur Integration von Bitcoin in das Finanzsystem des Landes und zum allgemeinen Zugang zu der neuen Technologie unter den Salvadorianern, wo 32,7 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze bleiben, bestehen. Zudem haben nur 58 Prozent der Bevölkerung Zugang zum Internet, das für Bitcoin-Transaktionen notwendig ist. Rund 70 Prozent der Bürger haben keinen Zugang zu traditionellen Finanzdienstleistungen. Geld, das Migranten ins Land schicken, machen immerhin über zwanzig Prozent des Bruttoinlandsprodukts von El Salvador aus. Allerdings beanspruchen die Dienstleister über zehn Prozent an Gebühren für diese internationalen Überweisungen. Trotzdem kann es Tage dauern, ehe die Zahlungen eintreffen, manchmal ist sogar eine physische Abholung erforderlich.

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Trotz massiver Kritik innerhalb der Bevölkerung: El Salvador führt Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel ein

Die Politik bezüglich der Bitcoin-Währungs-Einführung stößt innerhalb des Landes auf massive Kritik. Zwei Umfragen bestätigen das Misstrauen in El Salvador gegenüber dem neuen Gesetz. Eine von Disruptiva Anfang Juli durchgeführte Umfrage unter 1.233 Personen ergab, dass zwei Drittel der Teilnehmer nicht bereit waren, in Bitcoin bezahlt zu werden. Eine weitere, neuere Studie von Ende August, die El Salvadors University of Central America (UCA) erhob, zeigte gleichfalls ein hohes Maß an negativer Stimmung gegenüber dem Bitcoin-Gesetz. Die Umfrage ergab, dass 67,9 Prozent der 1.281 Befragten kein Vertrauen in Bitcoin haben und nur 17 Prozent glauben, dass es die Wirtschaft verbessern wird.

Bukele hingegen ist überzeugt, dass das Vorhaben El Salvador zu einem Aufschwung verhelfen wird. Er bezeichnete den Schritt als Weg zum Wachstum der Wirtschaft durch den Zugang zu Krediten, Ersparnissen, Investitionen und sicheren Transaktionen. Bukele gibt an, dass Bitcoin den Salvadorianern 400 Millionen Dollar pro Jahr an Gebühren für diese Transaktionen sparen könnte. Wenn das Experiment erfolgreich ist, könnten andere Länder dem Beispiel El Salvadors folgen.

Einführung einer Wallet-App namens Chivo

Jetzt, da das Gesetz in Kraft getreten ist, hat El Salvador eine Wallet-App namens Chivo auf den Markt gebracht. Für diese können sich Bürger mit einem nationalen Ausweis anmelden, um Transaktionen mit Bitcoin zu tätigen. Benutzer erhalten Bitcoin im Wert von 30 US-Dollar, nach der Anmeldung, um die Akzeptanz zu beschleunigen. Die „Chivo Wallet“ soll „einfach zu bedienen“ sein, heißt es in einer Aussage des Rechtsberaters des salvadorianischen Präsidenten Javier Argueta. Der Beamte fügte hinzu, dass die Regierung „die notwendigen Schulungen und Mechanismen fördern wird, damit die Bevölkerung auf Transaktionen in Bitcoin zugreifen kann“.

Argueta hat den Salvadorianern versichert, dass „der Staat Alternativen bereitstellen wird, die es dem Benutzer ermöglichen, Transaktionen in Bitcoin durchzuführen, sowie auf Wunsch eine automatische und sofortige Konvertierung von Bitcoin in Dollar zu ermöglichen.“ Künftig soll es demgemäß auch 200 Chivo-Geldautomaten für Bitcoin geben. Die salvadorianische Regierung gab ferner bekannt, sie „garantiere, dass Gehälter, Renten und Buchhaltungsvorgänge weiterhin in Dollar als Referenzwährung abgewickelt werden“.

Tarnkappe.info

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.