crimemarket, Banner vom ZAC
crimemarket, Banner vom ZAC

crimemarket.is – kein Hack, sondern ein Bust

Beim Untergrund-Forum Crimemarket gibt es offenbar technische Probleme. Doch es sind auch bislang unbestätigte Bust-Gerüchte aufgetaucht.

Ein Unbekannter kontaktierte uns kürzlich und kündigte an, dass am heutigen Donnerstag angeblich etwas „Großes“ passieren soll. Die Startseite des deutschsprachigen Fraud-Forums crimemarket.is sieht allerdings völlig normal aus. Wer sich hingegen versucht einzuloggen, erlebt sein „blaues“ Wunder (siehe Beitragsbild).

Ein simpler Hack oder Besuch von der Polizei, das ist die Frage!

Denn egal was man eingibt, bekommt man eine Grafik angezeigt, die beweisen soll, dass angeblich das ZAC Köln gemeinsam mit dem Polizeipräsidium Düsseldorf die Plattform und deren Inhalt übernommen haben soll. Es gibt allerdings keine entsprechende Pressemitteilung. Auch ist merkwürdig, dass dieser Banner erst beim Login und nicht, wie üblich, auf der Startseite, zu sehen ist.

crimemarket

Bei Crimemarket.is sieht man die Mitteilung, dass die Wartungsarbeiten abgeschlossen seien. Doch alle Links darunter hat man verfälscht, damit man einen Login probiert. Beim Login-Versuch fragt die Website auf jeden Fall aktuell die Geolocation ab. Merkwürdig ist auch: Betreiber Evolution ist zwar bei Jabber online, reagiert aber im Gegensatz zu sonst grundsätzlich auf keine Anfragen.

Crimemarket derzeit nicht benutzbar

Einer der langjährigen Benutzer schrieb mir: „Ich bin gespannt. Es war eh nicht mehr zu ertragen. Nur noch Handynutzer und die vielen Kinder dort. Negative Feedbacks hat man einfach gelöscht. Niemand konnte da einkaufen ohne gerippt (betrogen) zu werden trotz Treuhand-Konto. Die haben bei crimemarket.is einfach einen richtigen Sellout gemacht. Es bleibt spannend, ob sich die Gerüchte mit dem Bust bewahrheiten und man nun die ganzen Handynutzer hopps nehmen wird.

Gerüchte besagen, dass dem Crimemarket-Admin Evolution juristische Probleme infolge des Chipmixer-Busts drohen soll, weil er darüber seinen „Geldwäscheservice“ realisiert haben soll. Im Verlauf der Ermittlungen soll die komplette Datenbank der Kunden sichergestellt worden sein. Doch ob dies auch für den Crimemarket relevant ist, können wir nicht überprüfen. Klar ist auch: Konkurrenten seit jeher gerne negative Gerüchte, um den Ruf des wohl aktivsten deutschsprachigen Fraud-Forums zu ruinieren.

Wir bleiben auf jeden Fall am Ball, stellen eine Presseanfrage und melden uns, wenn wir etwas Handfestes in Erfahrung bringen können.

Kein Hack, sondern eine behördliche Aktion

Update: Es war doch ein Bust. In einer vor wenigen Minuten veröffentlichten Pressemitteilung teilt man mit, dass in ganz Deutschland sowie im Ausland am Donnerstagabend Ermittler gegen die größte deutschsprachige kriminelle Handelsplattform im Internet vorgegangen seien.

Unter Sachleitung der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen (ZAC NRW) hat eine Ermittlungskommission des Polizeipräsidiums Düsseldorf jahrelang Beweise zu Straftaten rund um die kriminelle Plattform „Crimemarket“ zusammengetragen. Angelehnt an den üblichen Aufbau legaler digitaler Marktplätze wurden in verschiedenen Kategorien z.B. Betäubungsmittel, kriminelle Dienstleistungen, aber auch detaillierte Anleitungen zu schweren Straftaten vertrieben. Neben den Betreibern richten sich die Ermittlungen sowohl gegen die über diesen Marktplatz agierenden Anbieter als auch gegen Nutzer.

Update: Dr. Hebbecker schrieb uns heute aufgrund unserer Presseanfrage zurück: „Das kann ich grundsätzlich bestätigen. Zu den Details des gestrigen Großeinsatzes findet heute um 14 Uhr eine Pressekonferenz im Polizeipräsidium Düsseldorf statt.“

Update: Offenbar hat man auf der Seite einen Infostealer installiert. So etwas wie das hier.

Tarnkappe.info

Lars Sobiraj

Über

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem brachte Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.